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Der israelitische Lehrer · 1863-05-07 · 19 (7.5.1863) · p. Seite 76

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
19 (7.5.1863)
Date
1863-05-07
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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76 Im Jahr 1832 gab Rieffer die Zeitschrift „der Jude" heraus. Sie war darauf berechnet, im Sinne. wahrer Glanbens- «nd Gewissensfreiheit aus die Gebildeten unter seinen Glaubensgenossen einzuwirken, und hatte insbesondere bei vielen Len Erfolg, daß sie sich nickt mehr, wie früher, des Namens „Jude" schämten. Später schrieb er, in- Folge vou Börne's „Briese aus Paris" tie Schrift „Börne und die Jüdey," und gleichzeitig eine kritische Beleuchtung der ständischen' Verhandlungen über die Juden in den Jahren 1831 und 1832, und für den badischen Landtag jene unübertreffliche Denkschriftdie viel dazu beigetragen haben mag, daß im Jahre.1833 fünfzehn Abgeordnete des Landtages für die Gleichstellungder Israeliten votirten. *) Bald darauf antwortete er mit herrlichen Worten dem preußischen Etaatsratb Strcckiuß auf deffen -judenfeindliche Gesetzentwürfe, worin insbesondere die Stelle bemerkenswcrth ist, die er dem verächtlichen Ausdruck „Tagesschriftsteller" entgegensetzte, mit welcher Bezeichnung Rieffer u. a. A. gemeint waren, die StrrckfußenS Entwürfe-in öffentlichen Blättern besprochen; Rieffer erwidert: „Ja, die Schriftsteller deS Tages, das sind wir; daß wünschen unv streben wir zu sein m jedem Sinne des Wortes. Der Tag ist das Licht) und nack dkm Lichte ringen, für das Licht streiten wir." — Und weiter: „wir'trqgen die Farben deS Jahrhunderts; es sind die Farben der Freibelt." Als im Jahr 1833 in Kurheffen für die 'Israeliten der Tag der Freiheit anzubrechen schien, zog es Rieffer dabin. Er fiedelte sich in Bockenheim bei Frankfurt a. M. an, und von dort erging in Folge des in Bräunschweig angeregten Entschlusses, L e s s i n g ein Deirkmal zu setzen, jener Aufruf Riesser's: „einige Worte über LeffingS Denkmal an die Israeliten Deutschlands." Roch nie vorder war der große Geist, dessen Namezi „Menschenbildung, Menschenliebe, Aufklärung, Gewissensfreiheit; Kampf gegen Unduldsamkeit, Religion-Haß, GeisteSdruck" bedeutet, würdiger besprochen worden. — Im Jahre 1836 erschienen RiefferS „jüdische Briefe" 3) gegen die literarische Eoterie: Wolsgang Menzel und Eons., welche zuerst politisch und'literarisch mißliebige Bestrebungen *), an welchen zufällig einige Juden Theil nahmen, als specisisch jüdische Bestrebungen ausgab, ganz 4 la Kreuzzeitnug und ähnlichen Blättern hör Gegenwatt. Damals ging Rieffer nach Hamburg zurück, und fungittedort längere Zeit als — Notar — Im Jabre 1845 betrat er noch, einmal die Kampfbühne gegen einen Mann, dessen gegenwärtiges Leben ent bezeugt, wie j unwürdig er eines solchen Gegners, wie Rieffer.war. Bruno! Bauer, der alles zersetzende Geist, wollte den Juden das Bürgerrecht absprechen, nicht weil' sie keine Chttsten waren, denn als solcher wurde er ja selbst von den Chttsten üicht anerkannt; sondern weil sie nicht in dem ausschließlichen Dernunftstande, den er vetthttdigte, eintreten wollten. Merkwürdig! Jener Mann/ der damals die Juden baßte, weil'.sie den Glauben zur Welt gebracht, „macht" 'setzt widerholt in Judenhaß, wenn auch vom entgegengesetzten Standpunkte, in der Kreuzzeitung und ähnlichen Blättern; dient dem feudalen und pittistisch-muckerischen Pessimismus. Rieffer erhob u. A. seine Stimme gegm ihn in Dr. Katt Weil's constitutionellen Jahrbüchern. . Rieffer wurde vom Herzogtbum Lauenbürg 1,848 ins deutsche . 1) Die Israeliten Badens drückten ibnr ihr« Dankbarkeit gleichsam! symbolisch au;-. Sie überreichten ihm daS seitdem durch Kupferstich I vervielfältigte treffliche Genere-Bild von Professor Oppenheim, die Rückkebr eines, mit Wunden und Ehrenzeichen geschmückten jüdischen Freiwilligen zu seinen "frommen Eltern vorstellend. ' , 2) Worte Riesters in d. Sendschreiben.' . 