Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 47 (19.11.1863)
- Date
- 1863-11-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jährlich 52 Nummern. PrrtS deS Jahrgang« , Dhlr. -Ist. L5K. Bet franktrter Zusendung unter Kreuzband 2 fl. 12 kr. . Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Der sraeWselw IeKrer. »en zu 1 Sgr. ktitzeile. Aus» nabme in die Lehreroacanzenllfle2>^«gr. Einsendungen entweder direkt an den »erant» wörtlichen Redakteur oder an die VerlagShandlung. Organ für die Schule, die Familie und das Gemeindeleben des Iudenthums. ] Hefausgegeben von I. Klingendem, Ignaz Lehmann und A. Treu. N°. 41. Mainz, den 19. November 1863. (Dritter ^»Urxnnx.) Ueber Lehrerbildung. (Bergl. Nr. 1 ü. 4 b. I. d. Z.) Wir haben uns im Anfänge dieses Jahres über die Grundprincipien bei der Lehrerbildung ausgesprochen, und uns hierbei die Ausgabe gestellt, dazuthun: 1) Wohin muß sich die berufliche Borbildung der Lehrer (Elementarwie Religionslehrer) erstrecken? Jndeni wir jetzt an die Beantwortung dieser Frage gehen, die bei ihrer pr ncipicllcn und praktischen Bedeutung nur durch die Rücksicht auf die uns gebotenen geschätzten Arbeiten unserer Freunde und Korrespondenten zurückgehalten wurde, setzen wir voraus, daß unsere gesch. Leser sich des von uns damals Ausgesprochenen erinnern, die allgemeinen Grundsätze billigen, die mir dort aufgestellt haben und mit uns sich klar machen wollen über das, was heute von einem wissenschaftlich durchgebildeten und sich durchbildenden Lehrer erwartet werden niuß. Das kann und muß zugleich von bedeutsamer Rückwirkung auf das Leben der Schule selbst sein. Um übrigens eine klare Uebersicht über den Bildungsgang eines Lehrtrs zu haben, wollen auch wir die Jahre der Vorbereitung nach setzt gebräuchlichen und wohl praktisch anch richtigem Modus in Präparanden- und Seminaristenjahre eintheilen. Der Präparand. Der junge Mensch, der sich dem Lehramte widmen will, wird nach seinem Austritte aus der Schule einem theoretisch und praktisch tüchtigen Lehrer zur Vorbereitung für's Seminar übergeben. Wir setzen voraus,, daß nur körperlich und geistig wohl gebildete Knaben zur Präparandie zugelassen werden, Nur wer gesunde Kraft hat, kann Tüchtiges leisten; Schwäche des Körpers erzeugt wohl n i ch t i m m e r Schwäche des Geistes und Charakters, aber sie hindert im kräftigen Erfassen des Berufes, im kräftigen Erfüllen der Lebensaufgabe; sehr mangelhafte Sinneswerkzeuge, abstoßende und Eckel erzeugende Leibesfehler machen zum Lehrerberufe jedenfalls untüchttg. Der Präparand bleibt vom 13. bis zum 16. Jahre bei seinem Vorbereitungslehrer. — Das sind die Jahre, dem eigentlichen Lernen gewidmet, zum Aufnehmen durch das Gevächtniß, zur Entwicklung der Denkkraft,, zur bewußten Aufnahme behaltenswerthen realen Wissens ganz besonders geeignet. Tüch wird auch hier der künftige Beruf des Schülers-in so ferne ins Auge gefaßt, als der Präparand zuweilen bei seinem Lehrer in der Schule dem Unterricht beiwohnt. Unterrichten aber soll der Präparant noch nicht; nie, auch nicht im Beisein des Lehrers. (Warum? I) Es muß jedoch des Lehrers vorzügllches Augenmerk sein, bei dem Unterrichte des Präpatanden pädagogisch — methodisch — zu verfahren, um so in lebendiger Weise die Methode, den Unterrichtsgang, dem Präparanden vorzuführen. - Unterrricht erhält der Präparand: l. in den Religionswissenschaften. Sie sind für den israelittfchen Lehrer ») Hebräiich, d) ' systematische Religionslehre, c) Bibelkunde, d) Religions- I geschichte. a) Hebräisch. Wir haben absichtlich das Hebräische vorangcstellt, um schon hieran unsere, den unlängst in d. Blättern geäußerten Anschauungen entgegenstehende Ansicht auszusprechen. Wir leben mit vielen, ja mit weit aus der Mehrzahl unserer Religions- und Standesgenossen der festen Ueberzeugung: des Iudenthums innerstes Leben und Streben spricht sich in seinem Schriftthume aus, und dies kann nie anders begriffen und lebendig erfaßt werden als vermittelst der hebräischen Sprache.*) So wie überall der eigene Geist , der mit dem Charakter der Nation übereinstimmt, sich in der Sprache ausspricht, die das innerste Leben derselben bildet; so wie eben der Deutsche in der deutschen Sprache, der Franzose und der Engländer nur im Französischen und Englischen den passendsten, den in seinem Wesen begründeten Ausdruck seines Charakters exkennt, so wenig eine Uebersetzung des Don Carlos, des Göthe'schen Faust in französischer oder englischer Uebersetzung zu den französischen oder englischen Klassikern zählen; ebensowenig können wir den Geist, der in den jüdischen Religionsschriften des Alterthums weht, die •) Die Resormgemcinde in Berlin, deren Gottesdienst nicht i hebräisch ist, hat nichtsdestoweniger hehr. Unterricht in ihrer Re-" . ligion-fchule eingeführt.