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Der israelitische Lehrer · 1864-09-08 · 36 (8.9.1864) · p. Seite 144

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
36 (8.9.1864)
Date
1864-09-08
Page
Seite 144 (sequence 2)
Language
German
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144 diesen Zeitfragen betheüigen und darvm empfehlen wir | diese Schrift, die noch so manches andere in der scharfen 1 eindringlichen Weise des Verfassers bespricht, aufs Nachdrücklichste. — - > Umschau. j — Wir bedauern sehr durch die Krankheit eine- KindcS ton einem der Schriftführer unserer Mainzer Versammlung auch diese Woche noch verhindert zu fei», das Protokoll zu bringen. Anszüge auS demselben wollen wir nicht eher aufnchmen, bis der Wortlaut festgesetzt; und in den gehaltenen Reden die Mo- .tive der Veränderungen und Erweiterungen unseres Statutenentwurfs enthalten sein werden. - Die nächste Nummer wird hoffentlich dieser für jetzt bedeutungsvollsten Frage gewidmet sein. — Wir entnehmen der „Didaskalia" folgenden Artikel: * Ueber die schon erwähnte Bekehrung des Judenknaben Coen in Rom ist im „Gioruale di Roma" eine osstzielle Darstellung erschienen, welche den Angriffe» der Preffc in dieser Sache entgegenrutreten bestimmt ist. Nach alter Tradition stehen die'Juden in Rom unter dem Schutze Frankreich». In Folge dessen soll sich auch der französische Botschafter für die Rückgabe des Knaben, natürlich erfolglos, verwendet haben. Nack der Darstellung des officiellen Blatte» wurde der-11jährige Knabe Giuseppe Coen vor 2 Monaten von. seinen Eltern zu einem in der Nähe des Ghetto wohnenden katholischen Schuhmacher in die Lehre gegeben. Hier soll derselbe in Felge der sekundlichen Behandlung den Entschluß gefaßt' haben, zur christlichen Kircke überzutreten. Auf seine Bitten brachte ihn der Meister am 25. Juni in das Haus der Katechumenen in Gemeinschaft mit einem * „wirklichen Anverwandte»" und einem neapolitanischen Priester. Der Knabe wiederholte nun'vor dem. Rector der Anstalt und dem Cardinal, welcher die Aussicht über das Institut führt, seinen Entschluß, Christ zu werden, worüber ein notarieller Act ausgenommen wurde, in welchem der Knabe erklärte, durch keine Einschüchterungen oder Versprechungen, sondern einzig durch eine j Bewegung seines Gemüths zu seinem Entschluß bestimmt zu sein. > D«S ofsicielle Blatt sagt weiter, daß man den Versuch gemacht i habe, den freiwilligen Entschluß deS Snaten in Gegenwart seines j Vater» zu constatireu. Dieser sei aber der Einladung zu diesem j Zweck nicht gefolgt, habe sich vielmehr geweigert, jeder Prüfung! beizuwohnen. Die Versuche solltenaber nach den Bestimmungen , der von Benedikt XIV. unter dem 26. Februar 1747 erlassenen; Constitution fortgesetzt werden, den Vater'zur „Anhörung der . Erklärung seines Sohnes" zu bestimme». Von Paris, 20. August, schreibt man dagegen der „Preffe": j Die Nachricht de- „Ccurrier du Dimanche," daß der französische Minister des Auswärtigen an den Grafen Eartige» in Rom eine Depesche erpedirt habe, in welcher er sich „mit Festigkeit und Strenge" der Affaire Coen und der von den ultramontancn Eiferern so gewaltsam verletzten Gdwiffensfreiheit annehme, wird mir von so guter Hand bestätigt, daß ick kein Bedenken trage, sie Ihnen durch den Telegraphen zu übermitteln. In dieser tota-! le» politischen Windstille ist selbst ein so kleiner, sanfter Luftzug, \ wie er hier vom Quai d'Orsay über die Alpen geweht zu haben j scheint, ein Ereigniß. Das großartige Schweigen, in welches sich die Tuilerien seit einem halben Jahre dem Auslande gegenüber gehüllt haben; der Umstand, daß ein so gut katholischer und päpstlicher Minister, wie Herr Drouyn de Lbuys eS ist, welcher gegen da» Kon possnmn» des Vatikans die Feder führt; endlich, daß dieser Zwischenfall mit