Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 34 (20.8.1863)
- Date
- 1863-08-20
- Page
- Seite 134 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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134 ' j Nfbctrm, da diese Verzehrungssteuer an Israel iten — Gebrüder Weiß — verpachtet ist. Die Anflänfr dauerte» einige Abende fort und konnte unr durch MilitLrgewalt die Ruh« wieder hergestellt werde«. Brr«. Einen sehr wichtigen Beschluß faßte die Bundesversammlung in Entscheidung der aargauischen Judenfrage. Die Aargauisch« Judenfrage. hat ibre Schwierigkeiten, besonders wenn man sie mit juristischen Jnterpretationsspitzfindigkeiten behandelt. In der That aber besteht der Inhalt derselben doch nnr in der Hauptfrage, ob der Aargau. seinen Juden die politischen Rtcbte entliehen und dieselben als gemeindelose Dagabunden behandeln dürfe und ab der Bund dies geschehe« laffen muffe, .ohne ein Wort mitjpr chea zu können, mit andern Worten, ob ein Eonilict i« Sinn eines Eingrifsts-Les. Bundes in die EantonalsouverLnetät vorhanden sei. Wir glaubsu, diese Frage verneinen und den Entscheid der Bundesversammlung unterstützen zu dürfen. Die Eantonalsouveränetät besteht nichts darin. daß eia Eanton thun darf, was er will, und am wenigsten darin, dem Bund den Mund zuzumacken.' Der Bund hat aber daS Reckt, fick mit den Juden zu bcfafien, weil sie, wie Bundesrath Dubs überzeugend nachgewiesen, Eckweizerbürger und schweizerisch« Heimathlose find. Es fragt sich nun nur noch weiter, wie die Bundeosouveränetät und die aargauische Eaiitonalsouveränetät ihren widersprechenden Willen.in Einklang setzen können. Wir denken: am besten, indem man in Minne sich bespricht und zu überzeuzeu suckt. Der Bund hat in dieser Sprache fick vernehmen laffen und sein Entscheid cassirt das aargauische - Gesetz nicht; er ist also keine Verletzung, sondern ein Wort an die aargauische Dolksiouveränetät, übex welches die letztere sich wohl besinnen darf, ob sie danach ihren Willrn andern soll oder nicht. Wir wollen in dieser Beziehung das Beste hoffen, nämlich, daß ei« Eanton, der den Ideen der Neuzeit stets offen war, der Schwerz den Makel ersparen werde, in religiöser Toleranz hinter allen, aber auck allen wirklich gebildeten Böllern, katholischen wie protestantischen, zurückzustehen. (F I.) (Demnach hat die Geschickte mit dem Beschluß der Bundesversammlung'und des Nationalratbs immer noch nicht ihre definitive Erledigung gefunden. Red.) X— In Gaubkckelheim, Kanton.Wörrstadt in Rheinheffen, fand verg. nrru rzv die Einweihung einer Tborarolle in feierlicher Weise statt. Aus Veranlassung des katholischen Geistlichen, der am Sonntag vorher in der. Kirche darauf aufmerksam gemacht, waren die Häuser käst sammtlickev christlicher Einwobner mit Fahnen u. dgt. geschmückt'er selbst batte sein HäuL mit Teppichen behängt.. Es war wohltbuend, in nnserm durch bekannte Einflüsse leider nicht sehr toleranten Rbeinheffen, bei einer solchen Feier' die Genossen anderer Religionen fick, in stündlicher Weife bet heiliger zu sehen, und der Zug nach der Svnagoge mit den geschmückten Tborarolle« machte daher einen sebr guten Eindrucks Viele Christen hatten sich außerhalb der Synagoge an den, Fenstern, benachbarten Mauern, auf der Straße u. s. w. angesämmelt und harrten unter