Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 4 (1864)
- Issue
- 10 (10.3.1864)
- Date
- 1864-03-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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55:*fi,f>id;l?<v 'mrr. . Merteljährlicher Abvn-' nnnentspreis j Tk-Ir. > 27 ft. Bei frankjrter Zusendung unter Kreuzband jabrliib 2 fi. 12 kr. Bestellungen ncbmen alle Postämter und Butbhondlungen an. Der IsmEüselle IeKrer. Unzeigen -u 1 Sgr. die Pctitzeile. t^iniendunzen entweder direkt au den verantwortlichen Redakteur oder an die Brrlagsh'cnklung: Organ für die Schule, die Familie und das Genreindeleben des Herausgegcben von I. Klingenstein, Ignaz Lehnrann und A.'Treu. Iudentbums. 1Eß. ■- Alainz, den lo. Marz 1864. (Vierter Jahrgang.) Neligionsgeschickte. (Fortsetzung.) I. Warum sollen wir in unfern schulen „nach- ,biblische Religions-Geschichte unterrichten? Wir haben unsere Gründe hiefür theilwerse schon in der Einleitung angedeutet. Wir fahren mit der Entmick lung derselben hier fort. Der Lehrer soll nicht allein unterrichten, — er soll auch wissen, warum er das, und nichts ander, s, so, und nicht andeiit unterrichtet. Er soll denken, prüfen, forschen. Prilfung unserer Gründe wird zur Prüfung des von uns angedeutetcn Lehrganges führen. i) Der Unterricht in der Schule soll konform sein dem Leben. Die Religion in gestaltendes Princip des geistigen Lebens. Das Judenthuni ist eine Einheit, ist Verkörperung des Einheitsgedankens. Alles Leben, jede Entwicklung im Leben, in Kunst und Wissenschaft leitet au» dieselbe Grundidee hin. Darum erkennen wir als das Endziel aller menschlichen Entwicklung und Cultur die Erkenntniß Gottes, das Wachsen des Reiches Gottes auf Erden. Wie die niedergeschriebene Offenbarung, obwohl das Werk nicht eines Moments, doch gleichsam die Geschichte ist der Entwicklung und sichtbaren Gestaltung eines erhabenen Moments^ auf dem Sinai, so sind Leben und Streben, Geschicke und Prüfungen, entstehende und vergehende Gestaltungen mit einem Worte: die Geschichte des Judenthums eine fortgesetzte Offenbarung. Run läßt sich aber nicht, leugnen, daß in der Geschichte des Judenthums ein Werden und Wachsen, ein Umgestalten der Fornl bei steter Wahrung des Kernes, ein stetes Fortschreiten bemerkbar wird, das zum Höchsten führen muß. So ist die Religion des Judenthums einmal ein Gegebenes, dann aber auch wieder ein geschichtlich Gewordenes, das aus dem Gegebenen fort" und fort sich entfaltete. In allen den Ereignissen, die eine Umgestaltung in den Fornien des religiösen Lebens herbeiführten, spricht sich der Wille Gottes aus. — So wenig wir darum eine Religion des Judenthunis, ein Verständniß derselben für möglich halten ohne Kenntniß und An erkenn tniß der Grundlage, welche im Ostenbarungsworte enthalten ist, ebensowenig halten wir es für möglich, das gegenwärtige Judenthum zu begreifen, und Antheil zu nehmen an der lebendigen Bewegung der Gegenwart ohne Kenntniß des Weges, den die Religion in ihrer Entwicklung bis heute eingehalten hat. Erst, indem mir die volle Berechtigung alles dessen anerkennen, was unsere Vät^r zur Erhaltung, Festigung und Entwicklung des Judenthums gethan haben, treten mir das ganze Erbe unserer Väter an. Ist die Thora auch die ewige Grundlage des Judenthunis, so kann doch nicht geleugnet werden, daß das zwingende Leben stets Umgestaltungen veranlaßte, die zwar nicht das Wesen, aber doch die Form, selbst der Gebote der Thora berührten. Eine Berechtigung für diele nicht lengbare Umgestaltungen gibt uns die Geschichte derselben. Wir finden in derselben den unablösbaren Zusammenhang der Gegenwart mit der Vergangenheit, und, so berechtigt, so bedeutungsvoll auch die Form ist als die Gestaltung des religiösen Gebens, — denn die Religion ist nicht für Engel, sondern für Menschen gegeben, und die Menschen lebend d. h. sie sind eingeschlossen in die Körperwelt. — so erkennen wir doch, daß nach dem göttlichen Willen selbst, nur die Ideen, nicht aber die Erscheinungsformen der Religion sich^ den nothwendig um gestaltenden Einflüssen des Lebens entziehen können, daß aber diese Umgestaltungen, den ewigen Gevankeninhalt immer klarer und lauterer harstel len, ein Hervor heben desselben zum Endzwecke nothwcndig haben müssen. Diese Erkenntnis;, die G e s ch i di t c der Entwicklung der religiösen Idee und die Geschichte der Umgestaltung,^des religiösen , Lebens in der Form ist mit ein Theil uiMes religiösen Bewußtseins, und wenn mir behaupten: ksine Religion ohne Erkenntniß und Verständniß und keinVer ständiliß derselben ohne Kdnntniß ihrer Ge schichte, so gehört die Religionsgeschichte mit zum Religionsunterrichte.,— Wir verlangen den Unterricht in der Religionsgeschick'te in der jüd. Schule jedoch auch 2) aus denselben Gründen, welche den Unter richt in der Geschichte überhaupt für die Volksschule gebieten. Hier aber diese Gründe eines Weiteren auszuführen, würde unsere Aufgabe ungebührlich ausdehnen, wir verweisen in dieser Beziehung aus die diesbezüglichen Schriften in der Volksschulliteratur. Die Geschichte ist die Lehrerin der Menschheit. Wohl gibt es auch Ansichten, die diesem Grundsätze widersprechen *) allein sie Men zu vereinzelt, sind zu paradox, als daß mir ihrer hier *) ge z. L. Hegel: AuL der beschichte kann man lernen, daß '.'»jemand etwas aus derselben gelernt hat.