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Der israelitische Lehrer · 1864-06-02 · 22 (2.6.1864) · p. Seite 86

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
22 (2.6.1864)
Date
1864-06-02
Page
Seite 86 (sequence 2)
Language
German
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86 schreckt ihn nicht seiten dds ungenügende Resultat der andern Leite, und nach beiden Richtungen -hin lernt er nicht aus, so sehr er auch nach der absoluten Meisterschaft ringen mag. Die vor ihm fitzende Corporation besteht auch in Hinficht der Capacität aus sehr verschiedenen Elementen; allen soll er gerecht werden uud doch, die Gcsammtheit als solche veranbnngen. Der stumpfe Geist setzt ihm tausend Schwierigkeiten entgegen, der energielose Wille ein zweites Tausend. Vergebens sehnt er sich nach dem „Nürnberger Trichter": die .Kunst, den Meu chen Verstand uud Willenskraft einzublaien, ist noch nicht erfunden worden. Einer schwachen Intelligenz einige Regsamkeit 'und größere Kräftigkeit zu verleihen, ist ani Ende'noch die geringere Aufgabe, den Willen anzuicuern, die bei weitem schwerere. Und doch isl der Mensch im letzten Grunde schon auf den Schulbänken seines Glückes Schmieds d. h. von'seinem Wollen hängt schließlich sogar der Erwerb eines gediegenen Wissens und Könnens ad. Der Junge lenit 5. B. trotz des besten Unterrichts und der allseitfgsten Bemühungen nicht einmal orthographisch richtig schreiben, wenn er sich nicht ernstlich vornimmt, die widerlichen Fehler, welche einem gebildeten Menschen zur Unchre gereichen, energisch abzuschütteln. „Der Men'ch ifT-rei geschaffen, ist frei, und würd' ,eriu Ketten geboren", d. h. es hängt sein Himmel und seine Hölle von seinem Willen -Und von seinem Wollen ab, und diese Freiheit ist es, an der' alle Erziehung oft erbärmlich scheitert. —^Haben wir nun bei den- Geistern, welche sowohl nach der Seite des Erkennend - als auch nach der des Wollens hin schwach constrnirt fuib:,; nach bestem Ermepen untd Gewiffeu unsere Schuldigtest gethan, so weiß man uns ost —für die anstrengendste Arbeit gar wenig Tank. Man unter stützt uns von Seiten des Hauses häufig nicht, thnt eher das Gegeiuheil, sieht aber nach den Resultaten und wirft den Stein aus uns, wenn wir prätentiösen Auiprüchetz nicht zu eist-prechen ini Stande waren.. Selten erhebt sich ein Men'ch zu der vorurt!>eils'.o'en Ansicht, daß er einen dummen und schwachen Jnngep hqt, wenn auch der Augenschein noch '0 'ehr'r'-det..! Je-der hält sich st-lbst für ein Lumen, setzt'voraus, daßj' das Product seiner Liebe ihm ähnlich sei, und stoßt den -mit Verachtung zurück, der ihn eines Besseren zu belehren unternimmt. (Schluß.folgt.) LoUen die Mädcken am Unterrichte im Hebräischen in dem Maape Theil nehmen, wie die Knaben? Der herkömmlichen Sille nach war das weibliche Geschlecht vom Unterrichte im Hebräischen ausgeschlossen, und hielt man das blo-'e Lesen für genügend. Erft später lernten die Mädchen auch das llebersetzen der Gebete und jetzt wird unter den Lehrern darüber gestritten, ob auch Kenntniß des Pentateuch irötbug ist, oder nicht. Es dürfte diese Frage eine vielseitige Besprechung' verdienen, wozu diese Zeilen die Anregung sein sollen. Es sragt sich ganz einfach: Ist die Erreichung des Zweckes, den dieser Unterrichtsgegenstand