3) Der rwette Theil später, in Hamburg. ' ' ' 4) Das junge Deutschland betreuend. - Parlament geschickt, und von demselben zweimal zum 2. Präsidenten und in die Kaiserdeputatron gewählt. Was er dort war, wie er als treuer Eobn deS Vaterlandes sich bewährte, wie er seitdem hochgeachtet war alS politisch unbescholtener Character, das zu erzählen kann nicht unsere Aufgabe ffein —, es gebött der deutschen Geschichte an. Rur daS gehört hiehcr, daß er auch in der Paulskirche die Emancipation mit der alten Wärme vettrat. In den letzten Jahren sah er theilweise das, was er angestrebt, sich, wenn auch bis jetzt zumeist in der Theorie erfüllen. Er selbst wurde vom Senate ins erste Gericht seiner Vaterstadt — als Rath ins Oberaettcht — berufen. Als solcher starb er, hochgeehtt von seinen Mitbürgern, von der Mitwelt. In Riesters Familie vererbt sich eine Sage, daß einer ihrer Vorfahren» wenn auch nur eine Nacht, die königliche Krone von Polen gettagen. In seinem Leben und Wirken geadelt, durch seinen Geist und sein Herz hochgestellt, hat sich der „nachgeborne" Sohn des Vaterlands einen Platz unter den wahrhaft „Hochgebornen" der Menschbeit errungen. Wie Rieffer seine trefflichsten Wotte sprach in dem Sendschreiben, „Lessing" bttreffend, wie dieser Freund Mendelssohns wohl von keinem Deutschen würdiger geseiett wurde, als gerade von Rieffer, so erscheinen auch unserem Geiste tiefe Drei als zusammenklingende Größen in der Geschichte, als ein helles heiliges und lichtbringendcs Dreigestirn, besonders in der Geschichte der Judenheit. L e s s i n g , der Dichter der Duldung und Gewiffensfreiheit, der. Dichter des Nathan, — Mendelssohn, der sein Volk emporriß aus dem Schlamme der^llnbildung, es von innen heraus befreite, es geistig ebenbüttig zu machen strebte den übttgen Genossen des Vaterlandes, und endlich Rieffer, der das, was jene zwei und ihre Geistes- und Kampfgenossen in der Theorie feststelltcn, prattisck ins Leben einznfuhren bestrebt war, und dies als die höchste Aufgabe seines Lebenbetrachtete, der für die höchsten Güter der Menschheit mit erhebenden Motten, die Thaten sind, kämpfte — und siegte, — sie bilden Entwicklungsepochen in dem geistigen Werden de» letzten Jahrhundetts. Ja, Er siegte! Wenn auch einzelne Rachtgestaltcn der Gegenwart da» klare Reckt beschränken und zurückhalten wollen, so haben doch die Besten des Volkes Deine Stimme gehött, großer Todter, und — Du hast gelebt für alle Zeiten. Kl. Annonce. Die hiesige israelitische Lehrer- und Vorsänger-Stelle mit dem fixen Gehalt von 300 fl. nebst freier. Wohnung, außerdem Rebeneinkünften, ist zu besetzen, und kann fofort bezogen werden. Refiectanten haben sich mit Zeugnissen bei dem Unterzeichneten Vorstande zu melden. Auf francitte Anfrage werden wir die gewünschte nähere Mittheilung abgeben. ' Mainzlarbei Gießen, 26. April 1863. Der israelitische Vorstand: _Kann_ Briefkasten. Herrn I. Kl. in S. Wir können Ihre Arbeit erst beginnen, wenn die bereits begonnenen zu Ende find. ES dürfte dies bis Mi Nr. 22 oder 23 dauern. Herrn I. W. in Weszprim, Ungarn. Wenden Eie sich in dieser Angelegenheit an die Geibel'sche Buchhandlung in Pesth «der Oscar Seiners Buchhandlung in Leipzig. Uebrigens bin ich gerne bereit, Ihnen gegen Einsendung des Betrags als Lermittler zu dienen. Beiliegendes Verzeichniß wird Ihnen zur Orientirung helfen. Bitte um Rücksendung. Zugleich bemerke ich Ihnen ergebenst, daß unsere Adresse di« unten am Rande unseres Blatte« »erzeichnetc des virantwortl Redakteurs ist. Herr Fr. in H. Tank für das collegialische Wort. Auch ich freue mich. Das Gewünschte ist, wohl jetzt besorgt._ vranrwörtlicher Redakteur: I. Klin'aenstriu in Odernheim in Rheinheffen; Selbstverlag der Redaktion. Für den Buchhandel: in Commission bei. E. L. Fritzsck« iü Leipzig. — Druck vcn I. lAottSleben in Mainz.

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