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Der israelitische Lehrer · 1863-05-21 · 21 (21.5.1863) · p. Seite 84

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
21 (21.5.1863)
Date
1863-05-21
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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— 84 — Ohio, in -gliche» Theile Rordamevikas, von wo man in weiter Ferne die Gipfel der AlleghaniSbrrge schaut, lag einsam in Mitten wohlknltivirter Felder eine kleine Farm. Es konnten recht glückliche Menschen sein, die sie bewohnten, denn AllrS war so sauber und frisch, so ruhig und heiter cmsfehenw an dem kleinen Hause, seinem Gärtchen und Feldern, seinen Schuppen 'und Ställen. Und je einsamer ein Haus liegt draußen in der Einöde, in Feld und Wald, um so mehr sind wir gewohnt, eunS entweder als eine Räuberhöhle oder alS eine Hütte stillen Herzens - und EeelensrietenS zu denken. Aber Glück und Unglück richten sich nicht nach dem Raum, den - wir zufällig bewohnen; schlagen ihre Heimath in der Hütte und im Palastr, 'in dem einsamen Gehöfte des Miisisjippithales im fernen Westen Amerika's, wie im Gewühle der. großen Stadt auf. Eben war der Morgn angebrochen. Der Mond, von einem feinen Dunste bald verschleiert, war noch sichtbar am westlichen Himmel, als bereits im Osten bie Sonne deS Tages herausstieg, und in dem herrlichen Fluß sich spiegelte. Roch lag der Wald, der an der einen Seite -der. zur Farm gehörigen Felder gleichsam die Grenze bildete, ohne Laut und Bewegung. Aus der Pforte' des Hauses trat eine weibliche Gestalt. Sie batte das glänzend - schwarze Haar zurückgestrichen und schickte sich an, in der klaren Quelle, die unweit des Hauses dem Boden entquoll und iw einer hhlwrnen Rinne bis dicht an den Garten hingesübrt war, Gesicht und Hände zu waschen. Man iah es dem G> sichte an. daß man-sich getäuscht hatte, wenn man nur glückliche Menschen in der Farm wädnte. Eine feine Blässe zog sich über das abgemagcrte An'tUh hin,'und ein tiefer, unheilbarer Seelen«chmerz sprach ans dtn . glänzenden schwarzen Augen, deren Besitzerin einst sehr schön gewesen sein mußte. Und dock war Alles ruhieQund friedlich.in ihrem Kreise, und Niemanden der nicbt die Ge>chichtc dieses.Gebens in allen seinen Zügrn gekannt hätte, batte die 'Wurzeltieft s Seelenschmerzcs ahnen können. - ' ’■ Rock ehe die Frau ihren Vorsatz aussübren konnte, kam auch ein stämmiger Mann aus der Tvüre der Hauses, blos in kurzen blauleinen Hosen und gleichem Kittel gekleidet, der gerade auf sie zutrat. - . „Reka " sagte der Mann zu der eben sick zur Quelle bückenden Frau, „Reka, so au nur einmal in's Äuge! Siehst Tu, Du käst tuute Nackt wieder geweint,' ich ahrte es, als der verd. Hausir-r gestern in s Haus trat,' und, als-Tu gestern Abend, nacktem Du Brod, Eier und Butter selbst aus den Tisch gestellt battest. Dick still und unbemertt inks Schlafzimmer schlichst, mir den inuricrigen Juden allein überlassend. Habe ich Dir nickt schon oft gesa. t, Du sollst keine Juden in's Haus aufnebmen. über Pacht bebältenP Die verdrehen Dir den Kops immer mebr?!>Jck bin-viel ru gut gegen Deine Einfälle, sonst bälte ich die eneriuglicbcn Gäste längst hinausgejagt wenn einer von ibnen nur die Schwelle meiner Farm betrat." — Tic Lippe des M nnes zuckte ror innerer Unruhe'und Heftigkeit. „Christian," iagtc „Reka, ick-nehme' jeden müde-.i Wmiderer auf, der an unserer eiitsamen Farm vorüberzieht, wie es in dieser Geg.nd und unter allen.unfern 'Nachbarn gebräuchlich ist; warum nicht auch die Juden, gtrate die Juden nicht? Ickipr.che lock' mit garÜiicatanden! Warum soll ich gerade die jüdischen Hausir r vom Hause abweisen, welchen Du doch manche uns so dringende Bedürfnisse äbkausest?" Ja. all Recht, aber Dü sollst mein Haus und mein Leben nickt immer trüber und weinerlicher machen! Ich habe