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Der israelitische Lehrer · 1864-10-27 · 43 (27.10.1864) · p. Seite 172

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
43 (27.10.1864)
Date
1864-10-27
Page
Seite 172 (sequence 4)
Language
German
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172 den Reuen hörte ich die alten, schönen Geletstücke innig beten, den 3tX Ojährigen Segen der Priester und die mit alter Begeisterung gesprochenen Mahnungen, Israels Fahne nicht zu verlassen. .Ich war befriedigt, sah ich doch das Prophetemvort bewahrheitet, '.i -idk cnix Tina rwi •<:» *sdi upic’ i«v i’sa tcv nair "w« ’nn -;*i nrj/= *n -]>n; tqi -jjnr L. Lhm. 1t n f a tt. Darmstadt, o. Oct. Die ^Heff. LdSztg." erzählt: Bekanntlich thellen sich die hiesigen Israeliten, wie an vielen Orten, in zwei geistliche Gemeinden (?), iv eine der jrcien und in eine der oitbodcren Richtung angchörende. Die dem zeitgemäßen religiöse Fortschritt huldigende Partei begrub nun neu.ich «in>s ihr»r angesehensten Mitglieder, das im Lebe» ein großer Musikfreund und besonder» dem Gesänge sehr zugelhan gewesen war. Die nächsten Freunde, um de» Tolten besonders zu ehren, übten einschönes Männerquartett ein. das sie mrk Grate zu singen gedachten. ES ist die» wohl ci» chri'U cher Brauch, aber er wurzelt unser,S Erachtens nicht in religiösen Dogmen, sondern im Gefühl, im Menscheuherzen. Wie überrascht war man daher, als Seitens de» Rabbiners ein entschiedene- Beto eingelegt und in Folgen dessen der Tode ohne beabsichtigten letzten Eangesgruß in die Erde versenkt wnrde. Wir glauben, daß — wenn man sortschreiten will mit den geistigen und socialen Errungenschaften un'erer Zeit —, ein Festlichen an derartigen kleinlichem Formenwese» gewiß nicht an dem Platze ist, und müssen wünschen, daß man in Zukunst nicht mehr das Wesen des Julenthums in der Form, sondern in dem Inhalte sucht, der gewiß der tief religiösen Momente g«tu$ bietet, am darum ebenso groß sein zu können, wie alle übrigen Religionen. Wenn man Emancipation wünscht, da muß man sich erst selbst cmancipiren von der Schlacke dunkler Borurtheile. (ES ist recht sehr zu bedauern, daß dieser Angriff eines geschätzten Radbincn. der auch in» „Frankfurter Journal" übergecangen, keine Zurückweisung gesund,» hat. Eicher hatte Herr Dr. Landsberger seine guten Gründe. Vielleicht wollte er eine Ovation zurückweisen, insoiern sie der sehr löblichen,. \ jüdischen Gebräuchen wider'pricht. „Gleichheit im Tode," die ein j Grundsatz des Judcnthums ist und bleiben sollte, ist eine zu löbliche j Sitte, als daß wir eeinem Rabbiner nicht danken sollten, wenn er Zuwiderhandlungen, so weit seine Macht reicht, rurückweist. — Aber abgesehen von dem guten oder nicht guten Grunde d.s Hirrn Rabbinen, der Schlußsatz enthä.t. soviel Intoleranz, daß wir >s bedauern müffen, daß so freisinnige Zeitschriften, wie die „Hess. Landesreitmrg" und das „Frankmrter Journal" sich herbeigelassen haben, ihn auszunehmen. Soll die Emanzipation ernstlich durch die Hebung einer religiösen Form gefährdet werden? Wird dieser Grundsatz auch bei am>ern Religionsgesellschaften gewabrt? Wird der katholische Geistliche in seinen bürgerlichen Rechten be»achthe»ligt. der eine« gegen die Kirche Handelnden, ohne „Beichte und Absolmion" Gestorbenen, das' ehrliche Begräbniß