einem Hvsireignissc zusammenfällt, welches man bisher nur als eine neue Bürgschaft des guten Einvernehmens zwischen dem Haupte! und dem ältesten Sohne der Kirche aufgesaßt bat, alles Dieß raun n cht verseblcu, dem diplomatischen Actenstücke, welckcs soelun in der Ewigen Stadt eingctroffen ist, eine mehr als gewöhnliche Bedeutung zu"verleih.». Die Wiener „Bcrsasiung" sagt zu diesem Falle: Uns intercssirt weder die weltliche Herrschaft des Papstes, noch der christkatholische Judenknabe. Wer halten e» nur für nothwendig, auch in dieser Sache den allgemein menschlichen Standpunkt zu betonen und von diesem Standpunkt auS erscheint un» die neue? Mortara ^.Geschichte im höchsten Grade verwcrflick. Wir sebcn in derselben nicht» als einen Act der wildesten Barbarei. Ja, Barbarei! und zwar eine solche, gegen die veepäuberei, Menschenhandel :c. verschwinden, weil sie in unserer Zeit und von Männern verübt wird, die das Wort des Herrn predigen! Der Priester, der den kleinen Coen seinen Eltern entfübrtr, ist in unseren Augen nichts Anderes, als ein moralischer Garoftcr. der seinem Opfer eine kirchliche Schlinge um den Hals tnrfi. Ist es etwa buman. wenn man Eltern ihne Kinder gewaltsam raubt? Ist es human, wenn man die Mutter, deren Herz vor Kummer bricht und die von einer gewaltigen Sehnsucht rack ihrem Kinde erfüllt ist, in den Kerker wirst, um von ihren Bitten nicht mehr belästigt zu werden? Dich Alles ist jetzt in Rom geschehen! Hier-ist es Pflicht aller Staaten, einzuschrrite», um einem solchen Treiben ein Ende zu machen. Was heule den jüdischen Eltern geschah, kann morgen protestantischen oder an .; dern katholischen Eltern geschehen. Dreß soll aber nicht,ge- \ sckehen! Wohl ist die Kirche mächtig, aber so mächtig kann sie > nickt sein, um die zwischen Eltern und Kindern bestehenden! Bande gewaltsam zu zerreißen. Europa bedrobt die Türkei, wenn einem raubenden Montenegriner ein Haar gekrümmt wird; «an schickt Schiffe nach Marocco, Tunis und Gott weiß wohin, wenn es sich um die Interessen der Humanität handelt, warum sollte man also Rom allein cs gestatten, die Civilitation und! oie Humanität mit Füßen zu treten? Ter französischen Re-! äierung gebührt alle Anerkennung für irr Vorgehen in dieser j lngelegenhcit. Eie ist jetzt wieder einmal für eine „Idee" ein- , getreten und stebt wirklich an der Spitze der Civiiisatirn. Unserer Ansicht nach wäre es aber Pflicht der öskcrreick. Regierung gewesen, energische Schritte beim heiligen Stuhle zu macken, um von ihm die Herausgabe des kleinen Coen zu erlangen. Tic österreichische Regierung gehört zu den Freunden, d.s Kirchenstaats, sie will die weltliche Herrschaft unter jeder Bedingung erhalten sehen. Ter Freund also und nickt der verkopple Gegner mußte in Rom Vorstellungen machen, denn, darüber darf man fick keiner Täuschung hingebcn, beharrt Rom auch dicßmal in seinem alten Starrsinn, so steht mebr als ein Judenkrab'e, eS stebt die weltliche Herrschaft aus dem Spiel! Und darum bätte Graf Rechberg, der Freund Rom», zuerst einsckreiten sollen. Tqß er eS unterlassen, ist nicht zu entschuldigen, denn Zeit hatte er wahrlich genug, da in der schleswig-holsteinischen Frage die Last der Arbeit fast ganz aus den Schultern BismapklS liegt und eine andere Angelegenheit jetzt nickt an der Hagcsordnung ist. Bei Heinrich Hungers Leipzig verlegt: Eonsirmationsscheim für Israeliten. Rach Angabe eines jüdischen Gelehrten angefertigt, ans weißen Carton mit Silber -Ueberdruck, in quer 4 Format. Baarpreis Thlr. Das Dutzend 1 Thlr. Verantwortlicher Redakteur: I. Klingemßein tu Odernhei« in Rheinheffen; Selbstverlag der Redaftion. Für den Buchhandel: ln Conmufsten bei k. S. Fritz ich» tu Leipzig — Dampf-Echnevpresfrndruck von I. Vottsleben in Mainz.

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