allen Dein.n a sonterlick-rn Gewohnheiten, soweit. ne möglich gewesen sind in uw, rer Farm, i-achgegeben. habe Dich Deinen Gang gehen lasten, ustd längst auf das lustige Leben verzichtet, datz ich mit Dir zu führen gedachte! Du bist eine Jüdin gebliebrtz im Herzen und in Gebräuchen, obwohl Du nie betest, nicht als Jüdin, nicht alS Christin; aber, warum hast Du gestern den Mann so starr angesehen? Kennst Du. ihn? Er scheint, der Sprache nach, aus unserer Gegend zu sein." Ja, ich kenne ihn! Doch, laß das, gäbe Gott, er kenne mich nicht. Ich mache Deine Wohnung und Dein Leben nicht weinerlich, ich wäre lustig und guter Dinge geblieben, ich hätte vielleicht, ach, sogar vergeffen, daß 'ch eine Jüdin bin, wenn Du mich nicht daran erinnert hättest! Du vergißt, so aufgeklärt Du in religiösen Dingen bist, nicht, daß Tu ein Christ bist. Du feierst Deine Feste, wenn Du kannst, hörst zuweilen gerne in Cincinnati den Prediger — warum hast Du mich, durch Dein Schelten bei unschuldigen Gewobnheiten, erinnert, daß es jüdische Gebräuche waren, die ich gedankenlos erfüllte? Warum hast Du, üls es uns Anfangs schleckt ging, bis wir auf diese Stätte kamen, mich so oft „Jüdin, Judengenossin, Judenweib", und so gar einmal — ach, daß ich Dick daran erinnern muß, „verfluchte Jüdin" genannt, statt mich zu trösten, als wir unserer süßesten Hofinung beraubt wurden, als wir — unser kaum srchswöckentlilbes Kind verloren? Tu hast bewiesen daß Du Alles vergessen konntest, auch wie ick Dir folgte aus hingebcnder Liebe, Alles verließ, was mir theuer war, was mir ein glückliches Leben verhieß — daß Du Alles vergessen hast, nur das nicht, daß ich — eine Jüdin bin. , Christian wollte heftig werden; da trat eben einer! jener in den Farmen Amckika's gern gesehenen Hausirer mit schsveren Packen von allen möglichen Maaren heraus. Er nahm Abschied von Christian und Reka, dankte für das Genossene, spannte seinen Wagen an, und fuhr fort. Beim Vorbeiiahren am Brunnen strich er ganz hart an Reka vorüber, reichte ibr nochmals die Hand vom Wagen herunter und sagte: „Gott segne Dich," Reka; ich habe Dich erkannt. Lebe wohl! (Fortsetzung folgt.) Augemeine Deutsche Leheer-Zeitung 1863. : Fünfzehnter Jahrgang. HerauSgegen von A. Berthclr. Verlag von Julius Klinkbardt in Leipzig. Wöchentlich eine Nummer von 1—2 Bogen. Preis halbjährlich 1 Thlr. Bestellungen nehmen sämmtliche Luchhund ungen und Postänster an. Probenummern gratis. Düse Zeiiunz ist zuglrich das Organ der alljährlich tagenden allgemcinrn deutschen Lkhrcrversammlung, deren Protokolle sie vollständig mittbeilt. Außer pädagogiilb-wissentschaftlichen Aufsätzen bringt sie vorzugsweise Miübeilungen über Schm- und Lrbensverüältmsse, über die Stellung der Säule und der Lehrer »ach ibren verschiedenen Beziehung,«, über Dercinswesen und Lelrerver>ammlungcn re. Die bisherig^ Tbeilnähme, welche von Jabr zu Jahr gestiegen ist, wird hoffentlich! unserer Zeitung in ihr» von Reujahr an vergrößerten Gestalt in noch toberem Maße zu Tbeil werden, und so empfebien wir dieselbe daher von Neuem der Gunst des gesammten deutschen Lebrerstandes.__ n r t u 0 t. i „Werden die Israel. Lebrer B.'yern's in ihren Ang'lkgsnhelten „Schritte bei den demnächst zusammentretenden Kammern thun? Welch» „Art werden diese kein? Und wollte man die College« in der Pfalz nicht „gefälligst in KkmUniß letzen? — Diese Blätter übernebmen gerne die „B»mittlung, und unser Mitarbeiter Herr Ignaz Leb mann!, Jnsti- „tutsvorstand sn R'ustadt a. d. Haardt ist mr Entgegennahme und .Ertbeüung jev» Auskunft mit Vergnügen bereit.- Perankuörtlich» Redakteur: I.' «l>ngenfteln in Odernheim in . Eommlsston bei E. L. Fritzsche in Leipzig Rheindeffen; Selbstverlag d» Redaktion. Für de» Buchhandel: jbi — Druck von I. Gottsleben in Mainz.!

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