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Der israelitische Lehrer · 1865-02-02 · 5 (2.2.1865) · p. Seite 19

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
5 (1865)
Issue
5 (2.2.1865)
Date
1865-02-02
Page
Seite 19 (sequence 3)
Language
German
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A bekannt ist, war das zu erwarten, nicht'aber vom Nürn- , berger Correspondenten, dessen Redacteur noch besonderbrieflich angegangen ward, seiner Glaubensgenoffenschast damit einen kleinen Dienst zu erweisen. ES sind in diesem Blatte schon literarische Werke besprochen worden, welche kein allgemeineres, höheres Interesse beanspruchen dursten. Wir müssen uns daS gefallen laffen. — Auch der Anschluß von Rabbiner» und Lehrern steigert sich in erfreulicher Weise und so dürfen wir eine segensvolle Entwicklung dieser Angelegenheit mit Sicherheit erwarten. Die Bemühungen des Rabbiners Bamberger in Würzburg zur Errichtung eines isr. Seminarin seinem Sinne sind in so ferne gelungen, als bereits ein solches unter dem Namen: „isr. Lehrerbildungsanstalt" in Würzburg in'- Leben getreten ist. In einem zu einem Oekonomiegut außerhalb der Stadt gelegenen Gebäude leben ganz in klösterlicher Abgeschlossenheit 12 ist. Jünglinge unter Leitung des aus Württemberg gekommenen Lehrers, Ludwig*) Stern, welcher dem Referenten dieses als ein strebsamer Mann bekannt ist**) — und eines andern ausländischen Lehrers***) Zwei christliche Fachlehrer ertheilen, Unterricht in den weltlichen Gegenständen. In Musik «Werden diese künftigen Vorsänger gar nicht unterrichtet, und zum Gesang und Schönschreibunterricht wollte B. durchaus nur je eine wöchentliche Stunde verwenden lasten. Nur auf die entschiedene Vorstellung des betreffenden Lehrers, daß sonst das Lehrziel unmöglich zu erreichen sei, verwilligte er wöchentlich deren zwei. Das Ganze steht unter ausschließlicher Leitung des Rabbiners 83., der die Anstalt täglich einmal zur Jnspizirung, jedoch ohne zu unterrichten, besucht Nun besteht bei uns die Anordnung, inhaltlich welcher die angehenden isr. Lehrer die Seminarien zu Schwabach, Bamberg und Würzburg zu besuchen, und von den dort befindlichen Rabbinern Religions - und. hebr. Unterricht zu empfangen haben. Weder von Seiten der Gemeinden, noch der Lehxer ist hierüber Abhilfe verlangt worden. Wer sich bei uns dem Schulfach widmet, steht die Nothwendigkeil ein, eine vorzügliche Vorbildung in den specifi'ch jüd. Fächern anzustreben, und Fälle wie in Württemberg, daßfjunge Lehrer eine auffallende Unkennlniß des Ebräischen zeigen, kommen bei uns nicht vor. Das Bedürfniß einer solchen eignen Lehranstalt besteht also in Bayern unbedingt nicht. Die ganze Anstalt soll durch sreiwillige Beiträge erhalten werden, deren bisherige Größe kein Mensch außer B. kennt, der selbst gegen seine Angehörigen und noch niehr gegen jeden Andern völliges Schweigen beobachtet. Ob nun diese Freiwilligkeit so nachhaltig, ob sie besonders für alle Zeiten — wir wünschen B. von Herzen ein recht langes Leben — nachhält, daS muß billig jeder in den deßfallsigen Verhältnisten Eingeweihte stark-bezweifeln. Sind aber auch die dermaligen verfügbaren Mittel zureichend, wie es denn B. verj *) Was sagt B zu tem p'nmm 'Ludwig? Lolche Vornamen bei | drn frübern Seminaristen warm itim doch allemal ein großes Acrg>rniß! l ") L. St. war ein Haubtagitator und der Literat der württem; bcrg'schcn Oitbodorie. ' Ob sich jolrf>te