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Der israelitische Lehrer · 1863-09-03 · 36 (3.9.1863) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
36 (3.9.1863)
Date
1863-09-03
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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I ILHrliib ö292uaim(tn. P«tS des Jakrganqs 1 Lhlr. — Ift. 15 kr. Bei frankkrter Zusen» d»ng unter Kreuzband 2 fl. 12 kr. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Der siMÜtisOe Ledrer. eigen zu 1 Lgr. die Petitzeile. Auf. nabme in die LehreroaoanjenlisteLUzSgr. Einsendungen entweder direkt an den verant»- wörtlichen Redakteur »der an die Verlagohandlunz. L>rgan für die Schule, die Familie und das Gemein^eleben des Zudenrlmms. Herausgegeben > von I. Klingenftein, Jgna; Lehmann und A. Te^u. N°. S« Mainz, den 3. September 1863. (Dritter ^Llrrxs.nA.) Erziehungsanstalt und Familie in besonderem .Hinblick auf die Samsonsschule zu Wolscubüttcl. Trotz der ausgedehnten Thätigkeit, welche die letzten Jahrzehnde auf dem Gebiete der jüdischen Literatur entwickelt haben, fehlt uns eine Geschichte der jüdischen Pädagogik, die sich nickt bloß mit den äußern Resormerscheinungen begnügt, sondern soweit möglich die Jugenderziehung in deren inncrm Gange irsorscht Bei dem lmpffndlichcn Mangel älterer Aktenstücke ein schwieriges llnternehmkn! Um so wichtiger sind Heine Bausteine, wie sie in der Geschichte solcher Institute gebeten werden, deren Ursprung und Entwickelung! sich an die allgemeine Kulturgeschichte der Juden anschließt. An die Bedeutung der Samsonsschule gerade in dieser Beziehung habe ich bereits vor 19 Jahren hingewiesen; und ist dieselbe, wie ich hoffe, ihrem Eharacter treu geblieben, so wird sie in ihrer steten Fortentwickelung ein nicht zu übersetz, ndes Bild der jüdi'chen Pädagogik sein müffen, und es rechtfertigt sch, wenn ich zu Zeiten vor der Oeffcntlichkeit über deren Wirksamkeit im Allgemeinen Rechenschaft ablege, oder — wie heute.— eine Seite, das Ver hältniß zur Familie, besonders ins Auge faffe. Wersen wir zuerst noch einen Rückblick aus die Quelle unserer Stiftung, so beruhet deren Gründung auf einem Testamente Philipp Samson's, welcher, obgleich in der allerstrengsten einseitigen Orthodoxie befangen, doch im I. 1786 nach »einen eigenen Dorten „eine Erziehungs und Perpflegungsanstalt für arme Waisenkinder jüdischer Nation" stiftete und darin, unter seiner und seines Bruders des Landrabbiners .v e r tz S a uns o n's Aussicht, nicht blos das übliche Thalmudstudium treiben ließ, sondern auch (man erinnere sich der damalige« Anschauungsweise) eine« christlichen Lehrer zum Unterrichte im Rechnen und Schreiben anstellte. Diese vielleicht erste jüdische Erziehungsanstalt in Deutschland, heroorgegangen allerdings mehr aus dem altjüdischen Sinne für Wohlthätigkeit und religiöse Frömmigkeit, als aus dem Streben nach Menschenbildung oder aus dem Lichte der Mendelssohnschen Zeit, *) konnte sich •) Diese blieb bi« zum Tode de« Stifter« (1802) entschieden ohne Einfluß auf die «nstalt. doch, wie wir sehen, einer gewiffen Rücksicht auf die Zeitforderung nicht entziehen und offenbarte unzweifelhaft jene locale Zeitfärbung, toicf keiner Erziehungsanstalt fehlen wird. Tenn die Erziehungsanstalt entspringt nicht, wie die Schule überhaupt, einer auf sich selbst beruhenden sittlichen Quelle, sondern einem vracmchcu Bidursmsse. Sie ist nur Stell Vertreterin der Familie, kann sich daher denl Strome be^ Lebens nie entziehen;! vielmehr wird sich ihr stets ein be stimmter durch die Zeitsitte, die Rationalität, die Religion und' andere Einflüffe bedingter Eharacter äufprägni. Ja. sie muß, wenn ricktig> geleitet, 'den sittlichiu und intellcc tucllen Bildungsstand der Zeitgenossen wie in einem Brenn punkte abspiegelu. Damit gewinnen wir auch das maß gebende llrthcil über de» zeitlichen Eharacter der Erziehungsanstalten. So lange die Familie selbst sich in abgeschlossen bürgerlicher Einfachheit! hielt und sich eins fühlte" mch dem frommen Glauben und >patriarchalische Zucht übte:!fehlte das eigentliche Wedürsuin der Erzi-Hungsaustalt, so weit sie nicht Aeich dep Waisenhäusern Wohlthätigteitszwecke ver folgte. Erst mit den philanthropischen Bestrebungens dann mit den gesteigerten Anforderungen des gcschästliäun. geselligen und politischen Leb(us an die Familie, und mit der erkennbarem Schwäche best Hauses gegenüber manchen verderblichen äußern Einwirkungen wäckst die Bedeutung und steigert sich die Zahl der Erziehungsanstalten. Fragen wir nun, ohne ive rer den hisiori'ckrei Gang zu verfolgen: Das führt 1 heute den Erziehungsanstalten die Zöglinge zu? — so hören nur, neben dem Mangel an Gelegenheit zu eigentlich religiöser Ausbildung, garmannigfache Gründe. Hier! sind pie Ellern durch häusliche und außerhüusliche Ge chäsre verhindert, sich den Kindern zu widmen', oder erkennen iure eigne aus mangelnder Bil düng und übergroßer Zärtlichkeit erwachsende Schwäche; dort wird die Erziehung durch Tanten oder Großmüttervereitelt. Hier wieder schwindet die einfache den Kindern . allein zuträgliche Lebensweise,i schu indet noch mehr das religiöse Leben vor den Ansprüchen t es geselligen Lupus; dort will man den Körper des Kindes rer verpesteten Luft einer großen Stadt entrücken, sein Herz und sein Ange vor deren Unsittlichkeit, deren Schein unm H uchelei bewahren. (Forts, folgt.)

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