Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 19 (7.5.1863)
- Date
- 1863-05-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jährlich 52 Nummern. Preis d«S Jahrgangs 1 Lhlr. — 1 fl. SS kr. Bei frankirter Zusendung unter Kreuzband 2 fl. 12 kr. Bestellungen nehmen all« Postämter und Buchhandlungen au. Der _ sraäitiüchf Iolirer. Organ für die Schale, die Familie und das Ge^eindeleben des HerauSgegrben von I. Klingeuftein, Ignaz Lehmann und A. Treu. «en zu 1 Sgr. ktitzelle. Aufnahme in die LrhreroacanzenlisteÄ'rSgr. Einsendungen entweder direkt au den verantwortlichen Redakteur oder an die BerlagShandlung. Judenthums. N°. i». Mainz, den 7. Mai 1863. (Dritter Jahrgang.), i i Erziehung und Freiheit, . ei» pidagogisch-theofogische» Probte«. (Fortsetzung aus Nr. 16.) HI. Absolute Freiheit, tolalr Selbstständigkeit und Unabhängigkeit von jedem Beweggründe außer dem sich selbst bestimmenden Subjekte kann in aller Welt nur und allein dem Eineu zugeschriebrn werden, Der, befiehlt und es stehet da, vor und außer Dem kein Wesen vorhanden war und als existirend gedacht werden kann, jg von Dessen Beschluß es abhing, ob überhaupt eine Welt in'S Dasein treten, wie Sein Wille allein darüber bestimmt, ob und wie lange dies Werk Seiner Allmacht fortan Bestand hahen solle. Ihn bestimmt nichts als Sein Eigener Wille und Rathschluß, der, weil von Seiner Weisheit, Güte und Gerechtigkeit dictirt, stets nur der beste ustd untadeligste sein kann. (Deuter 32, 5 ) Da alles Daseiendf aber nur durch Ihn und iu Jhm vorhanden ist, so ist jener Sei^r Wille nothwendig, sowie der Ursprung seiner Existenz, so auch das Gesetz und die Norm derselben, welchem himmlischest wie irdische, organische wie unorganische Wesen durchweg > unterworfen sind, und j die Differenz zwischen vernunftbegabten und vernunftlosen - Geschöpfen besteht lediglich darin, daß von diesen das Gesetz bewußtlos geübt, in jenen hingegen zum Bewußtsein sich erhebt, und, so weit es nicht allgemeines Naturgesetz, dem auch sie sich unbedingt fügen Hüffen, mit Ueberlegung, Einsicht und nach freiem Ermessen zur Ausführung gebracht wird. Soll aber diese freie Wahl seiner Handlungen nicht in Widerspruch gerathen mit hem im Willen Gottes ausgeprägten Gesetz, so muß der Mensch in diesem sein einziges leitendes Grundprincip habm; er muß der von dem himmlischen Gesetzgeber in seine Brust gelegten GotteSstimme, die sich in der Vernunft als belehrende und zurechtweisende, im Gewiffen als mahnende und warnende, lohnende und strafende kundgibt, williges Gehör schenken, und was immer ihn zur Abweichung davon verlocken möchte, als verwerflich und unwürdig von sich weifen. Thut er dies nicht, sondern läßt sich von äußeren oder unedlen inneren Motiven zum Widerstreben gegen das GvtteSgesetz fortrrißen, so hat er zwar! insofern seine Freiheit bewahrt, als er nicht wie das Thier gezwungen, sondern nach eigenem Entschluß sein Thun bestimmt hat, aber im Grunde hat er jenem ähnlich gebandelt, da das Thicrische in ihm über das Göttliche best Sieg davon getragen, während seine wahre Freiheit i» der Niederhaltung und Ueberwindung jenes durch dieses allein sich manifefttrt. (Genes. 4, 7.) Diese beiden sich gegenseitig negirenden Naturen im Geistes - organiSmuS de« Menschen, thierische und göttliche, irdische und überirdische,!sind von der Wiege bis zum Grabe in beständigem Kampfe in seinem Innern; wenngleich indeß der Keim der wahren Frecheit wie der zu allen höheren Anlagen von Anbeginn in ihm liegt, so ist er doch ursprünglich sehr schwach, indem die Außenwelt mit ihrem überwiegenden Eindrücke fortwährend auf ihn wirkt, während daS innere Lrbensgesetz nur allmälig mit der mehr nnd mehr reifenden Vernunft in ihm erstarkt und jenem ein Gegengewicht zp halten beginnt. So hat denn das Thierische im Menschenherzen unbedingt den Vorsprung vor dem göttlichen ^benbilde in ihm, in welchem Sinnend, h. Schrift (Genes. 9, 21 und Hiob 11, 12) sagt: das Dichten des Meuschenherzens ist böse von Jugend auf, und: „wie ein wildes Fülhn ist der Mensch, da er geboren wird." Besteht dem Gesagten nach der Vorzug drS Menschen nun nicht darin, dstß er in seinen Vorsätzen und Handlungen ungebunden sind uneingeschränkt sei, 'sondern daß er auS freiem Entschlüsse dem für gut erkannten Gottes - gefetze sich unterordn^n (während 'die niederen Geschöpfe dies ohne Einsicht und Eigenen Willen, lediglich dem Gesetze der Nothwendigkrit folgend, tbun), so geschieht seiner Freiheit durchaus kein Eintrag dadurch, daß er durch Lehre, Vorschrift und Zucht! zum rechten Gebrauche' seiner Ver- >