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Der israelitische Lehrer · 1864-05-12 · 19 (12.5.1864) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
19 (12.5.1864)
Date
1864-05-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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WSchenttt» 1 N»»wkr. BterteliLhtltchet >b«nae»»nt«ptris i 5CMt. 27 ft. Sri franfirttr Bafmbuna wtcr K>«ztaM> jMlich 2 fl. 12 kr, Bestrll»»gen aripxn aN» Postämtet «ü> Bschhandlunge» <m. Der IsMMsclre Iekrer. Sn^eigen zu 1 Egt. die Petitzeile. Einsendungen entwede ditekt an den verant» wottlicken Redakt«« »der an di« Betlagshandlung. Organ f!rr die Schule, die Familie und das Gemeindeleben des Judentums. Heransgegeben von I. Kli»ge»ftei», Jg»az Leh«a«n und A. Treu. N°. 19. Mainz, dm 12. Mai 1864. (Vierter Jahrgang.) Der Lehrer als Prediger. (Schluß.) Die Reform des Cultus ist ein Gebiet, dar von den bedeutendstem Männern der Jndenheit so reiflich discutirt ist, daß es wohl Jedem möglich, und dem Lehrer sogar unbedingt nöthig ist, fich von den verschiedenen Ansichten »« unterrichten. Die Nothwendigkeit einer besseren Gestaltung des synagogellen Gottesdienstenach den Principie» einer fortgeschrittenen Zeit läßt fich nicht verneinen, und so ist das Wirken auf diesem Gebiete ein solche-, wo sich der Lehrer auf die Nothwendigkeit berufen, und auf alte und neue Autoritäten, auf viele der bedeutendsten jüdische« Religionsgemeinden Hinweisen kann, wenn auch noch so Manche mit blindem Elfer sich gegen jede Neuerung stemmen. Hier muß der Lehrer wirken mit Kraft und Muth, mit der Kraft der Ueberzeugung, mit dem Muth des für seinen Glauben, für sein heiligstes Berufs- und Seelenleben strebenden Mannes. Aber eine den Anforderungen Aller entsprechende Reform, wie Chor, Predigt, theilweise deutsches Gebet, Abschaffung vieler ungeeigneter Piutim hat mit den Kernftagen der Lehre und prattischen Lebens nichts zu schaffen. Epeisegesetze, Sobbatsragen, Mefsiasidee u. f. w.; dasind zum Theil streitige Gebiete, auf welche sich der Lehrer am besten gar nicht, oder doch dur mit möglichster Schonung und gestützt auf anerkannte Autoritäten einlasien kann und darf. Daß zelotifcheS einseitiges Verketzern und Liebäugeln nach Rechts, auch wenn's von den Gliedern der Gemeinde gerne gehört wird, ebenso verwerflich ist, bedarf wohl keiner besonderen Bemerkung. 3) Die Predigt deS Lehrers halte sich strenge an die logffche Gedankenfolge. Aus diesem Grunde muß einer jeden Predigt ein Exordium (Eingang) und Meditation (Grundbetrachtung) vorausgehen, in welchen der Kerngedanke angrdeutet ist, welchen wir in der Predigt behandeln wollen, und der für di » alsdann folgende Disposition die Grundlage bildet. Der Di terabtheilungen seien nicht zu viele, höchstens drei bis vier und werde alsdann das Ganze mit einem paffenden zusammenfaffendeu Worte zum Abschluß gebracht. 4) Der Text der Predigt sei klar und schließe sich dem Thema in naturgemäßer Weise an. Ein Meister in der Redekunst kann auS einem und demselben Texte VerschiÄtnartiqes heraus finden und herauserkläreN. Er vermag eS, den Satz rmna D’JE o*d zur vollständigsten Wahrheit zu machen, wenn auch ivivr td nsh’ «■fpo Das wird dem Lehrer weniger gelingen. ES ist darum am schwierigsten beim Predigen für den Lehrer, einen geeigneten Text für seine Predigt zu finden. Das ivni .na isti na ndan na gilt nicht für Alle. Es muß der Zusammenhang der Meditation (des Eingangs) mit dem Texte, und des Textes mit der Disposition ider Auseinanderlegung des Themas in seine Abtheilungen und Unterabtheilungen) und die Durchführung deS Themas in logischer Folge klar vor der Seele deS Redners stehen, und so auch klar vor der Seele des Hörenden sich entwickeln, so Dar, daß diese (die Hörer) selbst resumiren können. Sollte das auS einem Verse nicht möglich sein, so nehme man mehrere. Parallelstellen stelle man jedoch mit dem Haupttexe nie' an die Spitze, weil die Ausführung dadurch unklarer und jedenfalls schwieriger wird. 5) Der Lehrer wähle für seine.Vorträge öfters das Gewand der Homilie — pharaphrastische Erklärung einer größeren SchriststeUe, der Haphthara und dergleichen mehr. Es lasten sich die Schönheiten des Textes, die unvergleichliche Tiefe und Erhabenheit des Schriftwortes auf solche Weise besser ans Licht fördern; der Lehrer erhält mehr Freiheit in der Bewegung, in der Anordnung des Stoffes. Er hat weniger Kunst nöthig, und wird vielleicht mehr erbauen und belehren. Besonders eignen sich hiefür geschichtliche Ereignisse auS der Bibel. Sie enthalten oft eine überwältigende Kraft, eine Masse sittlicher Ideen, die in der Predigt (Pharaphrafe, Homilie) gewürdigt werden müssen. Die Besprechung erhabener Charakterzüge aus dem Leben unserer Patriarchen, Lehrer, Propheten und Priester, die Betrachtung der göttlichen Vorsehung und Gerechtigkeit in der Geschichte des isr. Volkes und andrer Völker, sowie einzelner Menschen erheben das Herz und wirken auf weniger gebildete Menschen viel nachhaltiger als daS eindringlichste Raisonnement. Die Zuhörer nehmen etwas mit nach Haufe, über das sie sprechen kö men, und das sich nicht sobald verliert. Auch Ereignisse aus den Apokryphen, der talmudifchen und nachtalmudifchen Zeit, können, wenn sie historisch-wichtig und authentisch sind und große sittliche Ideen darstellen, benutzt werden, wenn ihnen auch ein Vers aus der hl. Schrift als positive Grundlage vorangestellt werden mag. Zu Beispielen eignm fich vorzüglich Agada's, wenn sie dem Lehrer

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