Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 43 (22.10.1863)
- Date
- 1863-10-22
- Page
- Seite 169 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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169 Druck von S. Freund's Wittwe und Comp. Im Selbstverläge des Verfassers. Diese Blätter sind zwar homiletischen Studien und Kritiken nichts gewidmet, aber der Verfasser ist durch seine Gesinnungen und Bestrebungen von jeher den Lehrern und ihrem Berufe nahe verwandt geworden, so daß eine Anzeige und Besprechung obiger Predigt hiernicht bloß gerechtfertigt, sondern angenehm erscheinen dürfte. Außer Rabbinen und Gemeinden haben gewiß vor Allen auch die Lehrer Interesse an den bekannten und auch im Vorwarte zu dieser Predigt berührten Vorgängen und Erlebnissen Stein's in seiner früheren (Frankfurters Gemeinde genommen. Sie nehmen somit jetzt auch wohl Interesse an der Veranlassung, welche Stein, zu dieser Predigt geboten wurde. Ja, es war nicht blos eine Freude für Stein, loudern für viele Andere noch mit ihm, daß von Prag aus, einer so großen und bedeutenden, an sinanziell wie geistig hervorragenden Männern so reichen Gemeinde Stein gesucht wurde; — ein Beweis, daßman dessen bedeutende Kraft zu schätzen weiß und gewiß auch dauernd zu verwerthcn bemüht gewesen ist. Breslau hatte bereits die größten Anstrengungen gemacht, Stein an Geigers Stelle zu gewinnen. Man war gleiche Opfer für ihn zu bringen bereit, wie sie Frankfurt für Geiger gebracht hat. Stein hat Breslau gegenüber entschieden abgelehnt. Es ließ sich ein Gleiches Prag gegenüber erwarten. Jetzt erfahren wir, daß nicht Stein vnn Frankfurt, sondern Stein von Danzig, uni den man bereits früher mit Anstrengung geworben, für die Mcisel-Synagoge in Prag gewonnen.ist. Was den Inhalt der vorliegenden Predigt anbetrifft j so läßt sich darauf das Wort des Dichters anwenden: „Wenn die Könige bauen, haben die Kärrner zu thun." Es liegt hier Material für viele Predigten gehäuft, es ist hier Metall zu großen Capitalien zusammengetragen. Stein ist sich seiner Krall und seines Werthes selbst bewußt. Er hat den Muth, selbst Lehren den Lehrerm zu geben (S. 22) i „Und da sollte ein Lehrer in Israel verzagen, was er lehren, wie er trösten, wodurch er begeistern solle? Erlasse allen Zwist und allen Hader bei Seite, — an das, was uns allen heilig ist, halte er sich u. s. m." Im Vorwort erzählt St. die Veranlassung zu dieser Predigt und , legt offenes Bekenntnis; von der Freude ab, die er daran) wie ail dem Begegnen mit so vielen großen Männern unter i den Juden Prag's hatte. Eine biographische Skizze über! den Gründer der Meisel Synagoge wird ebenfalls gegeben.! Charakteristisch au Stein's Predigten überhaupt, und'so auch hier, ist: Darlegung des Lehrbegriffs der Synagoge, wurzelnd in dem. monothelswchen Betenntniß und der werk thätigeu Liebe und gipfelnd in der Vereinigung der ganzen Menschheit zu diesem Bekenntnisse und zu solcher Liebe. So oft auch schon St. dieses Theyia besprochen hat, er thut es immermit neuer und gesteigerter Begeisterung feinet st-lbst und Andrer. Uud so hören wir auch vdn dieser Predigt, daß sie sich von dem nachhaltigsten Eindruck oegeleitet gewesen sein soll, wie je eine, selbst in der großen Prager Gemeinde, von welcher bei dieser Gelegenheit alles Große und Bedeutungsvolle, von Rapoport an in der Meisel- Synagoge versammelt war. Ein Offizier in Uniform, mit dem Tallis bekleidet, trug hinter Rapoport bei den feierlichen Umzügen eine Tora-Atolle. St. sprach Tert und Thema gemäß, von der „neuen Zeit," welche sich in poli