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Der israelitische Lehrer · 1865-04-20 · 16 (20.4.1865) · p. Seite 63

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
5 (1865)
Issue
16 (20.4.1865)
Date
1865-04-20
Page
Seite 63 (sequence 3)
Language
German
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— 63 — B«ufe geschehe, nur zur Ehre Gottegeschehe, und diese Feier eine würdige Anerkennung dehohen Verdienstede- Lehrer» u« die GotteSlehre sei. Von der Schwierigkeit de- Lehrerberufs sprechend, hob der Redner auch die Pflicht debestLudigen eignen i Hortbildrn- und Weiterstreben» der Lehrer hervor, erwähnte dann noch oe» hohen Verdienste- und de» Lohne-, desse» fich der '»gewissenhafte Lehrer dereinst zu erfreuen habe und schloß mit lchen besten Wünschen für dafernere Wohlergehen de- Jubilar». Mir ward dann die erfreuliche Aufgabe, davon Kurfürst!, vorsteheramte eingefandte Schreiben vorzulesen. Die al-dann olgenden Worte deö von den Eindrücken der Feier sehr ergriffenen ZubilarS enthielten besonder» die Versicherung, nach dem Spruche n Prediger'Salomoa Cap. 11, V. 6. der 21^1 linun! ix>22 |T mn »Am Morgen säe deine Saat, auch am Abend laß eine Hand nrcht rasten/ auch ferner, so lange die g-ttl. Gnade ^Gesundheit und die uöthigen Kräfte verleihe, treu und risrig wie bi-her zu arbeiten. Hierauf wurden die Verse 5 u. 7 des schon bezeichneteu Choralgesungen, dann von m.r mit der Gemeinde oie Psalmen 33. 111, 112 u. 118 recitirt, und zum Schluffe noch der Nachmittag-gottcsdienst verrichtet. Nach der gottesdienstlichen Fevr war ein anregende- Festesten beim Jubilar. Ich hatte hier die Ehre den Toast auf den Jubilar auszubringen und dabei die Genüzthunng auszusprechen, die ich alS .Lehrer über die Betheiligung der gesammten Gemeinde fühlte. 'Später nahm ich Veranlassung aus unfern Unterstützungsverein Aufmerksam zu machen, erläuterte kurz dessen Bestrebungen und Zwecke und erklärte, daß ich mich durch die Betheiligung der sämmtlichcn* Gemeinde an diesem Feste zu dem Schluffe de- ^rechtigt fühle — dieses hierdurch bewiesene Interesse beschränke ch nicht allein auf den Jubilar, sondern auu) auf den gesammten ehrerstand. Eine Folge hiervon waren eine Sammlung, ie 5 Rthlr. ergab*). Selbst die Gäste erfreute der reiche Erfolg. Nach dem Mahle überreichte der Gemeindeälteste dem Ju- ,ilar nun erst daS eigentliche, »hm von der Gemeinde insgeämmt bestimmte seltene und schöne Geschenk, welches in einer rh. EtaatSobligation von „Einhundert Thalern* bestand, - ein Geschenk, welche» gewiß die Geber nicht minder, als den mpfänger ehrt. Der Jubilar war beim Anblicke deS Geschenkes so überrascht, daß er nicht Worte fand, seine Empfinunzen auSzudrückev. Abends war Festtanz, zu dem von Seiten es Bürgermeisters in anerkennenSwertber Liberalität der Rathaussaal zur Versügung bestellt wurde. Der Bürgermeister erschien selbst beim Kaffee in der Wohnung deS Jubilars r pnd dieser brachte ihm bei einem Glase Wein ein „Hoch* aus, > in welches alle Anwesenden freudig ernstimmten. Hierauf dankte Herr Bürgermeister und erklärte ungefähr, daß ihm Juden H'nd Christen al» Bürger gleich seien, und müßte solches einem!ehrer gegenüber um so mehr der Fall sein, da ja der jüdische ehrer nicht anders als der christliche Bildner und Erzieher der uzend sei, und zwar her Jugend, welche bald wieder al» lürger und Mitglieder de- Staateeintreten. Zu einer aner-!ennenden Entgegnung aüfgefordert, sprach ich den Wunsch au», »ß alle Ort-, Stadt- und Staatsbehörden unsere- Staates urhessen von solchen toleranten und liberalen Gesinnungen urchdrungen sein möchten, und forderte alle Anwesende auf, mit “tr einzustimmen in ein „dreimaliges donnerndes Hock* auf - Wohl de- Herrn Bürgermeisters und all derjenigen Orts-, tadt- und Staatsbehörden, die, wie Dieser, von gleichen Grünungen, frei von jedem Vorurtheil, belebt und durchdrungen nd von edler Humanität. Der nun auch anwesend« College stüller sprach zum Schluffe der Feier über Jesajah Cap. 6, V. 12, rzog diese Stelle passend auf die Lehrerpfllchten und besonder» "en des jüd. Lehrers, der enicht allein