offner.! Himmtl bei glühender Sonnenhitze während des 81/2 Stunden dauernden Gottesdienstes rubig aus. Die sebr gelungene, der erbebenden Feier würdige Festrede des Rabbinen Herrn Dr. Rothschild machte auf alle Zubörer sichtlich einen tiefen Eindruck; sie verbreitete sich über das Tbema: Ein Vorzug unseres! Gott sdienstes ließt darin; daß er keine Heiligtbümer babe. Dieses Buck sei das alleinige Heilrgthum, daß'zur Abhaltung des jüdischen Gottesdienstes notbwendig sei. Aber, auch an ibm sei es nickt daS Pergament, sondern der Inhalt, weicher das Heiligtbum bilde. Unk dock fet dieses Buch nicht allein unsere Religionsgrundlage, sondern die Grundlage aller Religionen der gesittete« Welt. — Solch« Feierlichkeiten haben ohnstreitig einen guten Einfluß aus das Zusammenleben der Eonfrsfionen. sie find ein DmOTTf»! Ehre aber auch shlchrn katholischen Geistlichen und solchen humanen und toleranten christlichen Gemeinden. -O 111 .— Gedanken Ater einzelne Stelle» der heilige« Schrift von ( L Luchmann, Religionslehrer in dbdsborf. 2. lieber da« Urgeschlecht. Kap. 2. 15 —19. (Fortsetzung ) V. 20 — 23. 2. Da sprach Adam D^SiinNf st. Diesmal ist es Bein von meinen Beinen. Das Wort cyg bedeutet ein Schlagen, in Bezug auf daS Herz, ein Klopfen desselben, sowohl in freudiger, wie Richter 13.25, als in beunruhigender Beziehung, wie 1. M. 41. 6. Es scheint, daß durch die Vorführung der Thiere in ihren Geschlechtern bei Adam der Wunsch nach einem ihm ähnlichen blos geschlechtlich verschiedenen Geschöpfe rege ward. Dieser steigerte sich zum Verlangen, zur Sehnsucht und im Schlaf zum frohen Vorgefühl, zur beseligenden Ahnung, welche in ein freudiges Herzklopfen überging. Als nun beim Erwachen die ersehnte Gestalt ihm vorgesührt wurde, begriff er diese innere Unruhe und er rief begeistert aus: soth hapaam. Dies ist das Pochen (in meinem Inneren)! Dies Wesen, das vor seiner Erscheinung schon solchen Eindruck auf mich gemacht hat, muß nochwendig Bein rc. Auch Raschi bemerkt z. St. Adams Gemüth wurde abgekühlt, beruhigt durch das Bild der Eva. Kap. 3. 3. Als durch Beriühruug und innere Lust gereizt, das wohlgemeinte Verbot übertreten, der Sündenfall geschehen war, da galt es, das Paradies mit der rauhen Natur, die angenehme, zum beständigen Genuß einladende Beschäftigung mit Mühsal aller Art zu vertauschen, den Menschen an das Entbehren zu gewöhnen. Anhaltende Anstrengungen aber nützen die Kraft des Körpers und seiner Sinne ab 31, 40? 48, 10. 2. S. 19, 36. Ps. 71. 9. Im Schweiße deines Angesichtes sollst du Brod essen, bis*) du (allmählig in langsamem Siechthum dein Leben endest und in natürlicher Auflösung und Verwesung) zur Erde zurückkehrest, von der du genommen bist; denn Staub bist du re. Dieser Zusatz sollte ihm seine Hinfälligkeit begreiflich machen, ihn zur Demuth (18, 27. Job. 10, 9) und Unterwerfung unter einen höheren Willen, aber auch zur besten Benützung der Zeit, wie zur Sorgfalt für sein bleibendes Ich — das Ebenbild Gottes — machen. Ps. 39. Pr. 7, 1—12. 12, 1—7. 13. 14._ (Forts, folgt.) •) Pergl. das Thn V2 Dfi "l£ 4. TO. 32, 3. Berannvortlicher Redakteur: J..Ltt»ge»stei»n in Odernheim in Rheinbeffen; Selbstverlag der Redaktion. Für den Buchhandel: i» ckom»isfion dei <&■ L.'Frltzsche in Leipzig. — Druck von I. Kottsleben in Main»