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Der israelitische Lehrer · 1864-03-03 · 9 (3.3.1864) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
9 (3.3.1864)
Date
1864-03-03
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Wöchentlich t Nummer. Vierteljährlicher Abonr nementspreis j Tblr. 27 kr. Bei sranktrter Zusendung unter Sreuzband jährlich 2 fl. 12 kr. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Der IsrMlilisclw I einer. Anzeigen zu 1 Sgr. die Petitzeile. Siniend mgcn entweder direkt ai den verantwortlichen Redakteur oder an die Derliigshandlung. Organ für die Schule, die Familie und das Gemeindeleben des Iud^nthums. . - Herausgegeben I von I. Klingenstein, Ignaz Lehmann und A. Treu. (Vierter «Jahrgang.) N0. O. Mainz, beir 3. März 1864. Religionsgeschichte. > „Die Geschichte ist ein überaus großartiger Organismus, eine organische Lebensentwicklung." Die Geschichte des Judenthums ist das überwältigende Zeugniß des göttlichen Waltens; sie ist die Geschichte der Offenbarung einerseits, dann aber auch selbst eine erhabene göttliche Offenbarung, die Quelle tiefster und heiligster Empfindungen, reich an Lehren, unerschöpflich an Gedanken. Es sind noch nicht viele Jahre her, seitdem überhaupt die Rede davon geworden ist, die isr. Religionsgeschichtc zum Gegenstände des Unterrichts in der jüdischen Bolks- und Religionsschnle zu machen. Wohl ist von Anfang her, seitdem das Chederwesen ein seliges Ende genommen hat — hat es wirklich ein Ende, oder spucken vielleicht die Chedarim unter allerlei Gestalten und Formen hier und da .und allerwärts? Gibt es nicht heute noch Bachurim und Melamdim unter uns, wenn auch unter Lehrernamen? — Sagen wir also: seitdem dem Chederwesen im Allgemeinen der Abschied gegeben worden, ist der Unterricht in der „biblischen Geschichte" fast überall, Hand in Hand mit dem „Religionsbuch," dem „Katechismus der jüdischen Religion" ein Gegenstand geworden, dessen fleißige Handhabung — m. Gott, welche oft l — zu den Pflichten des Lehrers gehört. Aber seltsam l Mit dem Wiederaufbau des zweiten Tempels, mit Esra und Nehemia, schließt dieser Unterricht ab, und ein Schleier bedeckt dem Schüler die lange Epoche de: Entwicklung der gegenwärtigen Gestaltung des Judenthums. Er kann aus diesen! Unterricht wohl den Opserkultus im Tempel, die Weltanschauung der Patriarchen und Propheten, nicht aber die Entw cklung und Gestaltung unseres Gebet- Cultus, die religiöse Anschauung der Gegenwart kennen und begreifen lernen. Und — sonderbar I wir möchten den Geschichts-Unterricht, der niit dem Abschluß der Bibel ein Ende hat, fast unjüdisch nennen. Unsere Leser wollen darob nicht erschrecken; wir wollen keineswegs ein Anathema aussprechen, keine neue Sorte von Ketzern „biblische Geschichtsketzer" dem Glaubensgerichte unserer Fanatiker denunciren; allein wir möchten doch dem Werden dieses Unterrichtsgegenstands ein wenig ernster nachspüren. Der Protestantismus hat von jeher und bis hente noch das Hauptgewicht der gesammten religiösen Erziehung auf die Bibel gelegt. Ihm ist die Bibel sein Ein und Alles. Selbstverständlich! Vom Abschluß des neuen Testaments bis zu Luther ist ihm fast „ein leerer Raum," und mit^Luther fing die Entwicklung von vornen an der Bibel an, kehrte inan auf den Zustand der „Evangelisten" zurück, die Reformation war eigentlich nicht eine Fortentwicklung aus gegebnen Berhältnifien, sondern eine „Reinigung," eine „Rückkehr" zum Urzustand, soweit dies nach den gegebenen Verhältnissen, die im Gesammtfortschritt der Menschheit begründet waren, möglich war. Die Geschichte des Christenthun es und insbesondere die Geschichte der christl. Sekten, diel die Zustände der ersten Christen wieder erneuern wollten, ist ein Zeugniß für unsere Behauptung. I Run aber war in der ersten Periode dep Reformation des Judenthunis — wieder ein ketzerischer Ausdruck; diese S'S-.ip'EK 1 — mit dem Eintritte derselben in! die neue Zeit dem nachahmungssüchtigen Juden nichts gefährlicher als die protestantische Sitte. Der halbweltlich Gebildste, den neuen Ideen zugethane jüdische Geistliche und Lehrer wollte manches, nicht deshalb, weil es gut und förderlich, ür die zeitgemäße Gestaltung des Cultus und des Sch lllebens nothwendig, der ewigen Idee des Judenthums entsprechend war, sondern — machen wir unseren Frommen die \ Z'ugeständniß — oft auch gerade darum, weil es D’un rp i, weil es der christliche Geistliche und Schullehrer auch so machten. — Dieser Nachahmungssucht haben wir außer vielem Guten auch so manches Andere, das — entbehr! ich wäre, zu verdanken. Auch Ueberschätzung der Katechismen und des bibl. Geschichtsunterrichts in seine jetziger Gestaltung ist ursprünglich dem christlichen Unterrichte förmlich analog. Die Zeit der Nachahmung ist vorüber Wir stehen auf eigenen Füßen. Was nicht mit der ewigen Idee des Judenthums übereinstinnnt, muß fallen. Mangelhast lieber kommenes muß dieser Idee gemäß umgestalt st werden. Dies „auf eigenen Füßen stehen" wird wohl von unseren Freunden und Lesern nicht so aus gefaßt werden, als wollten wir neue Scheidewände aufrid)t<jn. Aber sollen wir deshalb ausgeben unser „köstliches Erbe," anders machen? Sollen! wir das Bessere, dar den ewigen Ideen Entsprechende im Judenthume Unterlasten, um den Gewohnheiten -des Christenthums näher zu dann, wenn es nur apf Kosten des edleren serem Heiligthume geschehen kann? ommen, selbst Kernes in un-

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