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Der israelitische Lehrer · 1865-04-20 · 16 (20.4.1865) · p. Seite 62

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
5 (1865)
Issue
16 (20.4.1865)
Date
1865-04-20
Page
Seite 62 (sequence 2)
Language
German
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aus dem Muude eines christlichen Geistlichen, eines Angenzeugm, wie wenig dessen Auslassungen über die Toleranz Rom's, selbst des heutigen, gegen die Juden auf Wahrheit bericht.! Man hat den Juden -so oft den Vorworf gemacht, daß' sie einer materiellen Lebensrichtung huldigen. Ihr scheinbarer Hang für den Handel - ist kein Beweis hierfür. Er liegt, wo er in Wirklichkeit vorhanden^ in den geschichtlichen Verhältnissen begründet. Die vielen Opfer, welche Israel von jeher bis auf dm heutigen Tag für seine speciellen Schul-, Cultus- und Wohlthätigkeitszwecke gebracht hat und dringt, liefern sogar den Gegenbeweis. Aber es sind nicht blos die specifischreligiösen Interessen, wofür Israel Opfer bringt, sondern auch die allgemeingeistigen. Es ist nicht blos verhältnißmäßig mehr Elementar- und wissenschaftliche Bildung unter den Juden zu finden, es wohnt ihnen auch ein auffallend reger Sinn für die wiffenschaftlichen, ästhetischen, artistischen,'überhaupt idealen Zwecke des Lebens in, und sie sind stets zu Opfern für dieselben bereit. Selbst der vielfach gekastelte Sinn für Luxus bei dem Judm zeigt, daß er nicht geizig und filzig dem Mamon anhängt, noch eine vorzüglich materielle Lebensrichtung verfolgt. Wenn man dem Christenthum feine übermäßigen Opfer für Missionsbestrebungen nachrühmt, so haben diesen gar oft sogar Absichtm der materiellsten Natur zu Grunde gelegen, denm die Religion nur als Deckmantel diente. Das Judmthum geht m Betreff, der Verbreitung seiner religiösm Wahrheiten, die chm auch Aufgabe ist, von anderen Gesichtspunkten aus. Wie der Leuchter im Tempel , der symbolische Träger der religiösen Erleuchtung, die Flammen seiner Lichter bedeutsam nach Jnnm wandte (Rum. 8, 2: muon ’js Pid ba nrun nyar nw), zur Mahnung, vaß religiöses Licht zunächst unter Israel verbreitet werben solle, in der Gewißheit, daß, wie jedes Licht, auch dieses seine leuchtenden Strahlen von selbst nach Außen tragen werde: so ist heute noch Israel mit Recht dem Missionswesm im christlichm Sinne abhold. Israel ist auch von der Vorsehung überall hin zerstreut und hat somit von selbst dadurch an allen Punkten der Erde Misfionsstationm gegründet (Talm. B. Pesach. 87, b. «Px moixn Ttoz” nx n'a'p'n nPn D’-u lEDin’tc ’-d). An diesen soll es durch Lehre, wie durch Beispiel ans dem Wege der Ueberzeugung für die Propaganda der isr. Religion wirken. Aber Israel, der von Gott berufene Träger des religiösen Lichts, muß dafür sorgen, daß es selbst dieses Lichts nicht entbehre. Darum ist das Interesse^ welches die Alliance für die Gründung von Schulen hegt, von so großer, Bedeutung. Ist vor Allem das Bedürfniß dazu auch in derr uns fernliegenden Gegenden Asien's und Afrika's vorhanden, das geist- und lichtvolle Auftreten Israels ist überall von Bedeutung und an keinem Orte zu unterschätzen. Es bleibt freilich für das Schulwesen auch unter uns in Deutschland noch viel zu thun übrig. In kleineren Gemeinem liegt es oft ganz darnieder, fehlen die Schulen, oder man entbehrt der ordentlichen Localien, der Lehr- und Lernmittel, der Lehrer. Das Bedürfniß also ist unter uns noch zu befriedigen, und wir richten unsre Aufmerksamkeit schon auf fremde Welttheile l Aber schaffen wir