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Der israelitische Lehrer · 1864-06-02 · 22 (2.6.1864) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
22 (2.6.1864)
Date
1864-06-02
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Wichnitltll' 1 Rummrr. Bierteljährlichcr Abonnementedisis J IMr. 27 fn B«i frankirter Zusendung unter Lrcuitand jährlich 2 st 12 Er Bestellungen ncbmen alle Postämter und Buchhqndlungen an. Der Organ für die Schule, die Familie und das Gemeindeleben des Zndcntlmms mi Anzeigen zu 1 Tgr. die Petitzeile. Einsendungen cntwedc, direkt an. den verant» wcrtli!sten Redakteur oder'an die Verlags Handlung. Herausgegeben von I. Klingenftein, Ignaz Lehmann und 31. Treu. JX°. SS Mainz, den 2. Juni 1864. (Viorler Jahrgang.) i Niederbeugen und Heben. (Aus dem „Hamburger Schulblatt," Nr. 333, 1. Jan. 1864.*) „Biegen, nicht brechen!" heißt Lord Palmcrston's Wahlspruch; er sollte auch des Lehrers immerwährende Parole sein. Denn er wird gar häufig gebogen und hat ebenso häufig zu biegen, und wenn er biegt, so wird er 'in der Regel selber gebogen. Hauptsache ist, daß er in beiden , Fällen nicht „in die Brüche" geräth. Was aber pflegt ihn zu biegen? Erstens und vor Allem die Last der Arbeit. Ihr Gewicht drückt uni so schwerer,! je eifriger, je tüchtiger er ist. Ta es auf dein Gebiete der Erziehung im Ganzen keine goldenen Berge zu erobern (gibt, s» ist'» ausschließlich die ideale Gesinnung, welche diesen Eifer zu erzeugen pflegt. Ter Erzieherberus ist ja an sich ein idealer, ein köstlicher Beruf. Denn, wenn es wahr! ist. daß der Taumel der Weltgeschichte keinen an dern Sinn hat, als daß allmählich „das Reich Gottes," d. i. da^ Reich der Wahrheit, der Tugend und Schönheit komme, so ist's nicht minder wahr, daß derjenige Beruf anr höchsten geschätzt werden muß, welcher, diesenl letzten Zwecke des Erdbebens ani directesten dient. Wer aber weiß eine menschliche Thätigkeit, welche in dieser Beziehung der erzieh lichen den Vorrang abgelaufen hätte? Ja, es ist die Großartigkeit und nicht genug zu schätzende Wichtigkeit unserer Aufgabe, welche bei den, Tieferschai^'n den und Gemüthvollen die nie versiegende Quelle seines Eifers wird. Und in diesen! Eifer überschreitet er nicht selten dqs ihm von seiner eigenen Kraft gesetzte Maß. So mancher aufstrebende gesunde und frische Stamm wurde auf diese Weise zuerst niedergedrückt, dann gebrochen und ging verloren. Ein Jeder also prüfe sich selbst, wenn er merkt, daß er gebeugt wird, und richte sich auf durch maßvollere Thätigkeit, durch ein rechtzeitiges Ausspannen und durch Erholung. Es ist das leichter gesagt als gethan. Wer eine tüchtige Arbeitskraft, Gemeinsinn und ein Herz ln der Brust hat, wird als Lehrer gewöhnlich nicht bloß von seinem an sich so krasterfordernden und krastauftreibenden Berufe, sondern noch von wer weiß wie viel sonstigen Seiten her in Anspruch genomme)!. Es ist das namentlich in einem Frei- ') är setze» die gefällige Se»»hmigung zum Abdruck voraus. D. R. d. isr. L. staate der Fall, welcker seine tüchtigen Bürger weit mehr horanzuziehen und ihifen Arbeit aufzulegen pflegt, als eine oben her verwaltete Monarchie-. Es trifft also in solchem Staate bei einem idealgesinnten Menschen häufig zusamnie r die innere und die äußere Nöthigung kommt nun noch hinzu der Ehrtrieb oder geradezu die Eiteli keit, von der ein Je^er eine nicht unbedeutende Dosis zu ' besitzen pflegt, so u ird der Untergang des Goethe'schen . Fischers nicht selten iit Scene -ssesetzt. Tas rauschende und! schwellende Master i t das wogende und fluthende Leben, aus dem ein Jeder s inen Fisch zu ziehen sucht. Da plötzlich lockt den Eifrige!; nicht bloß dieser Fisch , sondern auch die feuchte versühreriche Sirene, die Eitelkeit. Dann zieht es ihn, halb sinkt er hin und — wird nicht mehr gesehen. In der That, es ist schwer, auch in solchem Falle durchzu-; fahren zwischen Seist a und Eharybdis, auf der einen Seite sich treiben zu lasten von dem Unsichtbaren und angesichts einer großen Aufgab? nicht feige zurnckzufliehen vor jeder extraordinaircn Anstrengung,, nicht Valet zu sagen jeder Siufopferunßöfäbigfeii, auf der andern Seite aber hübsch ■ seine eigene Kraft zu bedenken und ein zu frühzeitiges Auf-! reiben zu vermeidet. Das Leben oscillirt stets zwischen Gegensätzen, und wer die Extreme bei allem Vorwärtsdringen am geschicktesten zu vermeiden weiß, der ist der Beste. „Man muß sich nur durch nichts dauernd niederbeugen und brechen lasten, selbst nicht einmal durch Kränklichkeit!" sagte einst mein Freund Theodor Hoff mann zu mir; aber er selbst wird zugeben, daß dies leiäiter ausgesprochen als erfüllt ist. Regeln lasten sich in unserm Falle schwerlich geben Es tritt nur die Mahnung an jeden Einzelnen heran: Laß dich wohl einmal niederbeugen, aber niemals brechen! Und dann heißt's weiter „Sehe Jeder, wie er's treibe!" Beugt uns schi Arbeit, so nicht *.ni Vorsprechen und Ei was Kraftaufwand liche Behandlung modernen Bildungs ausgiebig zu machest Geisteskraft, und de sen und Können zu Mann nach einer ty n häufig nieder die Quantität unserer der ihre Qualität. Das Dogmatisiren, nüben der vorpestalozzischen Schule ist, betrifft, ein Kinderspiel gegen die erziehder Unterrichtsfächer von Seiten einer Anstalt. Hier gilt es, den Stoff allseitig für die Entwicklung der nienschlichen voch ein tüchtiges und praktisches Wiserzielen. Selten thut sich der strebsame :r beiden Seiten genug; hat er die eine Seite nach seiner Meinurg praktisch genügend erfaßt, so er-

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