für den Lehrer eignet, wollen j wir dabin gestellt sein lasten. - •*•) Befremdend muß es nein, daß von den sömmtlichen Lehrern/ welch, Rabbiner. B. seit 25 Lähren als Seminaristen unterrichtet hat, keiner zu dieser Stel^ berufen wurt? oder sich d,rufen fül'lte. steht, wie Keiner die Leute in seinem Sinne zu bearbeiten, und sie moralisch zu Gäben zu zwingen, wer verbürgt den künftigen Erfolg? Die ganze Anstalt beruht somit, so zu sagen, auf zwei Augen, also auf ganz unsicherer Basis. Doch dies Alles würde uns nicht gegen die Anstalt stimmen. Wir laffen vielmehr der Energie, der Uneigennützigkeit und dem Feuereifer des Herrn B. alle Gerechtigkeit widerfahre« und wünschen unsrer Zeit mehr solche opferwillige, entschiedene und wir sagen eS offen, edle Tharaktere. Was uns jedoch gegen diese Anstalt mit gerechtem Mißtrauen und mit Furcht vor der Zukunft des isr. Schulwesens in Baytrn erfüllt, das ist gerade das, was Andere zu Opfern veranlaßt — es ist B's. religiöse Richtung, und zwar nicht seine Orthodoxie, sondern seine Hyperorthodoxie, seine Geringschätzunaller Kenntnisse und Fertigkeiten, außer dm religiösm, die offene Begünstigung dieser Richtung bei den jungen Männern auf Kosten alles andern Wissens und sein ungemessener Eifer in der Verfolgung seiner Ansichten, die keine alnveichendm weder neben, noch unter oder über sich duldm will. Darin liegt das Uebel und seine Folgm und wir sprechen unsere Befürchtung laut und offen aus, selbst auf die Gefahr hin, von seinen Anhängern mit den bei diefm Herren so geläufigen Vorwürfm der Verläumdung und Begeiferung, wenn man ihrer Richtnug nicht unbedingt beistimmt, belästigt zu werden. — Wenn aber Herr B. durch diese unentgettliche Anstalt dem vorhandenen Lehrermangel ausgiebig abzuhelfen meint, so irrt er. Der Aufwand auf berufliche Lehrerbildung ist so sehr groß nicht, und hält nicht von Ergreifen dieser ab, wohl aber der traurige Uebelstand, daß dieser Stand seinm Mann nicht anständig und vollkommen ernährt. Da liegt der Hund begrabm. Mache Herr B. seinen vielvermögendm Einfluß bei dm Gemeindm auch zur Aufbesserung der Lehrerstellm geltmd — ob er dies bisher gcthag, haben wir noch nicht gehört — und alsbald werden sich wieder mehr Jünglinge diesem schönm Berufe freudig widmen tt rur Tx uv oj. Doch warten wir die Früchte^dieser Anstalt ab, und was aus dem Kindlein werden wird. Unsere Hoffnungen auf langem Mstand stehen nicht hoch. * Zum Schliffe möchten wir noch unseren iir. bayerischen Collegen, welche Leser dieses Blattes sind, und es sind derm gewiß sehr viele, den Wunsch ausdrücken, dem allgemeinen bayerischen Lehrerverein doch recht zahlreich beizutreten. Die Kosten sind ganz unerheblich (l8 kr. jährlich) und wir geben damit unfern christlichen Colleges und der gebildeten Welt zu erkennen, wie gern wir uns an ein Ganzes anschließen. Was durch diesen Verein für die Besserstellung der Schule erreicht wird, das erreichen wir mit, und der Genuß und den intelligenten Nutzen, welchen der Besuch der Distriktsvereine und insbesondere der großen allgemeinen Lehrerversammlungen an geistigem Ayfschwung, un brüderlicher Annäherung und an Klärung rer; gegenseitigen Verhältnisse gewähren, ist wahrlich nicht hoch genüg anzuschlagen. Separate Versammlungen isr. Lehrcri auch wenn sie zu Stand« kämen, vermögen uns das All« und in diesem " iaaße nicht zu bieten. - -1 K. t

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