Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 30 (23.7.1863)
- Date
- 1863-07-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ILHrliib S2Numm«rn. Preis des Jahrgangs 1 rhlr. — 1 fl. 4L kr. Bei frankirter Zusendung unter Kreuzband 2 fl. 12 kr. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Der sraeWqKe Keiner. Änzciaen zu 1 «zr. die Petitzeilc. Aufnahme in die Lehreroacanjenlifik'2 0zSgr. Einsendungen entweder direkt an den verantwortlickikn Redakteur oder an die Derlagsbandlung. ^rgan für die Schule, die Familie und das Gemeindeleben des Zudentbums. Herauögegeben von I. Li Ungenftein, Ignaz Lehmann und A. Treu. IX'O. SO. Mainz, den 23. Juli 1863. (Dritter Jahrgang.) Die Methode des Unterrichtes im Pentateuch. Von G. Frank in Landau (Schluß aus Nr. 21.)*) III. Nehmen wir an, daß die Vorbereitung für den Unter richt im Pentateuch das zweite und dritte Schuljahr umfaßt, daß in den zwei folgenden Schuljahren lediglich auf die richtige Auffassung des Schrifttertes gesehen werden soll, so bleibt den beiden letzten die Aufgabe, die Schüler, bei möglichster Selbstständigkeit im Uebersetzen, zu "befähigen, ein Schriftstück nach seinem innern und äußern Zusammenhänge richtig und tlar aufzufassen. Auf welche Weise kann dieses Ziel am sichersten erreicht werden? Wie schon bemerkt, darf eine strenge Scheidung dieser verschiedenen Zwecke nicht stattsiuden; der Unterricht muß vielmehr so beschaffen seiih daß eine Periode die andere vorbereitet. Man richte dal>er I. das Augenmerk ^noch fortwährend darauf, daß der Spüler mit einer größeren Fertigkeit und Sicherheit den einfachen Sinn eines Abschnittes begreife. Dann suche nian 2. das sprach liche und sachliche Berständniß zu erleichtern Dazu ist aber erforderlich, daß in dem angclehnten Sprachunterrichte ein bedeutender Schritt vorwärts gethan iverde. Ist es zwar rathsam, denk Schüler in der ersten Zeit mehr Anschauungen als Formen und Regeln der Sprache zu geben, und soll er diese auch nur auf dem Wege der Uebungen kennen lcnicn, . so könnten doch jetzt, wo der Schüler eine ziemliche Reife des Geistes erlangt hat. diese Anschauungen zu Begriffen erhoben werden. Ein Berständniß der Sprachgesetze stößt jetzt auf keine Schwierigkeiten mehr. Ganz besonders aber pflege nian den etymologischen Theil des Sprachunterrichtes. Die Grundbedeutung eines Wurzelwortes bestimmt anzuge bc», deren Fortbildung j und Erweiterung richtig zu erlernen, 'ei ein Gegenstand fortgesetzter Hebung. Dieser Theil des Sprachunterrichts scheint mir der 'Nerv des Ganzen zu sein, da er wesentlich dazu, beiträgt, im Geiste der deutschen *1 Tie rorbcrgchcndcn! Artikel hierzu stehen den neuen!Abonnenten auf irankirte Zuschriften Mit 2 kr. .Freimarke für Porto g^r st i i s zur Verfügung. ~ - i I Sprache das wiederzugeben, was der llrtert ausdrückt. Da der Pentateuch zum großen Tbeile Geschichte enthält, diese aber eine genaue Kenntniß des Schauplatzes voransievt, auf welchem sie sich ereignet, so muß beim Uebersetzen aus teni Pentateuch die .starte von Palästina und den angrenzenden Ländern stets aufgerollt an der Wand -hängen, damit die Kinder das Betretende an derselben auch zeigen tonnen. Fn der Geschichte der Erzväter u. s. w. und später bei der Schilderung des Zuges der Israeliten in's heilige Land ist dies unumgänglich nothwendig. Ebenso müssen die verschiedenen Eigenthümlichkeiten des Bodens, des .stlima's, der Sitten und Einrichtungen der verschiedenen Länder gele geutlich erklärt werden, um den Sinn mancher Stellen recht zu verdeutlichen. Wie kann z. B. der Schüler dey Ausdruck \-r:i 2:1 t, womit Joseph dem Mund'chenten gegenüber seine völlige Unschuld erweisen wollte, dann .stp. 44, 9 recht verstehen, wenn ihm das Sklavenverhältniß des Alterthums nicht bekannt ist? Und nicht bloß um des Perständnisses solcher Stellen willen sind diese Erläuterungen nöthig, mehr noch sind sie geboten, um die sittliche und reli giöse Bedeutung der göttlichen Gebote im Gegensätze zu den Einrichtungen der alten Völker in's Helle Licht zu stellen, uni nacliznweiien, daß die göttliche Lehre dazu bestimmt war und ist, die Menschheit zur rechten Erkenntnis; und Berehrnng Gottes hinzuleiten. ' Sind somit die sprachlichen und sachlichen Schwierigkeiten gelöst, ist das innere Berstündniß vorbereitet, so muß der Schüler 3. angchakten werden, den Zusammenhang der einzelnen Kapitel, der so einfach und faßlich ist, einzuseben. Der Pentateuch ist ein Ganzes, und als 'olchcs muß er cuidi von den reifer» Schülern verstanden werden. Wenn daber ein Abschnitt, ein .stapitcl übersetzt ist, so wird der Fnbalt desselben noch einmal genau wiederholt, wo möglich in einen kurzen Satz zusammengefaßt, worauf dann beim Uebersetzen des Folgenden immer zurückgewiesen wird. Aus diese Weist' wird der Schüler mit dem Jdeengang des Pentateuch, mit dem natürlichen Perlause der Begebenheiten, mit seinen Lehren und Geboten innig vertraut, die Mannigfaltigkeit des Inhalts wird in ihm zur Einheit, zu einem vollendeten Ganzen, das den innersten Kern seines Geistes bildet, woraus sein Denken, Fühlen und Handeln, sein ganzes Sein sich gestaltet. Es ist dies die reichste Wegzehrung, die wir ihm fürs Leben mitgeben können, ein lebendiger Quell, der ihn