Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 4 (1864)
- Issue
- 32 (11.8.1864)
- Date
- 1864-08-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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L.- ItvcntlM» 1 3!’f»:rlj5bTli$«T .en-.rntspr«ts j — 27 kr. Vn ' t«r Zusendung <kreu;band 2 fl. 12 Beflellimge» jlt Postämter Buchhandlung mmer. Abon- L'^Ir. fsankirunter jährlich kr. yidmen and i an. Der Organ für die Schule, die Familie und das Gemeindelebe Herausgegeben von I. Klingenstein, Ignaz Lehmann und 2t. ünzeigen 1 -.ir dt« Pctitzeile. «äinscndungcn cntweter direkr an den verantwortlikben Redakteur oder an die Verlagsbandlung. n des Iudentlnttns. ^treu. 1>'o. »s Mainz, den 11. August 1864. (Vierter Jahrgang. Gin Der sehen Pä tretet der rationahptotefiantb dagogik und das Judenthum. (Fortsetzung.) Wie die Funken sprühten aus der Asche des Heiligthums, mit welchem liie ncit,on»le E>l'.sisländigkeir versank, so sprühten drc Geistessui k«n der jüdiichen Hochschulen, und zündeten ein neues Leben, und schul» n für das seines äußerlichen nationalen Gesamwllebrns verlustig gegangene Volk eine neue geistige He-maih, tie cs trosiele nrd erhob in den unendlichen Leiden und Kämpfen d-s Erils. f «:nt Herr Dr. Eä>. düse Leiden? Kann er s»in R>itg»fübl versagen einem Häuflein, daß unter iobei'picltoüm Trucke io gränzcnkoser Verfolgung in.mer fort an se.wr geistig»n Entwicklung arbeitete? Warum hat! er Herr Toctor, der so lieblos aburtheilt über die EegtNwiirt dieses Volles, kein Wort der Theilnahme und Bewunoerung für bissen Vergangenheit — und es soll doch ein Abriß der Gesäichte sein, "den er schreibt; tenn die Geschichte der Erziehung ist von der Gesammtgcschichte eines Volkes nicht zu tr>nnen.- Es muß dcch ein tief sittlicher Fond, eine hohe geistige Kraft in einem Volke leben, das solches überdauert. Die Lüge, wird der Wahrheit wei chen müssen. Glaubt der Herr Verfasser das Chrislcnlhum habe die Entwicklungssch-gkert des Judenlhums an sich gebracht? Wir können nicht so leichtgläubig sein, und otwohl wir kein Geschichtsschreiber «x pro (es io sind so haben wir doch so vrcl glich chtlichen Sinn, um die Ueberzeugung in unS zu festigen: das Judeithüm, das alle die Schmerzen - überlebte, die seit dieser Zeit über es hrnweggcgangeri, muß jetzt noch eine Aricabe zu erfüllen haben. Begrabet die Todten; was aber nicht begraben wird, nicht in Staub zerfällt so lange lange Jahre hindurch, trotzend so unendl chen Sturmen und selbst der Art, die sich tausendmal an die Wurzel gelegt hat, das muß gesundes, frisches inneres Leben haben. — Die Jsdael.ün wurden bei den Chaldäern mit vielen neuen Ideen bekannt; das ist wahr! aber auch mit dem D ogmavon Satan? Das Judenthum hat gar kein Dogm a im Sinne des CbrifientbuuiS Es hat nur Glaubenslehren, Heilkwahrheiten, auf welche irgend Jemand zu verpflichten Niemanden las Recht zvsteht. Der Jsraelite glaubt, weil er seinen Glruben mit seinem Denken und Fühlen, mit seinem Wollen und Handeln, mit den fortgeschrittensten Anschauungen der Gebildetsten aller Zeiten übereinstimmend er' kannt hrt. Der JSraelite Ihat Erkenntnisse, aber kein Dogma. Am allerwenigsten da? Dogma vom Satan Tic Lehre vom Satan kommt wohl zuweilen in älteren jüdischen Neligronsschr stcn por und mag allerdings ein sehr werthloses Erbe von den Chaldäern rein, aber nie ist cs Jemanden eingesalfcn, eine Glanbenslehre aus dreien An'chauungen vom Silan zu bilden. In den drei zelrn Glaubenslehren des afaijiunib»'?, im großen Bucke Jkkarim, das die Glaubensledre des Juden enthält, in allen neuen Religionsschrif en ist vom Satan nicht die Rede. Win überlasten die Kämpfe über den Glauben an den Teufel protcstanti'chijn Mystikern. Fragt den ultraorthodorrsten Juden, der dos Indenlhum kennt — ob der Glaube an den Teufel ein Theil des jüdr'chen Bekenntnisses ist? Er wird darüber lachen. Wenn der Herr Verfasser weiter von der Anmaßung der Natbis spricht — worunter er'alle Talmudgclehrtrn versteht — so müssen wir diesen bescheidenen, nur seinem heiligen Berufe lebenden, und sich überall der Wahr heit unter ordnenden jüdischen Lchrerstand gegen diew Verunglimpfung in Schütz . nehmen. Daß die gelehrie nnd wrstkusckastliche Entwicklung des Judenthums ans die Entwicklung des Volkes keinen Einfluß hatte, ist eben so unhistorisch. Dir Vorträge waren öffentlich. Jedernianu hatte Zutritt. Freilich, von Schulzwang im Sinne der Gegenwart hcttl man damals noch keine Ahnung. Man bedurfte dessen auch nicht, da überall im Judenthum— Religion und Erkermtniß — Wissenschaft und Fiömniigkeil als mit einander in Verbindung stehend anerkannt wurden Uebrigens verneint der Herr Verfasser seine Aussage wieder, indem er von den durch Josua Sohn Gamlah erriet,- teten Kinderschulen spricht. Daß zu Babylon die wahrscheinlich im zweiten Jahrhunderte nach Ehr. von Rabbi Akrbar theils geordnete, theils verfaßte (?) Kabbalah (— ein phantastisches Gemisch philosophischer Gedanken und religiöser Vorstellungen, durchflochten vom abcntheuerlichsten Aberglauben und von rabbinischen (I) Spielereien aller Art —) herrschte, ist eine wahrhaft erstaunliche Erfindung und wir empfehlen solche den zahlreichen jüdischen Gelehrten, welchen dies schwie ritze Kap'tel der jüdischen ReligionSaeschichte schon manchen Schweißtropfen gekostet hat, zur sorgsamsten Beachtung. Wir können hieraus nidit Leiter einqehen.