Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 4 (1864)
- Issue
- 16 (21.4.1864)
- Date
- 1864-04-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Wöcheutlich 1 Nu«m». T) e V Vierteljährlicher Sbounementsprets t Tblr. L?kr Bei fraukirunter Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Organ für die Schule, die Familie und das Gemeindeleben des Herausgegeben ter Zusendung Kreuzband sab' 2 st. 12 kr srMrtMlw Jebrer. Anzeigen p, 1 Sgr. die Petitzeile. Einsendungen entwed« direkt an den vernnt» wörtlichen Redakteur - oder a» die Verlags Handlung. Iudenthums. von I. Klingenstein, Ignaz Lehmann und A. Treu. N°. 16. Mainz, den 21. April 1864. (Vierter Jahrgang.) Der Lehrer als Prediger. Des Lehrers Heimath soll wohl vorzugsweise j(ine Schule sein. Hier findet er „die starken Wurzeln seiner Jfraft" — ein gesegnetes Wirken. — Es wäre mehr als Menschliches verlangt, wollte man ihm zumuthen, auf die äußere Anerkennung seiner Wirksamkeit zu verzichten. — Sein Streben trügt jedoch den höchsten Lohn in sich. Wir wollen das Leben eines Mannes, dem ein so schwieriger Beruf geworden, hierdurch nicht „verjenseitigen." Das Judenthum, wie wir es auffaffen, widerstrebt dem blaffen Ausdrucke: „sein Lohn ist nicht von dieser ffielt.'' Die Erde ist der Schauplatz des menschlichen Wirkens. Ist dieses Wirken ein göttliches, so ist es ein solches, dessen Folgen heilbringend auch hier schon wirken müssen, an dessen Früchten wir uns also auch hier schon erfreuen können. So gewiß es nun ist, daß der Beruf des Lehrers zur Taglohnarbeit heruntersinkt, wenn er nach Gulden und Thalern bemeffen wird; so wenig die ihn Bezahlenden je sagen können: wir haben ihm ein volles Aequivalent gegeben für das, was er uns leistet, was seine Arbeit unfent Kindern werth ist; so wenig Erziehung und Unterricht mit Geld bezahlt oder ausgewogen werden mag; so gewiß ist es auch, daß der höchste irdische Lohn deS Lehrers die Freude ist über das Gedeihen des Guten und Heiligen unter seiner Hand, die lebendig keimende, hoffnungsvoll blühende Saat; die Erfolge, die er erzielt in der Verbreitung des Wahren, Guten und Schönen. Aber auch der wesentlichste Theil dieses Lohnes liegt außerhalb der Mauern seines Schulhauses. Die Früchte aus seiner Saat werden erst dann erkannt, wenn oft schon der Gärtner vergessen, ja heimgegangen ist. Die Früchte reifen erst auf dem Markte des Lebens- Wohl wahr, auch das darf den berufstreuen Lehrer nicht kleinmüthig machen. Doch müffen wir ihm den naheliegenden Wunsch zugestehen, seinen Einfluß auf die, welchen er den bessern Theil seines Selbst, sein ganzes geistiges Leben widmet, derart auszudehnen, daß er die ausgestreute Saat vor den bösen Gewalten des Lebens, die sie. bevor sie die gehofften Früchte getragen, verwüsten könnten, zu schützen und zu wahren sucht. Es wird sein heiligstes Bestreben sein, seinen Wirkungskreis derart auszudehnen, daß das in der Schule Ausgesäete, soviel als eben möglich, gepflegt werde, um der Ernte nicht verlustig zu werden; damit der Erfolg ein Lohn sei seinem Wirken. Die Synagoge hat diesen Beruf, das Edle und Gute, das in der Schule ausgesüt worden, zu pflegen — die gedeihliche Entwicklung desselben zu fördern, und zur Ernte vorzubereiten. — Es ist hier der L>rt nicht, die Nothwendigkeit der Predigt näher darzuthun und zu erweisen, daß die jetzige (herkömmliche) Gestaltung des Gottesdienstes zum Theil noch ihren Ursprung aus dem Lchrhause beurkundet, und daß die ersten Gotteshäuser zugleich Lehrhäuser waren, — daß sie (die Predigt) also unbedingt als inkegrirender Bestandtbeil des isr. Gottesdienstes betrachtet werden müsse. Das uw, 12^ bleibt eine Pflicht des Israeliten fürs ganze Leben. Und es ist jetzt eine beinahe von allen Par- ' teien und Gliedern des Iudenthums anerkannte Thatsache: „daß die Ausbreitung der Predigt auf alle jüdischen Gotteshäuser eine Hauptaufgabe des Iudenthums ist und bleibt; ein Hauptmittel, ja das vorzüglichste derselben, zur Veredlung des Gottesdienstes sowohl als auch zur Regenerirung und Consolidirung jüdischer Lehre und jüdischen religiös- > sittlichen Lebens.*) Es ist daher unserm Thema die Begründung ganz nahe gelegt. Ist die Predigt ein integrirender Theil des Gottesdienstes, scll sie eine Fortsetzung und Erweiterung des religiösen Unterrichts und der religiösen Erziehung sein, und sind in vielen — ja bei Weitem dem größten Theil der isr. Religionsgemeinden die Lehrer die einzigen hierzu Befähigten, die einzigen Beamten, die die Gemeinde zu besolden vermag, so sind sie auch die von Gott Berufenen, und es liegt ihnen ob, — damit das Wort Gottes gehört werde in jeder Synagoge — sich auch des shuagogellen Lehramts — der Predigt — zu befleißigen, soweit ihre Kräfte ausreichen, indem damit zugleich dem Wunsche, ihre Aussaat zu schützen, die beste Befriedigung zu Theil werdm kann. Es bieten sich zur Begründung unserer Behauptung Wir haben absichtlich hier dt« bklebrinde S«ite der Predigt hervorgcboben, weil wir insbesondere sür Lehrer schreiben, und nach pädagogischen Principten, dab belebrende Moment je'nach Ort, Zeit und Umstände« das erbauende, tröstende ic in fidr fassen muß, wir in der Schule jeder Unterikbt «rziebljch wirk » und auf das gksammt« seelische Leben von selbst influiren soll, wenn er ein wahrer Unterricht ist. Jede Predigt aber, auch wenn sie vorwiegend erbaulich fein soll, muß belehren und von der Belehrung ausgehen.