Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 4 (1864)
- Issue
- 40 (6.10.1864)
- Date
- 1864-10-06
- Page
- Seite 160 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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160 iw Allgemeinen nicht entgegentragen wird, wie wir sie unsererseits entgegenbringen, und'daß nicht nur in zahlreichen Lüpfen das „Rischus" noch spuckt, sondern daß auch bei öffentliche« Kundgebungen eine gewisse Refervirtheit vorherrschend ist, hinter welcher der christliche chochmuth steht, der sich vermöge seines Glaubens etwas Besseres dünkt, und der ein rechtes Gefühl der Zusammengehörigkeit nicht aufkommcn läßt. Wer sich daran nicht stört,, der mag immerhin derartige Versammlungen auch ferner besuchen Sie gewähren an geselligen Vergnügungen und wissenschaftlichen Genüssen sehr viel. Selbstverständlich (?) hält mau uns in solchen Sachen ferne, bei welchen in materieller Hinsicht etwas herauskommen kann, wie z. B. hier bei Anstalten für Lehrerwaisen :c. Um so mehr sollten wir israelitische Lehrer, auf unsere eigenen Kräfte angewiesen, uns dem von Ihnen, Herr , Redakteur, und andern Lehrerfreunden iy's Leben gerüfendn j „Unterstützungsverein :c." recht zahlreich anschließenj die Personen bemängeln oder überklugerweise zuwarten, \ was aus dem Kindlein werden würde und einer Sache ferne j bleiben wollen, die nur durch. Hinzutreten recht Vieler etwas! Rechtes werden kann. Das mögen sich auch die bayerischen Lehrer und besonders die Religionslrhrer gesagt sein lasten, die einer solchen Fürsorge doppelt bedürfen. Zum Schlüsse noch die erfreuliche Nachricht, daß mir eine, weder dem Lehrernoch dem Rabhinkrstande angehö-' rige Persönlichkeit in Fürth,' welche überhaupt für alles echt jüdische ein seltenes Interesse .hegt, die Zusage machte, im Falle der Versendung eines Proniemorias ihren vielvermögendcn Einfluß zur Gewährung einer erklecklichen Summe zum „Unterstützungsverein" Seitens des Vorstandes der Gemeinde mit voraussichtlichen! Erfolg geltend machen zu wollen!. — Aus Nassau. Zu Singhofen (Amt Nassau) hat am 19. September eine Versammlung israelitischer Lehrer zu dem Zwecke stattgefundcn, einen gemeinsamen Anschluß an den Unterstützungsvercin zu bewerkstelligen. Diese Versammlung war von den Herren Friedberg uns Nastätten, Morgenj thal aus Holzappel, Emmel aus Limburg, Levi aus EU- ■ ville, Laubheim aus Singhofen, Aron aus Kirdorf, Fried-! berg aus Ruppertshofen.besucht kHeymann aus Schierstein i hatte seine Verhinderung angezeigt). Als vorzüglichster Erj folg dieser Vorberathung haben wir vorläufig mitzutheilen, j daß Anfangs November eine'größere Versammlung in Limj bürg a. L. stattfinden soll, und daß als Vertrauensmann! Herr Friedberg aus Ruppertshofen bestimmt morden, welcher! die Einladung (an Rabbiner, Vorstände, Lehrer und Gemeinde-! glieder) erlassen wird, und bei welchem auch die Anmeldungen zu machen sind. Tie betreffende Ansprache wird in einer der nächsten Nummern des „Israelitischen Lehrer" erscheinen. Umschau. — BU der Leich dicke! r Lassalle's ln Gens hat sich ein eigenthümlich-r Zwischnckall zugetragen. Lassalle war a'.s Jude i gestorben und hatten daher seine Freunde zu der Feier einen! Rabbiner herangezogen. Die katholisch gewordene Schwester! Lassalle's hat hiergegen opponirt, worauf der Rabbiner sich mit den Worten zurückzog: „Wir mischen uns nicht in Familien- 1 sachen und Haschen weder nach einer Seele, noch nach einem i Körper; es ist mir lah>.r völlig gleich, ob der Verstorbene auf einem jüdischen o'er auf einem anderen Kirchhofe begraben wird. , — Im Hotel „de Sare" in Leipzig fand am 10. September eine ' Art Gedächtnißfeier für Lassalle statt; doch galt sie diesem nicht i allein. Ludwig Würkert stellte neben den TodeSta \ Lassalle's; den Geburtstag Moses Mendelssohn'- (den 10. Slpt. 1729), und so, zwischen Wiege und Sarg tretend, bewegte sich sein Vortrag in den Worten: ei große Juden " Ludwia Würkert,, ein berühmter evangelischer Prediger und im Jahre 1848 als an' der sächsischen Malrevolution betheiligt, abgeseht und eingekerkert, hat nach seiner Freilassung eine eiaenthüml'cke, sehr interessante Anstalt gegründet. In seinem WirthSlokale — einem hierzu eingerichtet,« .roßcnSaale,— hält er j den Abend volkStbümlichc Borlräre über die verschiedenartigsten Stoffe, die sehr anziehend sein sollen und ungemein besucht werden. Jedoch ist — die Absurdität der Zusammenstellung Mendelssohns und — Lassalle's abgerechnet, der Geburtstag M ndelssohn'S nicht am 10. sondern am 7. September (12. EUul 5489.) — Uebrigens ward Lassalle doch auf dem jüdischen Friedhose in Breslau beerdigt. München, 11. Septbr. Vom Ministerium des Innern wurde dem Landwehr-Oberst Herrn Obermayer, (einem edlen Israeliten) Eommand.nten des Landwehr-Regiments Augsburg, der Auftrag ertheilt, in einigen deutschen Staaten, dann in j Belgien und Frankreich, die dortigen Landwehr-, beziehungsweise i Nationalgarden - Institute in Augenschein zu nehmen und über! die gemachten Wahrnehmungen eingehenden 'Bericht zu erstatten. 1 Herr Obermayer wird in Begleitung eines Oberlieutcnants der Linie als Adjutanten in d>n nächsten Tagen seine Mission an- 1 treten. Die isr. Lebrer Kurbeffens werden hierdurch zur Verhandlung über mehrere der wichtigsten, tief in das Leben unseres Standes eingreifenden, einer dringenden Erledigung erheischenden Fragen (Lehrer .'c. Untcrstützungsverein, Gehaltsaufbesserung aus Staatsmitteln u s. in.) auf den I*. k. M. Morgens 8 Uhr, in den großen Saal der isr. Schulanstalt zu Cafsel mit der Bemerkung einaeladen, daß diese Conferenz von einer bochstcbenden, das Interesse unserer Schulen und unseres Standes stets wahrnehmendcn Person nicht nur gutgeheißen, sondern auch von derselben die Betheiliguifg daran zugesagt worden ist. Es wird deßhalb kein Betheiligter aus irgend welchem Grunde von dieses Versammlung Zurückbleiben, da hoffentlich der Erfolg derselben für alle dieserhalb zu bringenden Opfer vielfach entschädigen wird. Bcrathung Abends vorher um 7 Uhr im benannten Lokale. Frankershausen und Abterode, 29. Sept. 1864. li. lVe8tsteim. V. Hüller. Lerantwortiicker Redakteur: J.Klingenftein in Odernheun in Rdeinbesicn; Selbstverlag der Redaktion. Für den Bulbbcndei: in Lomniiision bei <L L. Fritz scke in Leipzig — Damxf-Sck'ircllpressendruck ton I. Vortsleben in Mainz.