Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 44 (29.10.1863)
- Date
- 1863-10-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jährlich 529hunmttn. Preis des Jahrgangs 1 Lhlr. — 1 fl. 4L ft. Bei frankittet Zusendung unter Kreuzband 2 «. 12 kr. Beftelluugeu nehmen alle Postämter und Buchhundlunge» an. Der üiAelitMlre Iekrer. Anzeigen m I €gr. die Peritzeile. Suf* nähme.>n die Lehreroacanzen liste2 > zS gt. Kinsenrungen «mweder direkt an den eerant» wörtlichen stkedakteur oder an die' Perlagrhandlunz. Organ für die Schule, die Familie und das Gemeindeleben des Iudentbums. Herausgegeben von I. Klingeuftein, Jgitaz Lehmann und 21. Treu. j\°. 44. Mainz, den 29. Oktober 1863. (Dritter Jahrgang.) Der Weg znr Schule und wieder zum Haufe, von i S Virmaün, Lehrer in Mutterstadt. Bon erheblicher Wichtigkeit für die Disciplin in einer schule ist der Weg dahin und wieder zurück. Die Schule ist nach un'erer aller Ansicht eine heilige Stätte, voll der man sage» kann: Ziehe deine Schuhe aus, denn der Ort, worauf Tu stehst, ist heiliges Erdreich; in ihren Räumen ist kein Tummelplatz für Tändeleien. Sie ist die Stätte, in welcher das Kind zum Höheren geführt werde» muß, und wo Leichtsinn, überhaupt das Niedere, nicht auskomiiien darf? Man kann wohl von einem Kinde nicht fordern, daß 'es den Ernst und die Würde des höheren Alters in sich trage; aber dazu gewöhnen kann man es wohl, daß es da ernst ist, wo das Heilige wohnet, und das ist in der Schule; der Gang dahin muß darum schon von der großen Bedeutung d»s Ortes, wohin es kommt, Zeugniß geben. Es gehört zwar zur Disciplin einer Schule, daß die Kinder zur bestimmten Stunde, also pünktlich in der Bildungsstätte erscheinen, aber das bedingt nicht, daß sie lange Zeit vor dem Anfänge des Unterrichts schon dg sind. Jeder gewtsstnhaste Lehrer wird schon einige Minuten vor der bestimmten Schulstunde an feinenr Wirkungsorte sich befinden, um seine Kinder im Schulzimmer zu erwarten, damit jeder Unfug verhütet werde. Wie oft kam nnr's aber schon vor, daß manche Schüler schon lange vorher gegenwärtig waren, und zwar nicht der Schule zu Lieb«, sondern des Spieles willen. Nicht als ob ich gegen das Spiel meiner Kinder wäre — im Gegentheile, ich zähle das Spiel zu den wichtigsten Förderungsmitteln leiblicher und geistiger Vollkommenheit. Aber Alles soll am rechte» Orte und zu rechter Zeit geschehen. Das Kind wird durch das Spiel — und dabei bleibt's bekanntlich nicht immer; es treten auch Ungezogenheiten dazwischen wenn es so un> mittelbar vor dem Unterrichte geschieht, zu lehr vom Unter: richte selbst abgelenkt., Deßhalb soll und muß die Schule vom Haus verlangen, daß die Kinder nicht zu früh von den EUern entlassen werden, daß die Eltern wißen, wann es Zeit ist, die Kinder fortzuschicken, damit sie auch nicht zu spät in den Unterricht kommen. Der Lehrer kann beides nicht dulden, sonst ist der Anfang des Unt«nichts 'chon getrübt und wird's noch niehr, wenn die Spätlinge, wie das gar oft geschieht durch Unwahrheit sich «itschuldigen wollen. Als ich an meine jetzige Stelle kam, hatte ich täglich damit zu schaffen, daß entweder die meisten Schüler zu früh oder zu spät zur Schule kamen. Waren die Kinder zu früh da, hatte ich von den Nachbarslenten oder von den Kindern selbst Klagen über vorgefallene Beleidigungen zu hören und zum guten Morgen mußte Strafe geboten werden. — Um genannten Uebelständen abzuhelsen, mußte ich alle Kräfte auwenden; aber ich hatte doch später leichtere Mühe, da ich durch die Wirksamkeit der meisten Eltern unterstützt wurde. Ebenso, fast von noch größerer Bedeutung, ist da Weg von der Schule nach Hause. Der Lehrer entläßt utio das. Haus empfängt. Hier reicht die Wirksamkeit des Lehrers, wenn er nicht besondere Anstalten trifft, oft nicht w.iter wie sein Blick. Am zweckmäßigsten ist es wohl, die Kinder ans ihrem Heimwege überwachen zu laßen. Natürlich, durch wen? — Es ist unpädagogisch, Schüler durch Schüler überwachen zu laßen; aber von zwei Uebeln muß maü immer das kleinste wählen. Hierdurch ist jedoch die Wirksamkeit des Hauses nicht ausgeschlossen; und wir fragen: Was hat das elterliche Haus nt diesem Falle zu thun? — Bekanntlich sind die Schüler, besonders am Schluffe" der Nachmittagsschule leicht dazu angethaik, ihrem Leicht sinne freien Laus zu laßen, sie bewegen sich lebendiger uud nruthiger und gar oft kommt es vor, daß noch im Ange- .. sichte des Lehrers kleinere und größere Neckereien und Unarten hervortreten. Ta wird nun auch, wenn sie aus den! Augen des Lehrers sind, ein Spielchen angestelll, wozu die j nüthigen Apparate schon vor der Schulzeit, an sicherem Orte j geborgen weiden. Die Bücher, werden weggelegt, oft ganz liegen gelaffen, und gehen verloren; die Eltern glauben,! das Kind müsse uachsitzen u. s. w. Bemerkt muß noch : werden, daß bk derlei Spielen Tausch und Handel, Gewinn und Verlust vorkommt, und Nachtheile für die Schule sind unvermeidlich. Ans Gesagtem wird nun leicht die Anwort zu finden sein aus obeiigestellte Frage. Tie Eltern müssen sehr strenge dm ans halten, daß ihre Kinder keine Spielsachen mit zur Schule nehmen und zur bestimnttcn Zeit zu Haute wieder eintt essen. Kommen Verspätungen hier unv da dessenunge achtet vor, welche aus verschiedenen Gründen ichon entstehet!