Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 5 (2.2.1865)
- Date
- 1865-02-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Mieliliüclic Iekrer. Zeitschrift f|ür die gesammten Interessen deS israelitischen LehrerstandeS und zugleich Organ für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer- Wittwen und -Waisen in Deutschland. Mainz, den 2. Februar 1865. (Fünfter Jahrgang.) Sföirfirortt* 1 Rümmer. Dierteljäkirlicber SlbonnemmtKpreis 27 ft. 1/4 Thlr. Bet frankirter Zusendung unter Kreuzband jäbrliH 2 fl. 12 kr. Anzeigen zu 1 Sgr. die Petikzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Ueber Lehrerbildung. I (Man vergl. Nr. 43—51 des vorigen Jahrgangs.) } Wir haben im letzten Viertel des verflossenen Jahres I unS mit einer der ernstesten Lebensfragen des Judenthums, ,^,'der Schule und des Lebens beschäftigt. Wir haben die | freudige Genugtuung, daß unsere betreffende Arbeit in den; verschiedensten Kreisen mit dem lebhaften Jntereffe ausgenommen wurde, das der Bedeutung des Gegenstandes würdig ist. Eo wollen wir denn, auf dies Jntereffe uns stützend, in unserer Betrachtung des Seminarlebens fortfahren, , 4 um das Bild desselben, sowie es uns im Herzen liegt, mit Gott fertig zu zeichnen. Wir haben bisher zuerst die religiösen und dann die ■ allgemeinen Fächer des Seminarunterrichtes behandelt. Es - liegt uns nun ob, den Gegenstand zu besprechen, die Fächer zu behandeln, welche, wie wir schon im Eingang sagten, - den Lebensodem des Lehrers bilden, welche das Seminar erst zum Seminare niachen, den Mittelpunkt, das Herz des Seminars, zu welchem alles Leben hinströmt, von welchem - das Leben ausströmt, nicht allein auf die Seminaristen und deren Unterricht und Leben, sondern auf die Entwicklung? des gesammten Volksschullebens überhaupt. Bevor wir jedoch zeigen, wie dieser Unterricht in der s- Schule betrieben werden muß, wollen wir einige Bemerkungen — Ueberzeugungen — vorausschicken. 7 Die Pädagogik und ihre Hilfswissenschaften, — An-» -3 thropologieund Psychologie, — müssen in derHand des H Direktors der Lehrerbildungsanstalt liegen. <? Ter Ceminardirector muß dje Pädagogik zu feinem Studium, T zu seinem eigentlichen, wir brächten fast sagen ausschließ- '■ lichen Lebensberufe gemacht haben. Man hat bisher „Leute von allerlei Professionen, die in ihrem Handwerk nichts \ I taugen, so im Großen, wie im Kleinen" zu Seminardirectoren berufen: Geistliche (Theologen) Philosophen, Philologen u. dgl. — Pädagogen vom Fach sind äußerst selten,« an den Universitäten gibts keine solchen, — nicht einmal eigentliche Professoren der Pädagogik. Und wenn ein Volksschullehrer, ein Mann, der selbst aus dem Seminare hervorgegangen ist, sich zum Leiter eines Seminars berufen fühlen wollte — welche Vermessenheit, welche Anmaßung! Wir kennen selbst Volkslehrer, die so urtheilen, und die da glauben, daß nur das Universitätsleben „über das Gemeine" emporhebel Es gibt Dinge, gegen die selbst Götter vergebens kämpfen. Nächst der Dummheit gehört auch > hohler Hochmuth aus angebliche geistige Capacität dazu, die sich nicht auf die praktischen Resultate, sondern auf Studiengang u. dgl stützt. Zum Seminar-Oberlehrer gehören aber nach unserer Ansicht eigentlich hauptsächlich: Vollständigste Bekanntschaft und erprobte Tüchtigkeit auf denjenigen Gebieten des SchullebenS, zu dem die Zöglinge herangebildet werden sollen, geistige Klarheit und Energie —- wrd Bekanntschaft mit der Pädagogik in allen ihren Zweigen; woher diese Eigenschaften stammen, ist wohl einerlei I Wo die Pädagogik nicht in der Hand des Directors liegt, wo sie als Nebenfach einem untergeordneten Lehrer, etwa gar einem s. g. Hilfslehrer übergeben ist, wo ihr [ nicht — dem Religionsunterrichte gleich — die besten Etunp den des Tages zugemesien sind, wo sie nicht mit der ganzen f Weihe und Hingebung eines begeisterten Gemüthes begeisternd \ 1 und anregend für das gesammte Leben wirkt, da können r I aus dem Seminar wohl ganz geschickte Leute hervorgehen,; Lehrer sind sie nicht; in das Innere des Kindeslebens! dringen sie nicht ein. Ihre Arbeit bleibt Taglöhnerarbeit. - Zwei auf das Allgemeine des Seminarlebens bezügliche! Ergebnisse folgern wir hieraus, und wir wollen sie auch; hier alsbald kurz andeuten. 1) Mit dem Seminare muß - eine auf's Innigste mit demselben verknüpfte, ihm ganz an- . gehörige Uebungsschule verknüpft sein; und 2) das Seminar , , darf seine Zöglinge nicht klosterartig absprrren; nur im regen Verkehr mit dem Leben gewinnt der Unterricht in; der Pädagogik seizr lebensvolles Uebungsfeld, die nöthige Anschaulichkeit. < Für den pädagogischen Unterricht schlagen wir nun j folgenden Lehrgang vor: Im ersten Seminarjahre ist es vorzüglich Anthro- . pologie und Psychologie, die den Seminaristen zu ' beschäftigen haben. Der Seminarist muß den menschlichen Organismus und die leiblichen und geistigen Entwicklungsgesetze desselben kennen lernen. Nur so begreift er sein eigene- 1