Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 4 (1864)
- Issue
- 2 (14.1.1864)
- Date
- 1864-01-14
- Page
- Seite 6 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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6 wohl der begründete Fortschritt, die stetige Bewegung dem höchsten Ziele entgegen/— aber nie der Kampf, nie die Parteien, sondern sc 06p der Frieden! K. lieber dkamengebung in Zsrael. (Schluß.) Es ist eine alte Sitte in Israel, neben dem biblischen Namen- DP) auch eineu gewöhnlichen {bin dp) zu führen, der beim Aufrufen zur Thora, bei Segensprechungen (lipp '2) und Spendungen, bei Trauungen, Beichneidungen. Aussegnungen:c. anzuwenden, der Vielenaber in vorkommenden Fällen nicht mehr bekannt ist. Viele nehmen sich auch heraus, ihre Vornamen erst in späteren Jahren zu ändern und zu modernisiren,-wodurch zahlreiche Verwirrungen in Erbschafts-j und Familienangelegenheiten erstehen können. Bei uns iir Bayern., ist derlei spätere Nämenveränderung bei Strafe verboten, und nur durch specielle allerhöchste Erlaubnis zu erlangen? In großen Familien ein und desselben Ortes haben oft 3 bis. 4 Kinder ein und denselben Namen, weil sie z. B. einemund demselben Großvater nachheißen und auch einen und denselben Familiennamen tragen. Kann man Verwechslung bei den Knaben durch. Hinzufügung des väterlickim Vornamens-einigermaßen Vorbeugen, bei Mädchen geht dies wieder nicht an; und sie mit I und II zu klassificirm, dazu haben wir' kein Recht und würde sich dies im Leben auch wieder bald, verwischen. Die Beifügung des Ausdrucks njpcn-ijt im gewöhnlichen Leben nicht wohl ausführbar und macht sich bei Mädchennamen noch weniger. Zur Schlichtung dieser Wirren und ihrer gleichmäßigen Ordnung sollten deutsche Rabbiner und Lehrer zweierlei thun. Einmal sollten sie bemühet sein., ihren Parochianen und Schulkindern mehr Liebe zu biblischen Namen und Hochachtung vor denselben einzuflößen. Wollen wir sie auch nicht zu der Extremität der Engländers und Amerikaner ver anlassen. ganze Bibelstellen, wie ruaher schalal chasch bas d. i. Raube - bald - Eile - Beute (Jsaiaisi. 3.) oder: And »Samuel-hewed-Agagin Gilgal b. h. Und Samuel-hieb den-Aaag-ui Stücke-zu-Gilgal <1 Sam; 15,33) — ihren fimtkin als Vornamen beizulegen, dev Hinweis auf jene Rationen welche Bibelnamm mit Vorliebe führen, wird fruchten. und daß beispielweise der. Jdyllendichter Geßiier, Salomon und Leising mit dem Vornamen Ephraim hieß, wird auch nicht vergeblich erwähnt werden., Zum Zweiten wollen wir die Väter beim Einträgen ibr.'i mugedornm Kinder-in die Civilstandsregister, natürlich ohne allen Zwang, nur rathend und belehrend, weiter veranlassen, e,mn biblischen Namen (r~.p' cp), und einen beut scheu Namen Oncr) gleichzeitig eintragen zu lasien. Beide werder: im Leben unterzeichnet, der weltliche Name aber als gewöbnlicher Rufnamen gebraucht, wie ja die Christen in der Regel auch mehrere Vornamen haben, aber bei dem einen nur gerufen werden. .Haben wir doch eine Fülle herrlicher Namen in der Bibel, die theils auch in. der christlichen Welt brauchliai sind — ich Renne beispielsweiiejnur den Namen Ada,» - llieüs Königsgeichlechtern und überhaupt Männern angehoren. die uns mit Stolz-erfüllen müsien, theils aber auch Io >chon und wohl klingen^ daß sie vielen heidnischen vorzuziehen find I Wie oft wäre zu wünschen xin p iobp und wie viele Großthatm sind von solchen biblischen Heroen vollführt worden, die unsrer Zeit Sporn und Triebfedern werden können! pss ’,-p px. R. E. Mark. Correspottdeuz. Aus dem Waldeck'schen. Am vergangenen ‘t xsr rpp feierte die Religionsgemeinde Sachsenhausen im Waldeck'schen -die Einweihung einer heuen Synagoge. Die Gemeinde etwa 20 Familien stärkt wird von dem Vorstands Herrn Löwenstern und der Familie Liebmann im fortschrittlichen Sinne geleitet und ist von einem edlen und religiöse« Geiste beseelt und v ill Aufopferung für die religiösen Anstalten. Der nächs wohnende Rabbiner, Herr Dr. Adler in Kassel, mußte aus Gesundheitsrücksichten die Leitung der -'Feierlichkeit ablehnen, und so wurde Herr Dr. Leopold Stein aus Frankfurt berufen. Die Feier war eine erhebende. Herr Dr. Stein sprach zweimal in der überfüllten Synagoge und begeisterte die Anwesenden durch den Zauber seiner Rede. Alle Honorationm betheiligten sich auch bei dem sehr schönen Zuge, der die Feierlichkeit eröffnete. - Herr Df. Stein gründete seine Predigt auf dm pasiendm Vers-aus der Sidra: , D'Cpn ppp nn c.-»x np ex p m px j . In seiner Rede beanwortete er die 2 Fragen: 1) wo wohnt Gott, und 2) wo ist der Himmel? — Sind diese Fragen schon von einer überraschenden Sinnigkeit, so war .es noch mehr die Ausführung. Er sprach, wie Gott nicht wohne in dem Gotteshause, wenn wir cbm nur aus äußerlichen Gründen in dasselbe eintreteu, um dem Gottes- Hause gleichsam einen Besuch abzustatten; er geißelte hier die Unordnung m den alten Gotteshäusern die so sprichwörtlich geworden, daß die Juden sagen konnten, wo es recht unordentlich zuging: cvPX »np ex p n?;-x(Jst's nicht da wie in unserm Gotteshause? Gött wohnt auch nicht im Gotteshcuse, wenn wir da hineingehen, »m gewohnheitsmäßig eine Reihe von bestimmten Gebeten herzüsagen, die uns theilnahmslos lasien; Gott wohnt nur da, wo wir ihn in unserer Brust, in uns selbst finden; wenn wir ihn mit uns ins Gotteshaus bringen, so ist er da, wie er dann überall mit Uns ist, wo wir auch weilen. — Jin zweiten Theile seiner Rede beantwortete er dann die Frage: wo ist der Himmel?! Er wies nach, wie wir nicht , sagen 'ollen, daß wir dm Himmel in unserer eigenen Brust finden; das ist Selbstsucht; ebenso selbstsüchtig fast ist derjenige, der in einem anderen Menschen seinen Himmel findet. Er trägt da gleichsam sein eigenes Ich in das Fremde hinein, das nun das seinige wird; der Himmel ist nur in dem Herzen un>'rer Mitmen'chm; wenn wir ihn da suchen, werden wir ihn finden, und der Himmel droben wird auch dem zu Theil wcrdm, welcher ihn hienieden im Herzen seiner Mitmenschen findet Dies der Abriß der geist- und gemüthvollen Rede. Abends bat man Herrn Dr. Stein, a;is eine Stunde der Produktion der von Arolsen gekommenen sehr kunstfertigen Musik anzumiohnm Auf eine Ansprache des Herrn Lehrers- Bähr aus B-dl sprach hierauf Herr Dr. Stein insbesondere.