versagt? Ist die Emancipaturn ein. den Israeliten gewährte- Recht, oder soll sie blos ein Tauschartikel sein für da- Aufheben von retigiöfen Formen nnd Gebräuchen, die der bürgerlichen Gesellschaft durchaus keinen Schaden bringen?! Wenn der Artikrlschrerber von dunklen Borurtheilen spricht, — so möchte» wir ihn mahne», zuvörderst da» dunkle Vorurtheil zu bannen, dadiese Worten e»thalten, das Vorurtheil de» eingefleischten Judenhasses. oder mmdesteu» der Meinung, die Juden hätten, — ganz so wie sie jetzt sind, und so wie sie zu allen Zeiten waren, keine begründeten, aus den ewigen Grundrechten der Meuschheit sich folgende unabweisbarer Ansprüche auf die volle bürgerlich- und sociale Emancipation! Wir sind nie die Vertheidiger leeren, nichtssagenden Formenwesens, und die Religion deS Judenthuws bedarf ibrer nicht: aber — um des ungebetenen Preises Willen dürfen wir gar nichts aufqeben, weil wir ein Recht, keine Vergünstigung verlangen! Das mögen sich die freisinnigen Blätter gesagt sein lasten. Die Recaktion de» „Jsr. Lehrer.") Aufruf und Einladung 1 * an die Herren Rabbinen und Cuttnsoorsteher und insbesondere an Sie Nctigionslehrer in Nassau. i Die isr. Lehrer Deutschlands habm auf Anregung der Redaktion dieses Blattes einen Verein gegründet, der zu Aufgabe hat die Unterstützung hilfsbedürftigere isr. Lehrer, Lehrer-Wittwen und Waisen. Am, 22. und 23. August hat die erste, zahlreich besuchte Generalversammlung dieses Veren.s in Mainz stattgefunden; dort find die hier beigelegten Statuten festgesetzt und ist der Verein eigentlich erst begründet worden. Der Verein zählt bereits mehr als 200 Mitglieder und unter diesen auch eine kleine Anzahl Nassauer Lehrer. Um aber Alle zum Anschluß zu bewegen, nnd diesen Anschluß in der in den Statuten festgesetzten Weise zu regeln, hat eine zu Singhofen vereinigte Vorversammlung von Lehrern den Unterzeichneten zu ihren Vertrauensmann erwählt und denselben aufgefordert, das Weitere zu veranlassen. In Auftrag dieser Eollegen erlaubt sich nun der ergebenst Unterzeichnete, sämmtliche Rabbinen, Eultusvotzsteher und insbesondere aber die sämmtlichen isr. Lehrer Nassau's zu einer Versammlung auf. Dienftag den 8. November, Vormittags 9 Uhr» nach Ämburg in den Gasthof zur alten Post ergebenst einzuladen. j Israeliten l Nassau's! Bedenkt die Lage Eurer dienstunfähigen Lehrer, ihrer Wittwen und Waisen, und laßt Euch bereit finden, derselben abzuhelfen! Eollegen! Seid bereit, — einzustehen für Euch und Eure Hinterbleibenden und bleibt nicht zurück, wo Alle unsere deutsch-israelitischen Eollegen sich vereinigt haben. Gott, der Vater der Verlassenen, der Wittwen uui> Waisen, sei mit uns und unserem Vorhaben. Ruppertshofen, den 21. Oktober 1864. Ariedberg, Lehrer. Berichtigung zu dem in Nr. 35 begonnenen Referate. Seite 138 » fällt „Zwillinge" weg. „ 141 » die angeführten Schriften 1, 2 und 3 sind bei Jstwann in Eöcsfeld erschienen. „ 141 statt: „wa» muß" lies: was für einen Satz muß rc. „ 142 » Zeile 13, statt: „Spruches" l. Spruch. Abr. Treu. Leranrwortlicher Redakte«: I. Klingenstein t» Odernbeim i» Rbeinbefien; Selbstverlag der Redaktion. Für den Buchbandel: in Eornrnisfion bei 6. 2. Fritz sche in Leipzig. — Domrs-Schnellpressen druck ton I. EorteIelen in Mainz.

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