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Der israelitische Lehrer · 1863-09-10 · 37 (10.9.1863) · p. Seite 145

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
37 (10.9.1863)
Date
1863-09-10
Page
Seite 145 (sequence 7)
Language
German
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145 (l>. 16also Einer ist, der das Judenthum kennen muß. Dazu kommt, daß Baruch selbst (p. 8) sagt: „Ich bin ein Jude, so wie ihr, doch Rache, nur Rache will ich haben, d. h. also doch wohl nichts anderes als: obgleich ich ein Jude bin, so will ich dennoch Räche haben. (? R.) Allein noch mehr als Vorstehendes wird mich selbst in den Augen des Herrn R. der Hinweis rechtfertigen, daß ich in Baruch überhaupt alle jene repräsentirt wissen wollte, die laut p. 10 von den Römern nicht sowohl in ihren jüdischen, als vielmehr in ihren rein menschlichen Interessen bis aufs Tiefste verwundet wordenwaren, die also nicht als Juden an dem Römer das Vaterland und dessen Freiheit (p . 8: „Was schwatzt ihr da von Freiheit"), sondern nur als die Partei, der Unterdrückten ihre Angehörigen (p. 10), ihre eigene Freiheit (p. 12), ihr ganzes Lebensglück zu rächen gedachten.' Ten weiteren Worten der Kritik: „selbst die Geldgier ist nicht versäumt worden, dem Judenthum aufzubürden (richtiger: aufgebürdet zu werden). Wir sagen ausdrücklich: „dem Judenthum" und nicht blos den Juden. Denn der Dichter wählt als Repräsentanten dieser Geldgier einen Rabbi der alten Zeit". — Diesen Worten gegenüber könnte ich mich sehr leicht vertheidigen, wollte ich mich nicht eigener, sondern fremder Schutzwaffen bedienen und zu diesem Zwecke die Stelle einer Besprechung des Stückes anführen, in welcher einer der allgemein geachtetsten und hervorragendsten jüd. Schriftsteller der Gegenwart mir vorwirftdaß ich jenen Rabbi unter einem falschen Namen habe auftreten lassen. „Sie haben einen jüdischen Epicuräer," sagte er, „so wahr geschildert, daß darunter der ehemalige Genosse Akiba's, der berüchtigte Elisa b. Abuja-Acher nicht zu verkennen ist; welche Worte doch wenigstens bezeugen, daß der Charakter des Jo nathan, was man auch sonst gegen ihn sagen möge, der psychologischen Wahrheit njcht entbehre, daß also auch die von Akiba. dem ächten Juden, auf das Entschiedenste (p. 185 u. 137) verworfene Geldliebe in einem solchen Charakter nicht eine etwa nur christlichem Vorurtheil entspringende Fiktion sei. Jedoch abgesehen davün wird selbst Herr R. sein Urtheil vielleicht mildern, wenn ich daran erinnere, daß ja schon nach den p. 37 u. 38 angeführten Worten des Jonathan in diesem nur Einer geschildert wird, der längst aufgehört hat Jude zu sein, und daß er betreffs seinern äußeni Stellung (p. 77) ausdrücklich erklärt, er sei nicht mehr der Berufsgenosse des Akiba, habe das Amt eines Lehrers aufgegeben. — Jonathan sollte jenen rohen Materialismus (p. 37, Z'8) vertreten, wie er wohl vornehmlich durch griechische Philosophie (daher der griechische Arzt Zelos p. 37) sowohl bei Römern als auch bei einem Theil der Juden Eingang gefunden hatte (und leider bei Juden und Chnsten noch heut zu Tage sich wieder so br^it zu machen sucht I) — das blafirte Sichhinwegsetzen über alles menschlich (p. 43, Z. 16) und göttlich (p. 77, Z. 4, p. 138, Z. 9 ff. u. a. a. O.) Erhabene, — jenes wahrhafte Philisterthum, das nur noch in träger, seine Vergnügungen nicht störender Ruhe (p. 36, Z. 1 ff.), in dem Geldsack (p. 130 ff.) und überhaupt in der Sinnlichkeit (p. 135, 12 ff.) das wahre Glück findet. Der