Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 4 (1864)
- Issue
- 18 (5.5.1864)
- Date
- 1864-05-05
- Page
- Seite 72 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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«lleiir auf de» Handel, und inten» er. den Frauen für allerhand Lumpen und altem Zeug Schnüre, Baud, Messer und Gabeln. Halstücher und aukere tausend Sachen gab oder auch gegen Geld rerkauftr, ßewrrnu er nothdürstig so viel, daß die Seinigen Tagsüber so viel zu esse» haben, daß sie nicht verhungern brauchten. Abend- — wenn auch ermüdet — griff er wieder zu seinen Büchern, erquickte seine Seele insbesondere durch das Studium der Natur und der Bibel, wo er zum ersten ja Tagüber auch zuweilen Gelegenheit fand bei seine« Wanderzügen, und wohin zum zweiten ibn sein Herz uud der Unterricht seines Vatcrs trieb, so daß der arme Lumpenjunge seinen Geist erhob an den Worten der Propheten und Könige in Israel, die ihm «ne heitere Zukunststatt der traurigen Gegenwart verhießen, seinen Geist und i^kNWlffen erweiterte durch den Einblick in! die Natur. \ . ■ j Ihr, die Ihr von dem Zuge des Juden nach „Handel" l ^rechet, Ihr reichen Juden selbst, die Ihr Euch des armen \ Echnürjuden schämet, und mit sck önen Redensarten Alle — zum; Handwerk und zum Ackerbau hknsübren möcht t; ihr bedenket > wohl richt. wie oft das H.rz dieser Armen blutet ob ihres niedrigen Gewerbes, wie oft aber der 'Hunger einer ganzen Fa- 1 «ilie durch diesen schmalen Erwerb gestillt werden soll uud , muß, und kein Aussicht, einen anderen E'werbszweig zu ergrei-; fen, dem sehnenden und nach Höherem strebenden Geiste sich darbietet. - — 1 mg-LE'! ■- ' ■ .-11. '■ 1 So war, bis zu dem Abende, von dem wir oben sprachen, fast ei« Jahr .vergangen — ein Tag dem anderen gleich »"nr doch ähnlich. Wohl verdiente Jakob jetzt mehr, und auch Gudula hatte Beschäftigung gefunden. Und doch reichte der Berdienst Beider kaum hin, um uur den Hunger zu stillen. Jakob war gewachsen, körperlich und geistig; aber wenn nicht, das Herz es ihm zur Pflicht gemacht gemnckt hätte, hätte er längst sckon seinen »hm widerlichen Handel aufgegeben. Doch- — es mußte sein. —[• Gudula war am Arme ihres Bruders lange still die Sttaße hingegangen; auf einmal blieb sie stehen und den Bruder scharf anblickend, sagte sie: „Du fragst mich nicht, warum ick» heute weinte, als Du kamst? O, es näht ein noch größeres Unglück als all unser seitheriges Leid seit dem Tode unieres Paters," sagte sie, in laut>s Weinen auSbrechend. „Weißt Du, daß heute unsere Mutter, an der.n Wohlsein ich schon lange zweis.Ite, Blut spuckte?" Entsetzt fuhr Jakob zurück. „O nein, daS kann nicht sein; Gott kann uns unlere liebe Mutter, für die ich mit Lust und Freude trage, was ich zu trägen habe, nicht nehmen. Das kann nicht sein. Blut spuckt sie, sagst Tu? Hat nicht auch die Krankheit unseres Vaters mit Blutspucken begonnen?" „Jal Sie schien es vor mir verbergen zu wollen, und ging hinaus, aber ich sah es doch. O Gott, auch ich schwieg; was litt ich, bis Du kamst!" (Fottsetzung folgt.) Einladüikg Die diesjährige z e hn t e Versammlung der isr. Lehrer j in Rheinhessen wird fiattfinden zu Worms am Donnerl stag den 26. Mai und Morgens präcis 9 Uhr ihren! Anfang nehmen.! Als vorläufiger Versammlungort ist bestimmt der Gast- Hof zum wilden Mann (Herr Cahn) am Schulhof, unweit des Marktes.! Tagesordnung.! 