Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 4 (1864)
- Issue
- 20 (19.5.1864)
- Date
- 1864-05-19
- Page
- Seite 80 (sequence 4)
- Language
- German
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80 - J ■um!* öffnete ihm freilich viele Thüren, die Andern verschlossen geblieben, aber schon die Mühe, bis an deren Schwelle zu gelangen , war eine unsäglich große und hätte, minder energische - Charaktere abgeschreckt. _ Sechs Jahre später stand er vor dem Ezaar von Rußand. und es gelang »hm, Erleichterungen für seine schwer gebrückten Glaubensgen sin zu erzielen. Wie er sorgte und arbeit te im Jahr 1351), schon über 70 Jahre alt, alle europäischen Höfe bereiste und jahrelang schrieb und mahnte, um den.jüdischen Knaben Mortara, den italienische ^Jesuiten seinen Eltern geraubt und in ein Kloster entfübrt batten, zu befreien, das ist noch bei uns Allen in frischem Gedächtniß. Die Entrüstung Europa's stand dem würdigen Greise zur Seite, aber — zur Schande unseres Zeit» ters sei cs gestanden — sie forderte vergebens. Roms Non posgumus trotzte lrm Weherufe d>r beleidigten Menschheit. Und wieder, gegen Enke des vorigen Jähres, raffte der Hochbetagte sich aus in London, o. wohl, kurz vorher der langgetreuen Lebensgefährtin, seiner Gattin, durch .den Tod beraubt, und den , eigenen tief n Gram niederkämpfend, sab er nur auf das Elend seinerR ligionSgenone»im fernen barbarischen Marokko. Schwall» an Kräften, aber stark in dem Muthe, den opferwillige Menschenliebe verleiht, kiese eiaeülliche Religion des Himmels und der Erde, verließ er von Neu m seinen Palast zu London und reiste nach Afrika, alle Straparen übcrwindink, ein Jüngling im Geiste, wie weiß auch der Scheitel. Solchen Geistern wird das Alter .wieder blühsam,' wie unsere tiefsinnige Dichter im Mitt,la ter gesungen. Juden wie Christen waren dort gerade um diese Zeit den furchtbarsten Verfolgungen Seitens einer durch wahnwitzige Verleumdungen au'gebetzten Muselmani'chen Beröik.rung auegesetzt. Und wvs den Vorstellungen, der fremdländischen Eomu.n nicht gelang, den Fanal smus ker Behörden des Sultans von . Marckko zu bändigen, las vermochte Sir Pioses Montzfiore. Er .landete in Tangers und wie ein Erretter und Befreier begiüßte 'rbn Alles, war nicht Muselmann hieß, in den Küstcnpädten. Ter Ruhm seines Namens mar-'bm vorausgecilt bis in.die glühende Wüste und bis in den Palast de», Autokraten. Unk so kam es, daß, als d r Achtzigjährige die lange Reise nach d r Hauptstatt antrat, über eine Woche.lang der singenden Sonne der nordwestlichen Cabara äusgesetzt. ihm. der Sultan mit 10,000 Mann sein r glänzenden Houstruxpcn entgeg.nzog und iln als seinen Gart über seine Schwelle füdrte. Es war wie eine Sc.ne aus LessingS „Natban dem Weisen ,* wo ein Cmadin .den ehrwürdigen Hebräer in seinem Palaste bewunderte. Und Mcntcficre' überreichte-sein Memorial„für Juden und Eeristest.* In unglaublich kurzer Zeit batte er die Freude, das nack stehe, de Edict des Sultans wie einen lang ersehnten mühsam errungenen Schatz nack Tanger zurückrubringen. Das Edict lautet: »Im Namen Geltes, d.s-Barmhcrziaen und Anadenvollen. ES gibt keine Macht als in Gott, dem Hohen utzd Mächtigen. .L. rt.) Werke es bekannt durch diesen unfern Herfckcrbefehl. Möge Gott dessen Zweck segnen und erhöben, ja bis zu den höchsten Himmeln, wie. er cs mit Sonne und Mond gethan. Das ist uns.r Besibl, daß alle in unfern Landen wohnenden Juden und Ebristen, in welche Lage auck sie der allmächtige Gott gestillt baten mag, durch unsere Gouverneure, Verwalter unk alle andern Untertbanen tedandelt werten sollen im Einklänge mit den ebenmäßigen Wagcschalen der Gerechtigkeit, und daß in den G.richtsbösen dieselben andern Leuten vollkommen gleichgestellt sein sollen, za nickt einmal ein Brucktheil der geringsten erdenklichen Ungerechtigkeit Emen von rbnen erreiche; neck