Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1864-11-17 · 46 (17.11.1864) · p. Seite 183

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
46 (17.11.1864)
Date
1864-11-17
Page
Seite 183 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4896751-5428744-5431434--0924-4897510
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

183 stärkt durch den Lese-, Schreib-, Zeichen-, Anschauungs-, Natur-, Geschichts- und Sprachunterricht; die äußerliche Thätigkeit durch Lesen, Schreiben, Zeichnen, Sprechen, Singen, Memoriren; dierkennende Thätigkeit durch alle Objecte (blind und unbewußt soll der zu klarem Bewußtsein zu erhebende Mensch nichts verrichten), namentlich uitd in höherem Grade durch Natur-, Geschichts- und Sprachunterricht; die schaffende (erzeugende) Thätigkeit durch Mathematik (Zahlen- und Raumlehre); die Gefühlsthätigkeit oder Lebendigkeit durch Sing-, Natnr-, Geschichts-. und religiösen Unterricht; das Wollen tdas sittliche Wollen) durch Geschichte und Religion. Die die Anwendung der richtigen Methode offenbarenden Merkmale und Resultate sind demnach: Sicherheit im Thun und Wissen; Klarheit im Erkennen (der Gesetzlichkeit); Fertigkeit im Schaffen und Erzeugen; Lebendigkeit im Fühlen; Festigkeit im Wollm. Das Aufnehmen bildet wesentlich (jedoch nicht ausschließlich) die erste, das Erkennen die zweite, das Schaffen und Wollen die dritte Stufe. Die schlechteste Methode beharrt auf der ersten Stufe, die bessere steigt zur zweiten auf, die richtige hat die dritte im Auge, betrachtet demnach die erste und zweite als Vorstufen zur dritten. Schüler, die nur die erste Stufe erreichen, haben Dressur ohne Erkeuntniß; die zweite — besitzen Fertigkeit und Ansichten; die dritte - können, wissen und wollen, oder nach Goethe: sollen, wollen und können. Nach diesen drei Stufen unterscheiden sich auch die Lehrer nach der Verschiedenheit ihrer Ausbildung für ihren Beruf. Die gehörige Naturbegabung vorausgesetzt, kann die Methode ihrer Ausbildung ihnm den Durchgang durch dieselben verbürgen und die auf allen dreien auszuübenden Thätigkeiten aneignen. Nur über Eius ist sie nicht in gleichem Grade Herr: über das innere Sein. Das ist der einzelnen Person ureigenes Werk. Allmächtig ist keine Wissenschaft, keine Methode, folglich auch keine Pädagogik und keine Anstalt. Am Sein, Haben und Wollen erkennt man den richtigen Lehrer und seinen Schüler. Wie jener diesen dazu hinführt, das eben ist die Aufgabe der, Methode. Ihre Erforschung und Feststellung' setzt die Kenntniß der Objecte und der Subjecte, in letzterer Beziehung die Gesetzlichkeit der Entwickelung voraus. Gesetzlichkeit überhaupt ist das Gesetz der Gesetze, folglich auch das Gesetz der Methode. Ihr Studium ist das Hauptstudium des Erziehers als Lehrer. Nach diesem Grundsätze bemesse man dm Werth der Lehrerseminare als Bildungsanstaltm für die lehrmde Thätigkeit der Zöglinge, ermesse man die Unbegreiflichkeit ihres Mangels für ganze Lehrerkategorim und dm in ihnm herrschendm faulen Aberglaudm, die Methode gehöre zu. dem Genre subjectiver Dinge — eine Meinung, mit der alles einheitliche, gesetzmäßige, organische Wirken und Bildm eines Lehrercollegiums aufhört, indem statt desselbm Willkür und Herkommm herrschm, nach Friedrichs des Großm Ausspruch „die Vernunft