Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 3 (19.1.1865)
- Date
- 1865-01-19
- Page
- Seite 11 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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11 — Religionsschule wohl nicht vorhanden, aber doch eingerichtet! werden soll. Dem entsprechend wird die der fortschrittlichen, zeitgemäßen Richtung angehörige Gemeinde auch den Gehalt in angemessener Werse erhöhen. Dadurch wird die Stellung eine würdige, den zeitgemäßen Anforderungen an einen Lehrer angemessene sein. Man ist leider sonstwo in den mittleren jüb.’ Gemeinden — acht kleinstädtisch — gewöhnt, den Lehrer in die Ecke zu drücken, ihn über die Achsel als einerseits wesent- . lich wohl unentbehrliches, andrerseits doch wohl lästiges L Möbel anzusehen. Auch in unserem Hessenlande kommt zuweilen dergleichen vor. Man nimmt .wohl, wo es sich gerade paßt, den Mund voll freisinniger, fortschrittlicher Phrasen, vergißt aber dann in Selbstüberschätzung, daß dem Lehrerstand vor allem Achtung Roth thut, daß dem gebildeten strebenden Lehrer die höchste Werthschätzung gebührt, und daß man diesen, der geistigen Entwickelung so viel beitragenden Stand nicht etwa dem mechanischen Schreiberbediensteten gleichstellen darf. Man wird wohl sagen: nun, wir ehren den Lehrerstand, aber — in unserer Gesellschaft — natürlich, da können w.ir ihn nicht brauchen. Wir sin-, den uns wohl hochgeehrt, wenn ein christlicher Lehrer — und sei es auch der ordinärste und dümmste — uns mit seinem Besuche beehrt, aber unfern stin, nein, das geht nicht — Wenn der Lehrer vernünftig ist, wird er sich über derlei Albernheiten wegsetzen; aber es könnte das doch auch eint andere Seite haben; es könnte den Umgangbedürftigen in schlechte unwürdige Gesellschaft treiben, und wird ihn jedenfalls auch in der allgemeinen Achtung schädigen. Jedenfalls muß der neue Cantor in Alzey ein guter Musiker sein. — Heinbach mußte ultramontanen Einflüssen weichen, da die von ihm geleitete Privat-Elementarschule so lange von einzelnen aus dieser Partei geschont wurde, als es in ihren Kram paßte. Doch hing das Damoklesschwert der schon mehrmals ansgesprochenen Auflösung von Seiten der Regierung nur noch an einem Haare, und trat ein, als die veränderte politische Parteistellung dieser Männer die Wetterfahnen nach einer andern Richtung lenkte. So sind sie Alle. — Das eben erlassene Gesetz, die Aufbesserung der Lehrergehalte betreffend, wonach nach dem 25. Lebensjahre jeder Lehrer 300 st. Gehalt beziehen soll, wenn seine Schule von mehr als 30 Kindern besucht wird. wird nach dieser Seite hin den isr. Elementarlehrern des Landes wohl wenig zu gut kommen, da diese selten 30 Kinder haben. Hiergegen komchen ihnen die Alterszulagen, — 350 fl. Gehalt; und nach je 10 allerdings zu. In pecuniärer Be nach 15 Jahren Dienst Jahren weitere 50 fl. 7 bei denen 400 fl. Geha denzien gar nicht selten mentarlehrer. Aus Ungarn, 1. ziehung sind die tüchtigen Religionslehrcr des Landes, — t ^lnd manchmal ebensoviel« Accisind, — besser gestellt als die Ele- Januar. Der Halbchassid in Pecse- Neudorf hat für die katholische Geistlichkeit höheren Ortes petitionirt und das Judenthum in Gefahr erklärt, wenn nicht ein Geistlicher Inspektor einer isr. Schule sei. Armer Chassid, glückliche Schule l Sonderbare Zeit, wo die Chassidim um Beibehaltung der katholischen Geistlichen als Jnspectoren bitten. Der jüngste Stadl Halterei-Erlaß entbindet die Musterschulen des Landes von der Inspektion der katholischen Geistlichen und stellt die Musterschulen direct unter das Protektorat der Oberstudienbehörden. Der erweiterte hebräische Unterricht an der Ujhelyer Musterschule hat bereits seine Früchte getragen, da Seitens der Gemeinde die Sperrung der Winkelschulen beantragt ward. Doch find die Chedarim in diesem Jahre ebenso zahlreich als je besucht. Zu bedauern ist, daß durch diesen außerordentlichen Unterricht viele Lehrer der Anstalt ohne jeden Nebenverdienst geblieben sind. Warum gerade so und nicht anders vorgegangen wurde, — diese Frage zu erörtern überlassen wir inländischen Blättern, wenn anders wir es auch sonderbar finden müssen, den Lehrer der hebr. Sprache, Jakob H. Löw, einen ebenso genialen Hebräer, als tüchtigen Schulmann nicht unter den Ausgewählten zu finden. 'Vielleicht wäre es möglich, manches offene Schulgebeimniß in diesen Blättern niederzulegen. Möchte der Herr Redak-' teur nicht uns Magyaren die Spalten Ihres geschätzten Blattes zu dem Ende leihen? Bis dahin") — Gottbefohlen. Ein Freund dn Schule. Säros Patak, 23. Der. Soeben verließ die Presse:!2Hp \Xlp3 Biblische Lesestücke (in ungarischer Sprache) für isr. Schulen und Familien unter Mitwirkung des Seminardirektors I. Aroai vom Oberlehrer I. Rosenmeyer in S. a. Ujehly. Ldpr., nett drosch. .6 Bogen 30 Ngr. Die ungarische Literatur überhaupt und die israelitische insbesondere, dürfte kaum im Stande sein, ein gelungeneres Merkchen als dieses aufzuweisen. Es ist ein liebes Geschenk, dieses Büchlein, für ein jedes Alter und eine wahre Liebesgabe für Jung und Alt. Möge das Büchlein Ihres Landsmannes eine recht wüte Verbreitung finden, und sich einen derartigen Eingang in Schule und Familie erringen, daß der Verfasser in den Stand gesetzt würde, auf der begonnenen Bahn, zum Hecke der vaterländischen Schule, fortzuschreiten. Josef Kiß, Professor des Seminars. U m f ch a u. Wien. Die allgemene österreichische Privat-Unterrichtsanftalt für isr. Taubstumme in Wien zählte im verflosscnenlSchuljahre 74 Zörlinge (51 Knabm und 23 Mädchen), um 6 mehr alr im Schuljahre 1863. D.e Berpflegsgebühr beträgt 210 fl. 'liebst den 20 Stiftplätzcn, welche der isr. Eckulfond Ungarns dotirt, gibt es noch einige Wohltäter, welch: für arme Zöglinge zahlen. Die Berwaltang führt der Inst tutsvorstand, bestehend a:S 7 männlichen und 3 weiblichen Mitgliedern. Das Leitungsnnd Lehrerpersonal besteht aus dem Direktor, dessen Gattin als Hausmutter, 6 Lehrern un) der Aasseherin für weibliche Zöglinge, die auch den Unterricht in weiblichen Handarbeiten ertheilt. Die Anstalt wird durch den Direktor Herrn Deutsch und das Lehrerpersonal vortrefflich geleitet. Die Zöglinae g'deihen an Li» und Geist und zeichneten sich vei der letzten JahreSprüfuug durch rühmenSwerthe Fortschritte auS. i (Oestr. Eckulbote.)! •) Reckt gern. — Red.