Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 49 (3.12.1863)
- Date
- 1863-12-03
- Page
- Seite 193 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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193 elcgenheiten nicht der Asche fort, Reorganisation Doch find mich die jüdischen Ang abgethan; vielmehr glimmen-sie unter und wir erwarten mit Sicherheit einle unseres ilieligionSschulwesens. Sie haben vor einigen Monde» die Nachricht von der Conferenz der Nassauer isr. Vorstände ebenfalls gebrächt; es sind da wohl allerhand Schäden zur Sprache gekommen, an welchen, unser Religionsschulwesen leidet; Manches davon ist auch in die Oeffentlichkeit gedrungen (durch die a. Z. d. I.); dürfen wir glauben, so sind diese Vorwürfe erst in den letzten Wochen an ihre Adresse gelangt. Wir wollen wohl weniger alles Andere berühren, aber gewiß ist cs Herrn 1)--. Hochstädter nicht gelungen, in seiner Entgegnung (in d. a. Z. d. I.) den Beweis zu führen, daß das von ihm geleitete Seminar seine Aufgabe erfüllt, und die von ihm ausgestellten Lehrer wirklich mit einer geeigneten Vor- und Ausbildung ins Amt treten. Tie Argumente, die er vordringt, sind nicht stichhaltig. Freilich ist es zweifellos, daß manche Jünglinge, wir möchten sagen trotzdem —, sich ein ziemliches Lchrerwiflen dort erworben; es mag auch Einer oder ■ der Andere im Auslande selbst Elementarlehrer geworden sein; aber sicherlich ist hieran nicht das Seminar des Hrn. Dr. H. Schuld'). Vor allem ist es durchaus unzulässig, einen Unterschied zwischen Religions- und Elementarlehrer zu machen und den Ersteren mit einem geringeren sogenannten profanen Wisien für seinen Beruf hinlänglich ausgerüstet zu glauben. Sie haben dies in den ersten Nummern dieses Jahrgangs d. Z. in den trefflichen Artikeln über Lehrerbildung überzeugend nachgewiesen. Wer das Edelste im Menschen entwickeln und zur vollen Blüthe bringen soll, wer berufen ist, das religiöse Gefühl zu erwecken, Religion zu lehren, der muß ein tüchtiges pädagogisches und methodisches Wissen haben, und ein solches läßt sich nur auf breiter Basis hunianen(?) Wiffens -) ruhend denken. Nun besuchen aber unsere Seminaristen die Realschule zu Ems, eine, so viel ich weiß, 4klassige Realschule, deren älteste Schüler 15 bis II! Jahre alt sein mögen, und die von Knaben besucht wird, die später entweder als Lehrlinge in eine Handlung, oder auch in eine Werkstätte tr ten — und mit sollchen jungen Leuten, die sogar, wennu'ie ins kaufmännische Fach übertreten, natürlich noch eine weitere wissenschaftliche Vorbildung sich erwerben müssen, sitzt der künftige Lehrer auf einer Schulbank, erhält er den gleichen Unterricht — und tritt aus dieser Schule alsbald ins Lehramt! Und das will der Herr Seminardirektor als eine völlig ausreichende Vorbildung zum Lehramte erklären? — jetzt noch erklären, während anderwärts noch neuerdings wiederholt ausgesprochen worden ist, daß vor dem Eintritt in's Seminar 1) Herr Dr. Hockstädtcr spricht auch von Rbeinbeffen. Uns ist gegenwärtig kein Lebrer aus Nassau bekannt, der in Rdeinheffen fungirte (Reo.) 2) Wir mindestens sind überzeugt. daß ebne Antbrcvologie, Physiologie und Psnckologie, «ine selbsttätig erfaßte und sich normal fortbild,nke pädagogische Erkenntniß sich nicht cufbauen kann. Unh wenn di« Ansichten neuerer Pädagogen darin übereinstimmeu, daß in größeren mebrklassigen^Anüaltkn nur der Oberlehrer den Religionsunterricht ertbeilen sollen f,rir irrecken