sollen sie irgend einem Tinge tadelnswürdiger Natur unterworfen werden. Eie (die Behörden), noch irgend sonst jemand, soll ihnen (den Juden rc.) unrecht tbun, weder an ihrer Person noch-an ihrem Eigenthum. Auch darf kein Handelsmann unter idnrn oder ei« Handwerker zur Arbeit gegen seinen Willen gezwungen sein. Jede Arbeit oll pflichtschuldigst belohnt werden, denn Ungerechtigkeit hienieden ist Ungerechtigkeit im H mmel, und wir können sie nicht dulden in irgendwelchen Dingen, die auf ihre (der Juden rc.) Rechte oder die Reckte Anderer Bezug haben! Denn unsere eigene Würde widerstrett solchem Bornehmen. Alle Personen haben in unseAl Augen einen gleichen Anspruch auf Gerechtigkeit. Und wenn jemand Einem von ihnen (den Juden rc.) Htzrm oder Schaden zufügen sollte, wollen wir ibn mit Gottes Hilfe zücktigen. Die hier aufgesetzten Befehle sind schon früher gegeben und bekannt gemacht, aber wir wiederholen sie und geben ihnen mehr Kraft, damit sie klar verstanden werden und wirksamer zur Ausführung kommen, als auch zu einer Warnung für alle Solche dienen mögen, die denselben (den Juden) übel gesonnen sein könnten, und dam t sic (die Juden) somit in Zukunft sich größerer Sicherheit, als bisher, erfreuen, während die Furcht, sie zu verletzcnj, um Großes vermehrt wird. Dieser Befehl, von Gott gesegnet, ist verkündet an diesem A>. des Schaban des Jadres 1230 (5. Februar 1364). — Frieden!" Und so nabm der neue „Saladin* von dem neuen „Nathan dem Weisen* hochherzigen Abschied. Die Lehrerwaisen. (Fortsetzung.) Die beiden Kinder trugen die Last des ganzen Hauswesens, dem sie Vorstand n, mit Ergebung. Wohl hatten sie die Aufmerksamkeit der Nackbarsl ute und derjenigen, dw mit ihnen;uiammsntrafen, efeegt; aber dabei blieb's. Man liebte sie um ihres Ibescheidenest Benehmens; man mußte ihrem Gejckicke unwillkürlick Tbei-natme, ihrer gränzcnlosest Bcredrung für ihre Mutder, ihrer trfuen Fürsorge und Amopierung für ibre jüngern Geschwister Hochachtung zollen; allein Niemand kümmerte sich weiter um sie und ihr Thun; und so behielten sie auch die Schmerzen verschlossen in idrer Brust, und trugen sie allein. Tie Leiten der ^Mutter vergrößerten sich täglich; bald konnte sie sie ihren Kindern nicht mehr verheimlichen. Der Arz> wurde geruwn. Er ertlärte die Leiden a!s Folgen deS Kummer- und der E»t ehrung Und Sorgen, und nur unter besierer Mege in wärmerem Klima, etwa in einem Bake heilbar! O Gott was da die Kinder litten! Sie hätten jede Minute des Lebens ihrer »Mutter gerne mit ihrem eigenen Blute erkauft; uud dock, wo sollten sie die Mittel hernehmcn, die eine solche Reise, ein Aufenthalt im Bade erforderte? Jakob ging mit gränzenlosem Eifer an das Geschält. Bald wurden auch die Bücher zurückgelegt; ja er dachte schon daran, sie, die vom Vater ererbten Heiligthümer zu veräußern, wenn er dadurch im Stande wäre, das Nöidige zu ein.r Badereise für seine »Mutter aufzutreiben. Allein es wurden ihm,r>ur wenige Kr.uzer, kaum der Werth des Papicres darauf geboten. — Eine stete Unruhe, eine gränzcnloso Hast bemächtigte sick d s armen Jungen, der fast noch ein Knabe, jo zu kämpfen,! so zu dulden batte. — Gutula trug still und gottergeben ihren Schmerz. Sie — die Arme, die die Leide» ihrer Mutter nnmer vor sich sah und für ihre nichtsahnenden Geschwister mit mütterlicher Sorgfalt arbeitete und wirtte — tröst.te noch Jakob, wenn dieser Abends erschöpft nack Hause kam, und dos fortschreitende Sieckthum der Mutter jammernd bemerkte, und schmerzvoll die Hände rang in dem» steten Seelenkampse, den Ihm in dieser Lage das ruhige Betreiben seines Geschäftes aufkrlegte. | (Forts, f.) «rramworrli»er Revakreur:' I. »lingenslein in Lternheim in Rbeifibefien; Sestpverlag der »«daktlon. Für den «uchbanbel: in Eonimiifion Lei S. 8. Fritz sch» in Leipzig — Tamxf-SchncllPreffenvruck von I. Svttsleben in Mainz.