Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 4 (1864)
- Issue
- 24 (16.6.1864)
- Date
- 1864-06-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Wichentlick 1 Nummer. 'T\ p «• P1«rt«ljLhrlicher »bonnr»entSpreis J Sthlr. . *■ 27 h. Bei fraukir- Buchhandlungen an. Organ für die Schule, die Familie und das Gemeindeleben des Herausgegeben 7 von I. Klingenstein, Jgna; Lehmann und A Treu. ter Zusendung ufti «rrajioi* stbrltch 2 fl. 12 kr. Bestellungen »chm alle Postämter uni ünrelitlürke Aekrer. Anzeigen zu 1 Sgr. die Petitzeile. Einsendungen entweder direkt an den »rr«ntwurtlich«« Redakteur oder an die Berlagshandlung. Judentums. IX". LL. Mainz, den 16. Juni 1864. (Visrlsr Jahrgang.) Bericht über die X. Ansammlung isr. Lehrer in Hlheinhellen, abgeholten zu ' > WormS, am 26. Rai 1864. ES war ein etwas kalter Maimorgen. Der Nordwind, der schon seit Tagen „um die Wipfel der Bäume gerauscht und ihnen Aeste und Blätter zersauft" hätte uns früh geweckt, wenn nicht schon der Gedanke an die Eonferenz uns munter gemacht hätte. So wanderten wir denn lustig und guter Dinge der Bahn zu, harrend der Dinge die da kom- - men sollten. Und sie kamen, die guten Dinge! Schon als wir zu A. einsteigen wollten und uns aus verschiedenen Fenstern der Eisenbahnwaggons die Freunde anriefen: Klingenstein, Marx, hierher! Da zog es wie ein breiter Segens- und Freudeustrom ein in unsere Brust. Ja, eS muß doch etwas Edles, Kräftigendes, das Gemüth und den Geist ergreifendes in diesen Conferenzen liegen! Das sind Leute, von denen weitaus der größte Theil _ mit Sorgen zu kämpfen hat; von denen, soviel ich weiß, ~ nur einer — der Glücklichen — mehr als 300 Gulden Gehalt hat und heute wagen sie 3 bis 4 und mehr Gulden, stehen in der Mitternacht auf, und gehen 4, 5 bis 6 Stunden vorerst zu Fuß, um im Kreise der Freunde einen Tag lang die ernstesten Fragen des Schullebens zu besprechen, at Einer Reue darauf? Sicherlich nicht! Denn im nächsten ahr werden Sie wieder konunen. Der Tag der Eonferenz ist ein Festtag für die Lehrer. Wer da zurückbleibt, lebt nicht in seinem Berufe. Heben, nicht niederbeugen! Es waren zugegen/: die Herren: Rabbiner Dr. Rothschild aus Alzey und Or. Rosenfeld uus Worms; Lehrer Brandeis aus Wörrstadt, Bärmann aus Partenheim, Friedberg aus Niederwiesen, Hirsch aus Guntersblum, Hirsch aus Großbiberau, W. Joseph aus Lampertheim, Klingenstein aus Odernheim, Marx aus Alsheim, Nathan aus Gernsheim, Oppenheimer aus Flonheim, Oppenheimer aus Bürstadt, Seligmann aus Osthofen, Sonneberg aus' Bechtheim, Strauß aüs Hillesheim und Wertheim aus Schornsheim. ' Als Gast aus der Pfalz erfreute uns: Herr Lehrer Singer aus Frankenthal. Durch ihrem Besuch und theilweise durch ausdauernde Gegenwart beehrten uns ferner die Herren Or. raed. Trautmann, Leonhard und Leopold Trantmann, der für jeden Fortschritt. und. alles Edle begeisterte Herr Markus Edinger und Herr David, Vorstand aus Alsheim. -s Ihr Nichtkommen hatten entschuldigt: Or. Aub und A. Mayer aus Mainz, Aaron aus Esfenheim und Gottschall aus Griesheim (wird nächstens nach Virnheim übersüdeln; Gott mit ihm!) Präs. Marx eröffnet die Versammlung um 1<> Uhr mit den Worten: Meine Herren! Wir versammeln uns heute zum zehntenmale. Daß diese Versammlungen sich bisher erhalten und innerlich wie äußerlich erfreulich fortgeschritten, verdanken sie wohl vor allem dem Umstande, daß sienur zu wirken suchten für das Wohl der Schule, für den Beruf. Nicht um unserer äußeren Stellung willen versammeln wir uns, sondern indem wir bisher cs vermieden haben, für uns und unser wohl nicht beneidenswerthes Loos Forderungen aufzustcllcn, haben wir bewiesen, daß wir Männer sind, gewohnt und bereit, zu tragen, wie jene Männer der Vorzeit, deren leuchtendes Vorbild uns insbesondere hier in dieser alten jüdischen Gemeinde entgegentritt. Mögen wir darum auch wirken mit unseren besten Kräften in unserm bescheidenen, aber wichtigen Berufe nach den Verhältnisien unserer heutigen fortgeschrittenen Zeit, wie jene Männer, die als große und leuchtende Vorbilder dastehen für ganz Israel und für alle Zeiten. Herr Or. Rosenfeld aus Worms: Ich begrüße Sie, als geistiger Leiter dieser großm und ehrwürdigen Gemeinde, und freue mich, Sie hier, willkommen heißen zu dürfen. Wie im Propheten Jesaias der Hüter des Weinbergs genannt wird, „der hoffet Trauben zu erndten, und Heerlinge erhält," aber nicht abläßt von seiner Mühe, also sind Sie, die Lehrer berufen, im Weinberge des Herrn zu wirken. Ost werden Sie Heerlinge erzielen, wo Sie Trauben zu erzielen hofft, die Lehrer müffen tragen, aufopfernd wirken, aber der Segen Gottes wird nicht ausbleiben. Nochmals meinen Gruß und mein Willkommen! Der Präsident fordert den Schriftführer, auf, das Protokoll der vorjährigen Versammlung zu verlesen. Auf den Antrag deffelbcn wird aber hiervon Abstand genommen, weil daffelbe zu weit ausgedehnt ist, und ja im „Isr. Lehrer," als Organ, das keinem Lehrer fehlen soll, das Ganze zu lesen war. Nur in einem kurzen Rückblick zeichnet