mit der Bildung der •) Bereits in vor. Spendenliste aufgefübrt. — Red. Jugend, sondern auch mit der Belehrung der Erwachsenen z« thun habe, welchen Anforderungen der Jubilar aber bisher t» jeder Hinsicht entsprochen babe und daß es ihm nun auch vergönnt sein möchte, so fortzuwirken, daß er gesund und kräftig, wie heute, auch die Feier de» goldenen Jubiläum» begehen könne. Hiermit schloß die für jede- Lehrerherz erhebende Jubelfeier und schließ auch ich meinen Bericht mit dem eben ausgesprochene» Wunsche " M. Neuha »S. Au» dem Großberzogthum Hessen. Das Märzheft de» (Frankfurter) Jeschurun enthält in „Licht- und Schattenbilder* eine novellenartige Eczäh-ung,. welche in künstlerischer Beziehung keine Kritik verdient, aber turch ihre Tendenz wiederum Blatt und Streben der Partei kennzeichnet. Ma» sieht: diesen Leuten ist kein Mittel zu schlecht, wenn eS zum Ziele führt, und Alle» erscheint ihnen nach jesuitischer Moral und dem Grundsätze: ad majorem «lei gioriam gerechtfertigt. Obgleich die Erzählung noch nicht beendet ist, so ist doch schon an de« gegebenen Bruchstücken deutlich zu erkennen, was sie soll und will. Man merkt der Erscheinung das Wolsszesicht an, obgleich eS vom Schafspelze umhüllt ist. Es wird dem Volke eine Erzählung quasi auS dem Leben vorgeführt, um es glauben zu machen, daß Allewirklich so nach dem Leben geschildert sei. Zuerst wird ein Sabbatschänder gezeichnet, um zu zeigen, daß diese Leute nicht blos taS Ceremonialgesetz übertreten, sonder» ihnen auch alle Mokstl und Liebe fehle. Wir wissen, daß die Beachtung des Ceremonialgesetzes und namentlich die Sabbatfeier > nicht ohne Einfluß auf das sittlich religiöse Handeln un» be- > sonders auch auf ein innige-. liebevolles Familienleben bleibt; aber falsch und sehr übertrieben ist denn doch die Behaup-! tung, daß mit der Vernachlässigung der Sabbatseier nun auch sofort alle Moralität und Liebe im Leben der Garaus gemacht werde, alle solche Sabbatschänder verbrecherische Scheusale sein > müssen. Der Sabbatschänder raubt der Mutter die Kinder, die , sich nicht von ihr trenn.» wollen, in gleichgültiger Kälte steht »r seinen ältesten Sohn sterben und verläßt seine tödtlich am Ei der daniederliegende Gattin, in derselben Nacht, in der das älteste ind gestorben, da» noch der Beerdigung ha rt. Gibt es solche Juden, — Reformer oder Orthodore? Jedoch nicht blos mit einer schlichten Persönlichkeit aus dem Volke wird die» Maneuvre gespielt; auck ein Rabbiner und zwar ein Reform-Rabbiner, tritt aus, der nicht einmal b»e nöthigen Kenntnisse vom rabbinischen, orthodox-ceremoniellen Judentbum besitzt, geschweige, daß er ei» Leben danach führte. Ihm ist selbst die Anrede: Herr Rabbiner, zuwider; „Herr Doctor* will er heißen. ES wird da das abgedroschene Mährche» von;enem Juden aufgewärmt, der mit einer Schaaloh zum Rabbiner ging, aber als er aus dem Munde de» Rabbiners erfuhr, daß er bei einem Doctor sei, sich mit seinem todten Huhne zurqckzog, siir welches die Hilfe de» Doc« - tor» zu spät komme. Wsr nehmen den Doctortitel der Herren Rabbiner nicht in Schutz, aber eS drängt sich unS die Frage aus: warum die Rabbiner der sog. orthodoxen Partei sich nicht „Rebbe* anreden lassen, und — die neueren orthodoren Stimm» sübrer mindestens — sich auch mit diesem Titel schmücken? warum sie rasirt oder gezwicks und nicht in Anlehnung an den alt-herkömmlichen Gebrauch lieber mit lang wachsendem Barte erscheinen? Der vorgeführte Rabbiner ist daS leibhaftige Bild der Ignoranz und Heuchelei, aber, was mehr sagen will, — und hiermit ist das Maaßder Schlechtigkeiten voll: Dem Reform-Rabb. werden, — obne es deutlich und direkt auSzusprechen, weil wohl von keinem Rabbiner Solches behauptet werhen kann, aber trotz Gedankensi:iche, oder vielmehr gerade Luvch dieselben, e» zwischen den Zeilen heraus andeutend, — unsittncbe Handlungen und moralische Sünden iimputirt, die sich nichj nennen lassen. Pfui! u»d damit genug; Lpago l R. — Die XV. allgemeine deutsche Lehrerversammlung wird in diesem Jahre an den drei auf da» Pfingstfest

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