von nichtjüdischen, dem Fortschritt zugeneigtcn Pädagogen (Stoy, Schmidt, Tbeodor Hosimann und 8.)] so will das bedeuten, daß zur Ertbeiluug eines sack- und zeitgrmäßen Religionsunterrichtes das höchste Maaß von pädagogischer Erkengtniß nötbig ist; wie verbälf.sich hierzu unser Rcligionsschulweken? sRed > der Bolksschulpräparant mindestens ein gleiches Wißen >t haben muß. Jedenfalls steht aber auch dies Wissen nich) in einem rechten Verhältniß zu einander und znr Lehrerbildung. Ich' will wihl den Unterricht in den. realen Fächern nicht unterschätze l; glaube aber, daß, wenn denn doch die Befähigung zum R üigionslehrer-Amte maßgebend sein soll, ein anderes Primip des Unterrichts obwalten, und theilweise inindestens i er Schwerpunkt mehr auf andere Fächer gelegt werden müßte, als — beim Unterrichte des Schreiner- und Schlosse lehrlings. Wie ist es aber mit den Fächern bestellt, welche in der Realschule nicht gelehrt werden? Wie mit dem Hebräischen und anderem religiösen Wissen überhaupt, wie mst Pädagogik und den anderen dem Pädagogen von Fach — und das ist doch jeder Lehrer — nöthigsten Wiffensfächern? Wie stehts überhaupt mit alledem, was nothwendig und naturgemäß in ein Seminar gehört und ohne welches eigentlich ein Seminar nicht gedacht werden kann? Ich kann Ihnen hieraus nur eine indirekte Antwort geben, die aber vollständig ausreichend sein dürfte.— Herr >r. Hochstädter ist nicht allein der Rabbiner eines großen Bezirks, einer der drei Rabbinen Raffaus, — er ist zugleich Religionslehrer und Vorbeter in dem als Kurort allerdings für diese Aemter viele Zeit in Anspruch nehmenden Rabbinatssitz Bad-Ems. Er hat aber auch als Religionslehrer noch 4 bis 5 (oder noch mehr) Filiale, — theilweije 1 bis 2 Stunden von Bad-Ems entienlt, — wöchentlich mehrmals zu begehen, und wöchentlich mehrmals Religionsunterricht dortselbst zu ertheilen. . Da nun Herr Dr, Hochstädter für alle die obengenannten Seminarfächer der einzige Lehrer ist, so crmeffen Sie selbst, was für dieselbe)! übrig bleibt. . ■ Hoffen wir, daß die Bestrebungen der Vorstände (an I deren Spitze der überaus thätige, und für wahres Juden- 1 thnin begeisterte Vorstand Herr Heymann aus Dietz steht —) gesegneten Erfolg haben, und bald ein tüchtiger Volkslehrer als Religionsllbrer füt jüdische Zöglinge an das Seminar LU Usingen kuiten werde. Die in vielen andern Beziehungen : sich mancher, trefflichen Anordnung" erfreuende Religions- , schule Nassaus würde dann bald eine andere Wendung erhalten, und vielleicht, wenn die geeigneten Lehrer vorhanden sind, bald die Zeit kommen, wo jüdische Lehrer auch an unsere Communalschulen benrfen werden. l i. Umschau.! — In die Annalen der isr. Geschichte der Gegenwart verdient i wiederholt der Name eines Mannes einge^ichnet zu werden,! der vor vielen Andern des Ruhmes und der Auszeichnung, die! ihm zu Theil geworden, wohl werth ist. Herr Senator Bischoss-! heim zu-Brüssel, eine der ersten Finanzgrößen in ^den Nieder- 1 landen, längst von dem belgischen Könige mit dem Leopolds- Orden decorirt, wurde vor wenigen Wochen vom Könige der Niederlande und Großberzoq von Luremburg zum Kommandeur des Ordens der eichenen Krone ernannt. Herr Bischossheim bat sich nämlich um die Gründung der Luremburgischen Eisenbahnen und um noch anderweitige, das Wohl des Landes för- 1) Rack dem neuen Polksschulgesetz in Sotba soll der Präpar-av io viel wiiten. als der Abiturient einer'seck sklasstgcn-Realswule. Red.