stolzen Todesverachtung gegenüber, von der die Hauptpersonen des Stückes erfüllt sind, kennzeichnet ihn eine lächerliche Aengstlichkeit um sein jammervolles Leben (p. 142), das doch schon längst aufgehört hat, Leben zu sein. Daß auf die Ausdrücke „braunes Judenweib" und „ihr bärt'gen Juden", die absichtlich einem sehr oberflächlichen Menschen, dem Vertreter des bereits gesunkenen Römerthums zugetheilt sind, auch nur einiges Gewicht gelegt ist, hätte ich - wahrhaftig niemals befürchten zu müssen geglaubt, da ssch ja diese Worte in einer Scene finden, die verschiedene weil aus dem Munde eines Feindes, nehmlich des Vertreters des edeln Römerthums stammende, eben deßhalb um io schwerer wie- - gende Lobsprüche aus die damalige jüdische Nationalität enthält und dieselbe vor allem gegen den so oft gehörten und von einem Juden selbst, dem Josephus, zuerst erhobenen Vorwurf der Hartnäckigkeit in Schutz nimmt. Gegen die nun folgenden Angriffe der Kritik vertheidige ich mich nicht- Wer trotz des 2. Auftr. im 2. Aufz. und verschiedenen andern Stellen den Kampf Bar Kochbas aller patriotischen und religiösen Begeisterung für ledig erklärt, wer das Urtheil des Helden gegen sein Weib und seinen Schwiegervater nach dem innigen Schmerze, den der ssch selbst überwindende Bar Kochba darüber empfindet (p. 98, 99) und nach den Worten des Akiba (p. 145): „Wer so wie er sein Weib von sich gestoßen, l Den will auch Adonai nicht mehr schirmen!" als eine beabsichtigte Brandmarkung des Judenthums bezeichnet, wer ferner in dem edeln Bündniß zwischen Samaritanern und Juden eine gesuchte Verkleinerung und (wirklich ganz unbegreiflicher Wesse!) eine Hebung des Christenthums (??!) erblicken kann, wer ferner alle diese Angriffe auch mir ohne den Versuch eines Beweises auseinanderhäust, dem gegenüber würde jede Auseinandersetzung vergeblich sein, — gegen den fühle ich mich jedoch auch der Mühe enthoben, mich wegen der angeblich „erotischen" Auffassung des christlichen Drejbegriffcs: Glaube, Liebe, Hoffnung zu recht-; fertigen. Wohl aber glaube ich dem Publikum die aufrich- ' tige Erklärung schuldig zu sein, daß ich mit all den Wor- 1 ten, welche die erwähnten Gegenstände betreffen, nicht im- . Mindesten einen andern Sinn habe verbinden wollen, als der eben nach ihrem eiusachen, .von dem allgemeinen Ge- ■ brauche sestgestellten Begriffe mit hnen verbunden werden ■ muß, daß mir also nichts ferner lag, als durch dieselben das Judenthum herabzusetzen. Wenn endlich Herr R. den Schluß:; „Dich, Israel, denn ob du auch gefallen, : Aus deinem Fall erblüht der Menschheit Segen!" dunkel gehalten findet, so muß.dieß um so mehr beftemden, da diese Worte, weil von einem Christen (Johanan) im Anklang an Rom. 11, 12 gesprochen, doch eben nur christlich aufgefaßt werden können und also den Grund enthalten, warum jeder wahre Christ zugleich auch ein wahrer und aufrichtiger Verehrer des ächten in den Schriften des A. B. I offenbarten Judenthums sein muß, auf dessen Grunde er sein Liebstes und Bestes, sein Christcnthuin, aufgebaut sieht. *) Leipzig, den 20 Aug. 1863. Paul Möbius. *) Indem wir hierdurch unserer RedaktionSpfücht in Bezug auf das vorliegende Buch in ausgedehntester Weise genügen, halten wir im Einverständniß mit dem geehrten Rcccnscntcn Herrn R. eine Erwiderung nickt für nötbig Daß das Buch von christlichem Standpunkte ausgeschrieben und beutthcilt werden muß, was nur Herr R. fand, ist ja zugestandcn. (D. Red.)

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