1) Bericht über die Thätigkeit des Bureaus seit der 1 vorigen Conferenz, und Rechnuvgsablage rc. rc. über ' denLehrer-Leseverein durch.den Bibliothekar Klingenstein. 2) Anttäge über eine Veränderung der Statuten resp. über Scheidung des Vertnögens der Conferenz von dem des Lehrer-Lesevereins.*) ,; *) Wir finden uns veranlaßt, dies hier zu erläutern. <ks find mehrere Lehrer unter uns, wellten die'moralische Verpflichtung keine wiikljche ist, und welche sich von dem Lebtet-Llsevercin loegesagt haben, wählend sie bie Llnferenzen besuchen, und an dem, was hier getotcn wird» passiven und activen Antbeil nehmen, ohne das geringste Lpfer l zu bringen. Man wird uns »eistehsn. Run hat aber unsere Cafie im I Laufe der »ergangenen Jahre mehrfach bedeutende Aussaben zu Gunsten > alter'Lehrer und für die Lonferenz alt solch« gehabt, wozu rechtlich j auch jene biistrucrn müpen. Wir werden also den Antrag stellen, daß! alle rheinbessisch e, tieLcnferenz besuchende» Lelrcr, welche nickt Wits ■ -lieber des Lebrer-Leseverrtns sriy wollen, «ine gewiffe Summe als E i ntrittsgeld zahlen müssen^ welche zur Deckung jener nicht eigentlich zum Leseverein gehörigen Ausgaben verwendet »verden. , Hiermit verbinde ick die d r bd g ende Bilte, mir di« noch rückständigen Jahr,sb.iträge.und vocante Schriften umgehend einzusenben. Oternbeim, de» 24 April 1864. I. Klingenstein. 3- Ueber die Gegenstände des Religionsunterrichts in der isr Schule und das Maas derseUwn. Referent: Marx. 4) Der'Unterricht in der nachbiblischen Religionsgeschichte. Referent: Herzog. 5) Die Erziehung zur Wahrhaftigkeit durch die Schule. Referent: Brand eis. 6) Erneuerung des Büreaus und Besprechung über dm allg. Lehrerunterstützungsverein. Wir erwartm recht zahlreichm Besuch, und sind unsere Collegm aus der Nähe und Ferne (bayr. Pfalz, Badm, Starkmburg), sowie die Herren Rabbinm, Gemeinde-, Schulvorstände und alle Schulfreunde freundlichst eingeladen. Alsbeim und Odernheim, den 24. April 1864. I?. Marx» z. Z. Präsident. Z. Klingenste»«, z. Z. Schriftführer und Bibliothekar. A n z e i g e. Die Lehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle in Hechts- Heim bei Mainz mit dem Einkommm von mindestms fl. 300 nebst freier Wohnung ist zu besetzen. Bewerber mögen sich innerhalb 6 Wochen wmden an I den Vorstand jjer \5X -Aeligionsgemcinde. Ein Lehrer, von dessen tüchtiger Begabung und anSgezeichsteter Strebsamkeit wir überzmgt find, sucht eine Stelle als Lehrer an einem Institute, oder auch als Hauslehrer, in einer Gemeinde einer Mittelstadt, die ihm Gelegenheit bietet zur eigenen Fortbildung. Näheres bei dem Redaktmr dieser Zeitschrift I. Klingenstein in Odernheim. BeraarwoMicker Redakteur." I. Klingenstein in Ldernhei« in Rbeinbefien; Selbstverlag der Redaktion, gut den Buchhandel: in Lvmwtsfio» bri L. L. Krttz^chr in Leipzig — Da«pf-Schuellprchmdrnck von I. Gatttleben in Mainz.