Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 4 (1864)
- Issue
- 6 (11.2.1864)
- Date
- 1864-02-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Wöchentlich 1 Nummer. Lierteljäbriger Abon- «ementsprets t Tblr. ---27 kr. Beiftsnkirter Zusendung unter Areuzband jährlich 2 fl. 12 kr. i Bestellungen ncbnien alle Postämter und Buchhandlungen an. Der IsrseRiLcKe Jeirrer. Anzeigen zu 1 Egr. dt« Pititzrile. Einsendungen entweder direkt an den verantwortlichen Redakteur oder an die BerlazShandlung. Organ für die Schule, die Familie und das Gemeindeleben des Iudenthums. j Herausgegeben von I. Klingeuftein, Ignaz Lehmann und A. Treu. N°. K. Mainz, den 11. Februar 1864. (Vierter Jahrgang.) Ideal und Aeitgeift. Von Lehrer Morgenstern in Gedern. (Fortsetzung.) Wir haben bereits gehört, daß dem Menschen bei Beabsichtigung eines edlen Zweckes ein Ideal von dem Guten vorschweben muß, das er für Andere gerne erreichen möchte, und daß bei Erreichnng dieses Zweckes seine Selbstsucht durchaus keine Stimme haben darf. Er hat also bei Realisirung seines Ideals wohl zu achten auf die Wahl der Mittel hiezu, damit Mittel und Zweck einander .ntiprechen, und der Grundsatz: „Der Zweck heiligt dar Mittel" nicht zur Geltung gelange. In dieser Absicht sind chm drei Führer beigegeben, welche, da sie in des Menschen geistigem Wirken thätig sein sollen, nothwendig auch in dessen geistigen Anlagen begründet sein, und sich nach der Qualität dieser Aula en richten müssen. Diese Führer sind: die Vernunft als Rathgeberin, die Willensfreiheit als Vollzieherin und das Gewissen als Richter. Wird i der Mensch bei Beabsichtigung eines edlen Zweckes von seiner Vernunft, auf deren Ausbildung aber durch gute Erziehung und Unterricht gewirkt worden sein muß, zu einer. Handlung, als Mittel um diesen Zweck zu erreichen, aufgefordcrt; übt er vermöge seiner, durch Uebung gestählten Willensfreiheit diese Handlung aus, dann ist das Mittel seinem beabsichtigten Zwecke entsprechend Hat er nun gar seinen Zweck erreicht, so wird Seligkeit in sein Herz einziehen, und er wird den Himmel in seiner Brust fühlen, sein Gewissen wird ihm zurufen: nxfr 1— Du kannst Dich emporheben l Wird aber der von dem Menschen beabsichtigte Zweck gegen seinen Willen, durch unvorhergesehenes, vpn ihm nicht abzuweisendcs Tazwischenkommen hindernder Umstände nicht erreicht, so findet er trotzdem seine Beruhigung in dem Gedanken, seine Pflicht gethan zu haben, und man kann dieses, wie Aboth 5, 17, mit *jT3 “Ofr bezeichnen. Der Mensch bedarf zur Erreichung seiner Zwecke der > Mittel. Die vorhin angeführten, ihm beigegebenen drei j Führer: Vernunft, Willensfreiheit und Gewiss, n helfen ihm bei Beabsichtigung eines edlen Zweckes solche Mittel wählen und anwenden, welche diesem Zwecke entsprechen, und diese Mittel sind alsdann moralrsche. lWird der beabsichtigte Zweck auch wirklich erreicht, so muß natürlich auch er ein moralischer sein. Dieser moralische Zweck kann aber auch wieder als moralisches Mittel sieb abstrahire hier ganz von den physischen (selbstsüchtigen) Mitteln und! Zweck, n, da ich zur Lösung der mir gestellten Aufgabe nur von Jenen reden kann und will, ohne indessen leugnen zu wollen, daß auch die moralischen Zwecke physische Mittel und die physischen Zwecke moralische Mittel werden können,) dienen, zur Erreichung eines andern moralischen Zweckes. So waxen Mittel Zwecke, und Zwecke werden zu Mitteln. Wer Beweise will, dem bietet sie die Geschichte reichlich; am deutlichsten aber liefert sie das eigene Leben. Diese unendliche Verkettung von Ursachen und Wirkungen bildet da« Menschengeschlecht mit semem Dichten und Trachten, mft seinem Thun und Treiben, den Zeitgeist, und strebt, freiwillig oder gezwungen, nach Realisirung des Ideals des vollkommensten Guten. i Ich gehe jetzt zu dem zweiten der Eingangs diese« Aufsatzes erwähnten Namen, zu Elohim über. Elohim ist der Plural von EI oha und mag identisch sein mft Elim, der Mehrzahl von El, welches Macht, Gewalt bedeutet.*) Die Macht, die Gewalt, ruft ein Werk in'S Dasein, ist mithin Mittel zu einem Zweck, Ursache einer Wirkung. Die bereits erwähnte unabsehbare Reihe von Mitteln und Zwecken, die unendliche Verkettung von Ursachen und Wirkungen, der Zeitgeist, ist folglich nicht- Anderes, als das Zusammenwirken vieler Mächte und Gewalten, — er ist Elohim. Jehova und Elohim, obgleich sie. als Benennung eines und desselben Wesens gebraucht werden, bezeichnen i dennoch unendlich verschiedene Begriffe. Jehovah bezeichnet das erhabenste Wesen, das vollkommenste Gute. Elohim ist ein viel untergeordneterer Begriff und bezeichnet die Gewalt, die Ursachen, die Mittel zur Realisirung des Ideals des vollkommensten *) Bergt. Herder: Dem Geist der ebräiscken Poesie, 1. Theil, 1. Abtheilung. 2. Gespräch, wo die Elohim für Genien der Schöpfung i gelten, wovon der eine dieses, der andere jenes Gescköpf, einen Baum, eine Pflanze, ein Thier ausgcbildck und mit seinen fltothwendigkeiten versehen habe Sonach wären die Elohim Naturgötter gewesen, an denen der Orient so reich ist. und MoseS Hab« dieses Wort nur deßhalb im Singular gebraucht, um der Bielgöllerei vorzubeugen.