überhaupt nur einen Vereinigungspunkt >zu derartigen Unterftützungszwecken und freuen wir uns, >einen solchm in der Alliance zu finden. Er kommt sicherlich auch uns in Deutschland zu Gute. Die Thättgkett der Alliance ist ja nicht auf die Ferne und Fremde beschränkt. Es liegen gerade in dem gegenwärtigen Berichte die Beweise vor, daß sie ssslbst die Gründung und Vermehrung der Schulen in der allernächsten Umgebung, in Paris, gleichzeitig mitbefördert. Es kann somit die Beförderung von Schulzwecken Seitens der Alliance durch unser» Anschluß an dieselbe auch wieder auf Deutschland zurückwirken. Wir erfahren aus defir vorliegenden Berichte auch, daß zur Erreichung der intendlrten Schulzwecke Sir Francis Goldsmid in London bereits 2000 Frcs. gespendet hat. Möge sein Beispiel reichliche Nachahmung finden! Der von der Alliance in Betreff der Schulen veröffentlichte Aufruf wird von uns, sobald wir den Zeitpunkt ^für geeignet finden, nachträglich mitgetheilt werden. Alzey, im März 1865. Dr. Rothschild. Correfpondenz. Harmuthsachsen in Kurhessen, 2. Aprik. Am 22« v. M. fand in Spangenberg das 25jährige Amtsjubiläum des sehr geehrten Lehrer I. Luß Daselbst statt. Die Einladungen waren von Herrn Rabbiner Wetzlar in Gudensberg an die Herren Lehrer seines Bezirkes Ergangen; ich selbst befinde mich außer» halb dieses Bezirkes, und hatte die Einladung als früherer ■ Schüler vom Jubilar erhalten. Letzteres war auch der Fall bei , College Müller in FranserShausen. Derselbe war ebenfalls Der Einladung gefolgt, wurde jedoch unterwegs derart unwohl, . daß er erst nach der schon erfolgten Abreise des bei der Feier r gegenwärtig gewesenen Hrn. Rabb. Wetzlar und nach Beendigung des vom Juvilar gegebenen wirklich respektablen Festessenseine Ankunft ermöglichen konnte. Warum die anderen Herren College« in der Nähe, welche, wie Müller und ich, Schüler de- Jubilarsind, nicht kamen? Es mochte sie wohl daS sehr ungünstige Wetter abgehalten habest. Als ich am bezeichneten Tage gegen 11 Uhr in Spangenberg, dem Wohnorte meiner Eltern, in der Amtswohnung des Jubilars ankam, fand ich zu meiner großen Freude die ganze Gemeinde, festlich gekleidet, versammelt. Von Kurfürst!. Borsteheramte! in Cassel war dem Jubilar ein Schreiben zugegangen, welches, in gerechter Würdigung die Anerkennung des 25jährigen gjewiffenhaften und treuen Wirkens in Spangenberg aussprach und lobend die Verdienste hervorhob, welche sich der Jubilar, jdurch Heranbildung vieler Zöglinge für das Seminar, erworben^. In Anerkennung dessen waren dem Jubilar fünfzehn Thaler!zur Empfangnahme aus der Provinzialkaffe angewiesen. Von verschiedenen Seiten waren außerdem ' noch recht schöne Geschenke überreicht worden. Nachdem gegen; 12 Uhr sich auch Herr Rabbiner Wetzlar eingefunden, begab man sich in die Synagoge und begann die gottesdienstliche Feier - mit dem 1. und 3. Verse des 56. Chorals im maj bip, welche j vom Jubilar sehr paffend für diese Feier gewählt, mit der j. Schuljugend eingeübt uud von dieser gesungen wurde. Sodann!4; sprach Herr Wetzlar in | einem herzlichen Gebete vor Gott den Dank auS für die uns erthrilte Lehre, sowie ferner für die Er- L Weckung solcher Männer, die das Volk darin unterrichten und?- endlich besonderfür die gnädige bisherige Erhaltung des JubilarS; begrüßte und beglückwünschte dann Letzteren und die Gemeinde und bemerkte dieser, daß sie durch ihre Betheiligung an j dieser Feier zur Ehre Gottes handle, da, waS hier im GotteS- -j

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