Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 17 (23.4.1863)
- Date
- 1863-04-23
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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€8 so frei und n*cr an ihr vorüber 5 sie schienen sich nie einander näher vertraut gewesen zu sein ■ Und koch! unsere ganze-Freude dauerte nur wenige Wochen.. — Was ick Dir jetzt erzähle, lebt noch so frisch in meinem Gedächtnisse, und, doch ist mir's nur tberiweifeklar geworden. Schon in der zweiten Wocke des Brautstandes verdüsterte sich jReka's Angesicht mdhr und mebr. Ihre-Tante hatte ihr unbedachtsamer Weise über Vergangenes, das Tie vergeben und vergessen glaubte, unberechtigte Vorwürfe gemacht Noch in derselben Nackt war eine andere Verwandte, jene unglückbringende Kupplerin bei Reka erschienen, Und wenige Tage nachher sprach man allgemein von einer nächtlichen Zusammenkunft Rekas mit Ebristian aus dem Kirchhofe. . Man machte die Mutter, die Geschwister, den Bräutigam-auf verschiedenartige'Vorgänge aufmerksam, die c n erneuertes Einverständnis Rekct's mit Ebristian beurkundeten. Reka leugnete; und koch zeugte ihr B nehmen gegen ibre Worte, man konnte bei aufmerksamer Beobachtung den Kamps in ibrem Innern beobachten. Während sie die eine Stunde voll der ausgelast'ensten Lustigkeit war, machte diese -in einer andern, wo sie sich unbemerkt wähnte, hinein lüstern Nachdenken Platz. Wäbrend sie seht ihre Mutter, ihre Geschwister, ihren Bräutigam mit gewohnter neckischer Liebenswürtwseit bezauberte, war sie bald darauf wieder abstoßend, mürrisch gecsen alle, so daß Niemand klar wurde über 'die Vorgänge in ibrem Innern. . - Ich will nickt;u lange bei tiesen-Vorgängen verweilen. Bie ne Erzählung bat ja Nur. den einen Zweck,-Dich, meine hiebe, aui die Irrwege in der Erziehung unserer Töchter aufmerksam zu wachen Tu weißt "ja. es ist das sechste Mal., seid-s> Zabren, daß äbnliche Vorkommnisse Schrecken, Trauer und Verzweiflung in geachtete Familien unseres- Umkreises geworfen haben. Wir wissen wohl, der Gedanke der Neuzeit' verlangt gebieterisch-mebr und mehr das Niederrcißen der socialen Scbeidenwände zwischen Juden und Ebristenz und dock) — so lange nur der Austritt aus dem Glau densbunt einen Ebebund zwischen Juden und ssbristen möglich macht, und ein solcher Bund die Liebe zu den Angebörigen, daS Verwobenscin mit den heiligen Anschauungen und Gewohnheiten unseres religiösen Familienlebens zerstört, so lange mit einem solchen Bund Schrecken und Schmack, verbunden ist für die anderen Far.iilienglieter. sdlange wollen wir-anck unsere Töchter wabren vor unbedachtem Sickhingeben, unsere Mütter, daß sie nickt in leichtsinniger Sicherheit, in -trauriger Eitelkeit das Wobl ihrer Familie, ihrer Kinder »pjern. — Das sind Irrl wege, die zu den traurigsten Folgen führen.. blicken. — WaS soll ich Dir weiter erzählen? Mit dem nächsten Schifie, so erfuhr man, reisten beide nach Amerika. — Sie batten von Keinem ibrer Verwandten Abschied genommen. Der Schrecken warf die Mutter wiederholt auf's Krankenbett. Sie verließ es nicht eber, als bis wir sie binaustrugen auf das Feld des Friedens und sie neben ihrem Gatten betteten. Bald darauf verkauften die Geschwister Wohl hier ihre sämmtliche Habe, und zogen, wie Du weißt in einen entfernten Ort. Von Reka hatte ich bis beute nichts wieder vernommen. — Die Kranke, die jeht in unserem Frcmdenstübche» weilt —sie ist es .... ' (Fortsetzung folgt.) Anzeigen. Einladung zur Eonfrrenz der Vereins itzracl. Elementarlehrrr für Westphalen und Rheinprovinz, (zugleich: Generalversammlung der „Ilnlcrstützungskasse" des Vereins)?u Cöln, am 27. und 28. Mai r. j Vorläufiger Versammlungsort: Württemberger Hof (M a i e r.) Tagesordnung: > A. 1 y Bericht des Vorstandes über Angelegenheiten der Unterstützungskasse. | J) Beratbung über einige Zusatz- resp. Abänderujngsparagraphcn zum Statute. B. 1) lieber Stellen im Pentateuch, die aus pädagogischen Gründen beim Ucbersetzen zu übergeben sind.! Ref. Rüben. -' L) Das Lesebuch in der jütischen Schule. Ref. Spier; Eorref. Goldstein. :i) Die jüdische Geschickte in der nachbiblischcn Zeit. Res. L ö b. Bemerkung. Beitrittserklärungen zur llntcrstützungskasse werten unter den statutenmäßigen Bedingungen (SS- 3 und 7) an den Abenden vom A>. bis ■Js. Mai angenommen. Es war am ersten der Selickotbtckge —' injener Zeit, wo Frühmorgens die Gemeinte sich rüstet .zur Vorbereitung auf die, heiligsten Festzeiten des Jabres; der Gottesdienst hatte so eben begonnen- Da stürzt atbemlos die jüngste Schwester Rekas ins Gotteshaus, um ihren Bruder, zu. rufen; sie sagt ihm! einige Worte ins Obr. — Dieser rslt bestürzt.fort. Tie ganze : Gemeinte war in Aufregung —■ Reka" »rar entflohen. Als die! Mutter an ibr Bett trat, fand sie dasselbe unberührt, den! Kleiderschrank geleert. Wie die alte Frau' jammerte! — Der Vorstand. Bei dem Unterzeichneten ist zu haben: Kramer'« Klavierschule zum Selbstunterricht für 20 Sgr., Wurst'« zwei erste Schuljahre für 1 Rthlr. 20 Sgr. und Zuu; deutsche Bibel für A) Sgr. Alle Werke schön gebunden, wie neu. Briefe franco Senden Horst bei Münster in Westphalen. Am Morgen erfuhr man> daß auch Ebristian entsiohen. Seine Freunde batten ibm zur Flucht geholfen, einige hundert Gulden gelieben u. s. s. --- In der Racbt vom Sabbatb auf Sonntag war alles in größter Stille ausgeführt worden. Eie hatten sich selbsi früher schon, im'Geheimen Reisepässe zu verschafien gewußt. Ihr Bruder folgte ihr in die nächste Stadt. - Dort traf er Ehristian, und seine Freunde. Reka ließ sich nicht vor ihm . N. Kronenberg, Lehrer. L^ie Stelle eines ReligionSlehrers, Vorsängers und Schächters, welche nebst einem firen Gehalte von 260 fl. noch bedeutende Gebühren abwirst, ist erledigt. Bewerber wollen ihre Anmeldungen richte» an den ersten Rabbiner Herrn Dr. Aub in Mainz oder an den Vorstand der israel. Religionsgemeinde in Bretzenheim bei Mainz. Vranrwcrtlicber Redakteur: K Klingenstein ln Odernheim in Rh«t»heffen; Selbstverlag der Redaktion. Für dm Buchhandel: in Eonunisßon bei <5. L. Frttzsch« in Leipzig. — Druck von I. ttottsleben in Mainz.