tischer, wie religiöser Beziehung unverkennbar und unauf haltbar kund thue. Prinzipiell werde dies gewiß von Allen zugestanden, nur über, das Maaß der 'Neuerung könne man uneinig sein. Sogar der- Hirt könne möglicher Weise darin nicht gleicher Ansicht mit seiner Gemeinde sein, jedoch der Friede dürfe nie gebrochen werden. Die Uneinigkeit in den Ansichten solle nicht zum Streite im Leben rühren. Es wird dies Alles mehr in Bildern angedeutet, als principiell begründet und speciell ausgeführt. Im zweitem Theile bespricht St. den uralten Grund, auf dem die „neue Zeit" stehe. Es werden dafür sieben Grundsänlen des Judenthums angegeben: Einheit Gottes, NächstenliebeHeiligung des Lebens, Weihe des Hausi-s (Familienlebens); Heilighaltung der gottgeweihten Räume < Gotteshäuser) und Zeiten «Sabbat und Feste), Wissenschaft und Geschichte. Man wundert sich vielleicht, als Grundsäule des Judenthums nicht auch angeführt zu sehen, worin sich die „alte" Zeit besonders charakterisirt und so gern von der „neuen" unterscheiden rieht und hört: die Ceremonien.*) Die Ceremonien haben eine große Bedeutung im Iudentbum. sind nicht Kne alte y verfallene Mauer, sondern mit eine der Grundsäulm, die das Judenthuiu hat tragen helfen und, nach Abwertung, der verwitterten und zerbröckelten Steine und neuer Berpuvung, vielfach noch mittragen Helsen kann und muß. Wir halten den Verfasser für einver-standen mit uns und hätten, um vor Mißdeutungen gewahrt zu sein, wdzu eine gewisse Partei so leicht geneigt ist, gern gesehen, daß er auch diese Stütze des Judenthums aus uraltem Grunde mitberührt hätte. R. *) Sollten aber »ich! die Zeremonien alö «Erscheinungs-Formen für die einzelne» Wrunötäulen mitiiibegriffen iein? Wodurch kann' i beim eben die Weihe des Familienlebens, der Labbat und Fette, des Gotteshauses sich äußerlich darstellen, als durch die gottgeheiligten «Gebräuche, insofern sie würdig und weihevoll sind? Wir wisien,, der Labbath B. ist an und für sich ein nn3 nix, keine Zeremonie; aber wie wir ihn feiern, daS ist doch gewiß Zeremonie; und läßt sich eine Labbath- und FesteSieier. «Gottesdienst :c. :c. ohne Zeremonie ja gar nicht denken. Aber die Zeremonien als Grundiaiiken jelbst aufführen wahrend sie doch nur Lchmück und FürderungSmittel und der ui de» Z'runbfänlen ausgesprochenen Fdeen, dürste nicht rathfam sein. Unser hochgeschätzter Herr Zinjender würde mit seinem warmen Her;e» für die Zrdalliing alles deyen. was zur Kräftigung des IudenthuiuS unbeschadet Ser räulerung desselben geschehen kanli, Denjenigen, welche eben nur die Form heiligen und verewigen wollen, den Männern des Streites nU die Zr baltung alles Uebcrfomntenen doch nicht'g.nügen. weil diesen eben schon die. Ansstellung von „z'niiiCijäiilen" kelzerischer 'Bäuel ist, da ihnen alles „W r u n 0 j ä u l e" ist, von dem Latze an: -“Jl roPn und VON den AutnöpsungSregel» beim Anziehen der Lchuhe j bis zu dem Hüpfen und Augeinudriieken bei vnp u. ~nx, bis zum Schütteln beim ziebek. Und das ist conseguenl. obwohl die Zoniequenz nicht immer die Lache der Foringläubigen ist. — Wir wollten hier jedoch nur daö hervorheben, daß. wie wir hier, so gewiß auch Herr l>r. Ltein nicht im Entferntesten die Wichtigkeit der Zeremonien leugnen wollte, indem wir sie als „Zrjchemnngs- und tzebensjormen" den dort übrigens ,wie bei dem edlen Dichteritedner fast immer) gewisjermasfen m poetischer Verklärung also auch ohne Anspruch aus ttrcnge Aiis- und Abfchließung au>- eiühtten ««rnndsäulen unterordnen. Fneinem Wissenschaft ichen Werke gestaltet sich ireilich die Lache anders. >iet. v (