Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 18 (30.4.1863)
- Date
- 1863-04-30
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jährlich 529hn|tmi Preis b«8 Iah, 1 rhlr. — 1 fl. Bei frankirter düng unter Rrsüzband 2 fl. 12 Bestellungen all« Postämter Buchhandlungen ern. gang« 45 kr. Zusenlkhmkn und Der KlHelttMlw IMmr. nen zu 1 Sgr. ktitzeile. Aufnahme in die LehrervacanzenlisteL'^Sgr. Einsen Lungen entweder direkt an den verant» wonlichen Redakteur oder an dt« Brrlagshandlung. Organ für die Schule, die Familie und das Gemeindeleb | § trau«gegeben von I. Klingenfiein, Ignaz Lehmann und iA n des Judenthums. treu. N°. 18. Mainz, ben 30. April 1863. (Dritter Jahrgang.) Professor Dr. Älerauder Haindorf und dis israelitische Lehrerseminar za Münster. (Fortsetzung aus Nr. 14.) vn. Erwecke oder halte wach, in dem Menschen vor Allem das Gefühl der menschlichen Würde, und er wird, er Kann sich nicht unwürdig betragen. < Druck erniedrigt. Niemand will weniger in deine« Augen gelten, als für das, wosür du ihn hältst, und wie du ihn behandelst. Sollten einzelne Individuen dieser, unserer Erfahrung widersprechen, so machen sie eine Ausnahme von der Regel und find — meist durch Erziehnngsverhältnifie — eine Abnormität von der menschlichen Natur. Der Menschenerzieher kann »licht zu edel vom Menschen, dem Ebenbiloe Gottes denken. Wie wir die Menschen anrufen und ansprechen, so antworten sie uns. Der Beschränkte schränkt ein. Wer nur selbst nicht gemein ist, nicht gemein denkt, der macht sich nicht gemein, wenigstens so lange nicht/bis er an Einzelnen die unangenehme Wahrnehmung: „Der Menschenkenner fand nicht selten mehr, als ihm zu finden lieb war/ gemacht hat. — Zn bejr Bildung liegt Hebung, Ueberhebung ist Folge der Unbildung und des Dünkels. Wer wahrhaft bildet, der hebt Andere durch sich, sich durch Andere, er ist Beispiel und Borbild. Wenn hiermit humane Behandlung in des Ausdrucks weitester Bedeutung als oberste Regel aufgestellt ist, so ist damit der unbedingte : Ernst, die strengste Gesetzmäßigkeit gegeben: denn Humanität fällt weder rstil Schwäche, noch mit Lockerung des Sitten- ' ÖeS zusammen. Humanes Entgegenkommm erweckt das hl des sittlichen Müssens. —j- Wer anders seine Auj torität geltend macht, durch äußere, oder gar launische Mittel zur Pflichterfüllung zwingen will, der hat sich im besten Falle deS beständigen Haders und AeraernisseS zu gewärttgen, er verwildert, statt zu bilden, und sollte ehrlich genug sein sich zu gestehen, daß er zum Erziehungsgeschäst ' weder Beruf noch Freudigkeit hat. Die richtige, taktmäßige Behandlung zum Zwecke der i Erziehung stellt an den Lehrer eine nicht minder schwere Aufgabe, als der Unterricht; der Segen des letzteren hängt sogar zum großen Theile von der Lösung dieser Aufgabe ab. Jede Verbindung von Menschen (zum, Staate, zur FamUie, Gemeinde, zum Schulleben). bedingt Gesetz und Gesetzmäßigkeit, und aus den Zwecke der Verbindung entspringen mit Berücksichtig»!,; der Glieder und der Individualität Pflichten und Rech' e Dieser Gesetzmäßigkeit kann sich kein Theil entziehen , s >ll der Zweck der Vereinigung erreicht werden; am wenigst! n darf durch Laune oder Willkür, ebensowenig vom Vorgesetzten als Untergeordneten das Recht des Einen oder Ander a alterirt werden. Dieses auf Lehrer und Schüler bezoger, macht sich um so mehr mit unbiegsamer Eonsequenz geltend, wenn die Untergebenen nach Alter und Bildung der Selbstständigkeit näher gerückt sind, wenn dieselben berufe i sipd selbst an der Erziehung und Bildung des Menschengeschlechtes mitzuwirken, — ein Beispiel von Charakterfestigkeit, innerer„ Würde, und Takt im Umgänge zu geben *) Mit Rücksicht auf die «Seminaristen, besonders der in dem Institute zu Münster, verdienen folgende Fragen besondere Aufmerksamkeit: Mil welcher Bildungsstufe betreten die Seminaristen durchschnittlich das Seminar > In welchen Lebenskreise l haben sie gewöhnlich gelebt? Unter welchen Vermöge: lsnmständen haben sie gewöhnlich gelebt, und welche Mi tel stehen ihnen während des Aufenthaltes im Seminare -u Gebote? Wie sollen sie sich nach den wenigen Jahren des Seminarlebens in der bürgerlichen Gesellschaft vorstellen und benehmen können, und was h< ben sie ihr zu leisten? (Solche, welche von „Elementargeister i" oder „nur Klos Elementarlehrern" sprechen, können zi >r Lösung oder Beantwortung dieser Frage nicht zugelassen werden.) Wie depravirend müßte es wirken, wenn die Betreffenden als Wohlthatenempfäuger sich zu betrachten hätten? wenn sie zu allerlei unwürtigen Dienstleistungen sich verstehen müßten? wenn das nchtbare „Sie" ihnen nicht gegönnt, nicht das zutrauliche, wohl aber das unterordnende „Du" oder gar ,/man" „er" „Flegel" „Lümmel" im „Wörterbuche zur Behandlung de: Lehrerzöglinge" mit fettem Drucke sich auszeichnete? ) Daß hiermit der Lebrer nicht auf «men Thron, am wenigsten einen goldenen gehoben werden soll fich vermißt zu sagen/, »blos Elem versteht sich von selbst. Wer ater ntarlehrer l dem gesteh« ich das und VMUllpt JM |UJ)***/ *,,M Ol “ ' das nicht zu," der.sollte fich befch!iden bekennen, daß er vom Werthe wahrer Bildung nichts verspürt hat. das Gebiet des krajitjunkerlichen Ai istokratelens. Eins. — Solch« Aeußerungen gehören in