hat, auch für das weibliche Geschlecht nöthig? Das Ziel dieses Unterrichtes rst, dem Kinde den Urtext der h. Schrift verständlich zu machen und es zu befähigen, mit Gefühl zu beten. — Ob die Volksschule dieses Ziel bis jetzt erreicht Hat,*) darauf kommt es bei unsrer Frage nicht an, auch nicht darauf, ob die hebr. Sprache Custussprache bleibt**) oder nicht. Bleibt sie. es nicht, so witd der materielle Unterrichtszweck einst wegfallen; so lange sie, es aber ist, muß dieser beachtet werden. Das Verständnis! des Pentateuch in der Ursprache ist darum nöthig, west er Hie Basis für den Religionsunterricht, also auch für die religiöse Praxis ist und weil ohne diese Kenntniß der wichtigste Bestandtheil des Gottesdienstes, minn nxnp, nutzlos bleibt. Ich frage nun: Ist n'p blos für das männliche Geschlecht? Soll nicht auch das weibliche Antheil nehmen? Und wo liegt, in der religiösen Praris ein Unterschied zwischen Knaben und Mädchen? Einige Ceremonien, von denen das weibl. Geschlecht dispenfirt ist.- bedingen noch keinen Unterschied. — (llnd riHp? Red.s Man wendet ein, das Mädchen müsse mehr fühlen, dqr Knabe mehr denken lernen.***) Da dieser Unterschied zchischen beiden Geschlechtern durch die Natur begründet und der späteren Bestimmung gemäß ist, also eine naturgemäße u rd zweckmäßige Erziehung denselben berücksichtigen muß, so antworte ich: „Dieser Unterschied muß nicht nur bei diesem einen Lehrobjekt, sondern stets und überall beachtet njerden. Daraus folgt aber nicht, daß der Lehrstoff verschieden sei und der Pentateuch in der Ursprache, selbst n enn er vorzugsweise das Denken und weniger das Fühlen aaregt — was aber falsch rst — wegbleiben muß. Es n ürde dieses zur Folge haben, daß l) ckds weibliche Geschlecht am n'p keinen Antheil nehmen und durch eine Predigt nicht in dem Grade, angerqgt werden konnte, als das männliche. L) Daß der Lehrer auch beim llebersetzen der Gebete Knaben und Mädchen trennen müßte, da jene durch läufigere Uebung diesen vorauscilen, ein Umstand, der durch das „Zeitraubende'^ uachtheilig wirkt. Früher übersetzte man cr-d nx ernenn „lehrt sie euren Söhnen (statt Kindern), ja man ging so weit, den Grundi ltz ailszusteUen: r*:': mn iro rx T^-cn » wer iemer Tochter Thorä lehrt, lehrt sie Falschheit. Da man nun die Frauen nur zu npirv n?n nu verpflichtet hielt, so bedurften sie früher nicht des Hebräischen. Waren sie ja vom Gebete dispenfirt und zweifelte man nach n^^n "a 's r-z-z n:tr: sogar an deren Verpflichtung zuin Tischgebet. Man ist anderer Ansicht geworden. Die Mutter ist vor Allen berufen, ihre Kinder zu Erziehen, ihr Einfluß auf dieselben ist von noch größerer Bedeutung als der des Vaters, und, bedingt gar o't ihr Lebensglück, meistens aber ihr religiöses Gefühl. Die Mutter legt die ersten Keime der Tugend in die zarten Kinderherzen; die Mutter lehrt die Kinder zuerst beten. Und diese Mutter sollte der heiligen Urkunden unsrer Religion weniger bedürfen als der Vater? Die jüdische Mutter, deren Gefühl durch das Verständniß der Bibel im Urtexte um so inniger, um so jüdischer wird, soll diese Kenntniß entbehren? Seht euch •) Simon Nr. 41 fc. Bl. **) Dr. (Strfnberg Rr. 24/25 1S*>3. ***) Kiingcnstkin, der Unterricht im Hebräischen.

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