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Der israelitische Lehrer · 1865-04-13 · 15 (13.4.1865) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
5 (1865)
Issue
15 (13.4.1865)
Date
1865-04-13
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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T* JsraeUöschf Jestrer. Zeitschrift für die gesammten Interessen des israelitischen Lehrerstandes , unv zugleich Organ für den jBeretn zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer- Wittwen und -Waisen in Deutschland. IVo. IS. Mainz, den 13. April 1865. (Fünfter Jahrgang.) 1 Nummer. Viarteljäbrlilber Abonnement-preis 27 kr. > Tblr. Bei frankirter Zusendung unter Kreuzband jährlich 2 f>. 12 kr. Anzei zen zu 1 Sgr. die Pctitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Bucbhandlungen an. Was den Lehre nt vor Ällem Noth thnt. In Briefen an einen beckgestellten Freunt. 1l. Verhehlen wir uns chaffcn. Man sollte es eider nur zu wahr — chastlichen Stellung, die myen, das sich heutzutb Meshr Achtung! (Schluß). y nicht, verehrter Herr, daß es dem üdischen Lehrer besonders schwer wird, sich die zur wür- . >igen Ersiislung seines Perufes so nöthige Achtung zu verkaum glauben, — und doch ist es daß die Jnconvenienzen der gesellte Juden noch sosehr bedrücken, daS ge fast nur noch im socialen Leben der Juden äußert, einest w ausgebildeteu Kastengeist unter Hen Juden hervorgerusen hat. Da theilt sich jede Gemeinde in jwei oder drei Klassen, die sich strenge von einander abeiden; und insbesond re sind es die Frauen, die das cwußtiein, daß wir -rv\* cy (ein Volk) sind, nicht mehr asten. Und nun sieht sich der Lehrer zwischen diesen Kasten berall in die Enge getmeben! Glauben Eie mir, es ist icht so unwichtig, wie Sie vielleicht denken mögen, ob der!ehrer mit der gebührender! Hochachtung und Auszeichnung, ie seiner gesellschaftlichen Stellung im Geiste der Zeit geährt, auch in sogenannten höheren Kreisen ausgenommen chird oder nicht. Der charakterfeste, energische und denkende Lehrer wird wohl über Kleinlichkeiten sich hinwegsetzen; ist ober immerhin ist es ein erhebendes Gefühl, Anerkennung ex: für dir Wirksamkeit zu.findin, der man die höchste Bedeu- ' ng zuerkennen muß. Fehlt diese Achtung, diese Anerkcnng, so werden wir manchmal irre an uns selbst, das cwußtsein der Idealität unserer Aufgabe schwindet, und it dem Schwinden dieser idealen Auffassung unsres Befes ist dem Lehrerleben die Weihe und Würde genommen, s, was ihn in allen Lagen aufrecht erhält und die Treue ca ad Ml «ftigt. Ich will nicht auf ßll eS dahin gestellt sein la das Allgemeine übergehen, ich ffen, ob es nicht eben im Int esse des gemeinsamen Kanpfes gegen das sociale myKn ralhener wäre, wenn sich in den Orten, wo die sociale .tellung eine jüdische Gesellst Haft nöthig macht, an und für sich alle irgendwie respektablen Kräfte aneinander fügten, auf daß wir nicht durch die Scheidewände, die wir selbst unter un§. ziehen, die Scheidewände um uns kräftigen. Lächeln Sie nicht, halten Sie mich nicht für einen Gesellschaftsmem'chcn, weil ich io viel von Gesellschaft spreche; — gewiß sind Sie mit mir einverstanden, wenn ich die edle Geselligkeit als einen bedeutenden Faktor zur Kräftigung alles Edlen und Hohen in der Menschheit wertst schätze. Und insbesondere der Lehrer darf sich nicht ab -j und ausichlicßen; er muß das Leben, die Väter, Mütter!und Ge- 'chwister kennen zu lernen streben, er muß Stoff für seine erziehliche Praris den Kreisen entnehmen, auf deren Zukunft ec einzuwirken hat Diese Kreise dürfen um des Ly, ils der Minder Willen, zur Hcistellune d-s . rchtigcu VntMtmsses zwischen Schule und Haus ihm nicht verschlossen iierden. Die Achtung vor der gediegenen Lehrerpersönlichkeit wird freilich oft auch durch Anmaßung und Emgebilr etheit gefährdet. Jeder hält sich gerne selbst für. ein garz außerordentliches Lumen, und nun glaubt er auch, es c ls selbstverständlich annehmcn zu müssen, daß sein Frück klein ein eben so großes, wenn nicht ein noch größeres Lumen sei. Hat ja das liebe Söhnleitt im Hause als Kindl schon so viele Wunder reiner Weisheit gezeigt, daß es Kinderspiel sein muß, das bischen Schulweisheit ihm einzugießen. Ein solches Kind wie das meinige? Das müßte, wenn der Lehrer etwas nütz wäre, schon im ersten Jahre mehr wissen, als der Lehrer selbst, der doch sicherlich keinen so gebildeten und gescheidten Vater hatte, wie ich bin. Konnnt nun das Kind nicht recht bald vorwärts, wird cs nicht bald> superklug, überspringt cs nicht bald seine Mitschüler, sitzt es nicht zu oberst, erhält es gar manchmal Strafen ödes: klagt der Lehrer zuweilen, so kann sicherlich nur der Lehrer die Schuld tragen. Da wird nun zu Hause in Gegenwärtiger minder weidlich auf den Lehrer losgedonnert, und —i selbstverständlich — bald ist es mit der Achtung nicht allein der Eltern, sondern auch der Kinder vor dem Lehrer am Ende, und der ganzen Wirksamkeit desselben ist die Wurzel abgeschnitten. Wahrlich, verehrter Herr! Wenn ich auch in meinen Ansprüchen das „Geld" voranschickte, ich trage nichts destoweniger das Bewußtsein in mir, daß zur Besserstellung des

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