des Pöbels." — A. D. U « f ch a «. Warschau, 31. Oct.! Mehrere aukländische Blätter habe» über die Fefthaltung und Freilassung eines jüdischen Mädchen? im Kloster der Felizianerinnen verschiedene Nachrichten gebracht. Alle diese Mittheilungen beruhen indeß, wie ich aus guter Quelle versichern ka m, ans Entstellungen und Jrrfhümern; denn der wirkliche Sachverhalt war folgender: Der Vater diese- Mädchens, welches behusS der Konversion zum katholischen Glauben in gedachtem Kloster zurückgehalten worden war und von ihm vergeblich gesucht wurde, begab sich zum General-Direktor des Innern und der geistlichen Angelegenheiten, Fürsten Cierkaski. mit seiner Beschwerde. Fürst Czerkaski verfügte sich persönlich - in das Kloster der Felizianerinnen, welches dusrch seinen Eifer > für Proselytenmacherei bekannt ist, und benachrichtigte die Vorsteherin von der erhaltenen Beschwerde. Der Besuch hatte den beabsichtigten Erfolg; denn drei oder vier Tage nachher wurde daS Mädchen aus dem Kloster entlassen. Da Fürst EzerkaSki der Priorin bei seinem Besuche bemerkt hatte, daß noch zwei j andere Mädchen, welche sich in ähnl cher Lage befinden sollten, i gesucht und deßhala pcllzeilicke Nachforschungen gehalten würden, , 10 ist vorgestern abermals ein Mädchen isr. Glaubens, RamenS i Thekla Malaga, wieder zuiu Vorschein gekommen, die ebenfalls in;enem Kloster zurückgedalten worden war. Diese Vorfälle sind neue Beweise dafür, I dass die katholische Kircke hier alle Mittel anwendet, sich auszubreiten, während wir keine Beispiele haben, daß die griechische Kirche, welche von Rom aus so angefeindet und der Beschränkung der römischen Kirche angejchuldigt wird, sich ähnliche Uebergriffe gestattete. (F. I.) Frankfurt, 7. Rov. Graf Worontzow, russischer EtaatSrath und Mitglied des Cultutmimsteriums. welcher von feiner Regierung beauftragt ist, j bie isr. Schulen Deutschlands kennen zu lernen,, besuchte dieser Tage die Bürgeruntr Realschule der hiesigen isr, Gemeinde. Er wohnte dem Unterrichte in verschiedenen Fächern bei und z»z über die Geschichte der Schule die eingehendsten Erkundi lungcn ein. Zu diesem Zweck nahm er auch Einsicht in eine Abhandlung über diesen Gegenstand, welche sich in dem neuesten Jahrgang von I. K. Buchnkr'S „Jahrbuch für Israeliten" (Franks., I. Kaufmann) befindet. (Wahrscheinlich ein Abdruck aus de» sel. Heß Geschichte der Frankfutter Schule?) ' Ge danken über einzelne Stessen der heiligen Schrift» I von Lehrer Buchm&nnn in Ldelsdorf. 4. Moses, Kapitel 11. Moses beschwett sich beim Herrn über die unetträgliche Last, daS lüsterne Volk leiten und befriedigen zu sollen und Gott befahl ihm, siebenzig Aelteste zu seinen Gehüsten auSzuwählen, dieselben bei sich zu versammeln, allwo sie ihre Weihe erhalten sollten. Allein zwei der Erkornen, Namens Eldad unv Medad, blieben zurück und weisagten im Lager. Als diese Renitenz dem MoseS angezeigt wurde, rief Josua: „Mein Herr Moses, verwehre eS ihnen!" Hier erscheint auffällig, wie eS ein ' Schüler wagte, gegen alle Sitte in Jfrael. seinem Meister! vorzusprechen? (Bergl. 3. M. 10, 16—20). Die Lösung fin-! den wir in Josua's Cbarakter. Dieser zeichnete sich bei seiner Frömmigkeit, Wahrheitsliebe, Treue gegen feinen Gebitter tc.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.