Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 16 (16.4.1863)
- Date
- 1863-04-16
- Page
- Seite 64 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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64 felfc in alle Schickten fceft israel. Volker einzusühren sich bemühe? — Nächstens mehr davon. Ottensoser. u « f ch a tt. — Die Kknigsberger „Hartung'sck'e Zeitung" erzählt: „Eine edle That: Als das polnische Städtchen Etaszow nack der Einnahme durck die Rüsten geplündert wurde, waren diese angewiesen, die Plünderung nur au den christlicken Einwohnern zu vollziehen, die Juden aber, welche, noch heute in einem abgesonderten Ctattviertel wohnen und sich be m Aufstand nicht betheiligten, zu versckonen. Nachdem die Plünderung an der christlichen Bevölkerung befolgt war, kaufte die Jutengemeinde den Rusien die sämmtliche -Äeute für 500 Rubel ab und stellte dieselbe, nach dem Abzug der Russen, ohne irgendwelcke Bezah- . lung oder Pergütung der ckristlichen Bevölkerung, zzirück." —' Der Municipalrqth von Paris hat die für den Unterricht der israelitiscken Kinder bewilligte Summe von 30><>Frcs. zu jährlich A>,000 Frcs. erhöht. — In Tetuan, (Marokko)'ward am Schluffe des vorigen Jahres eine israel. Gemeindesckule nack europäischem Muster eingeweiht, deren Oberlehrer Herr Herrwan Eohen, Bruder des Herrn Albert Eohen in Paris ist. — Der „Israelit" enthält in seiner Nr. 13 einen fulminanten Artikel gegen die Versammlung hessischer Rabbiner und Vorstände in Mainz, insbesondere gegen die Bestrebungen, welche die Bildung einer Synode bezwecken. Diese Nummer wurde unter Kreuzband an die Vorstände der'Landgemeinden versendet, und hat also zum, Zwecke, eine Agitation gegen jene Bestrebungen heroorzurufen. Auch die Tarmftädter Zeitung bringt eine tiefe Versammlung betreffende kurze Mittheilung. Wenn wir auch über die grenzenlose Kurzsicktigkeit und Anmaßung bei den Vorbereitungen zu jener Versammlung unsere Entrüstung nickt zurückbalten können; wenn man da.auch die Lehrer und die Landgemeinden — also mindestens y*10 der hessischen Jukenheit ignorirte, — so wollen w i r dock keineswegs damit den Bestrebungen selbst entgegentreten, welck'e die Bildung einer Synode, die wir als ein heilvolles Institut anerkennen müssen, bezwecken. Der Freund der Wabrheit wird immer zu oberst die Sacke im Auge haben.. Aneckeln aber muh uns eine gewisie religiöse (?) Partei, die die verwerflichsten Manöver nickt scheut, und insbesondere sick auck mit bezeichnender Charakterlosigkeit solcher Männer zu ihren Zwecken, zu Hervorrniung von.Zwiespalt in den-Gemeinden bedient,, die mit »bren Familien ganz außerhalb des Judenthums stehen, undeben nach den' Marimen einer bekannten neuorthodoren Anscbauung die Belastung im vollkommensten Urzustände als das beste M-ttel betrachten, um das Judenthum, das sie tödlich hassen, (was sie durck die Laufe ihrer Kinder beweisen, wenn )ie selbst auck Indenbleiben) auf solche Weise in sick selbst zerfallen zu lasten. -Durch Machinationen jener Partei ist (wie wir horten) ein solckes Mitglied auch im Mainzer Porstand, und tm hl möglich, daß das der wüthende Berichterstatter des „Israelit" ist. — Wir hoffen, daß unser Blatt weitere Bericht? über die Tbätigkeit der Commission in der Sckul- und Synotalverfasfungssrage bald, bringen, und das jüdische Publikum über das Wesen der zum Heile, zur Kräftigung und Belebung aller jüdischen Institute dienenden S v n o d e ausklären wird. — Die Wirren in der Frankfurter Gemeinde dauern im verstärkten Maahe iort. ' — Amerikanische Blätter berichten über, einen merkwürdigen Akt entsetzlicher Barbarei und Unduldsamkeit aus Epeculation. Gen. Grant ließ alle Juden in dem Bezirke, iu welchem sein Vater wohnte. auStreiben. Der Vater deS edlen Kriegshelden hatte nänstich am Kriegsschauplätze die Baumwolle billig eingekaust, um sie nachher in den föderativen (»örtlichen) Staaten und nach Europa zu sehr hoben Preisen wieder zu verkaufen. Einzelne Israeliten schienen sich mit ähnlichen Projekten zu befaffen, und dem Herrn Grant gen! Concurrenz zu machen. Das bewog den Herrn General, die Juden einfach auszutreiben. So geschehen im Jahre 18t>3 unter der glorreichen Regierung des unionistischen Präsidenten Lineoln — der zu diesem Gewaltakte schwieg, um den Herrn General nicht entbehren zu müssen. Man sollte es nicht glauben, wenn nickt authentische Nachrickten vorlägen. — Es ist schmerzlich wahrzunehmen, wie die, einseitigen Parteiinteresien dienenden Anstalten auch sich und das Judentbum comprommittiren, und wieman insbesondere mit der Bildung von Lehrern und Knaben in solchen Anstalten verfährt. Seit einiger Zeit eristitt in Weinheim a. d. Bergsttaße eine jüdische Knabenerziehungsanstalt, verbundenmit einem s. g. Seminar, in welchem 7 Seminaristen sind. So eben ist das Programm dieser Anstalt (das 2. oder 3.) ausgegeben. Welche Abhandlungen jüdischen oder pädagogischen Inhalts enthält nun dieses Programm einer Anstalt, die unter dem besonderen Protektorate der Ortbodorie Süddeutschlands steht? Man höre und staune! Es enthält Aufsätze: 1) über die angelsächsischen Bestandtheile der englischen Sprache, von Gieselerz; — 2) über eine neue quantitative Bestimmung des Ammoniaks von Dr. Kappel und Laube jun.; abgesehen von dem Werthe der Abhandlungen selbst; sind solche an dieser Stelle nicht lächerlich? Bielitz (Oesterr. Schlesien), 5. März. Ein hieher zugereister jüdischer Schneider, Namens M. Waldmann, wollte sich in Biala zur Ausübung seiner Profession ansässig machen, und hat deßhalb ein Gesuch beim dortigen k. k. Bezirkamt eingebracht, welches rhm auch bis zur endgiltigen Bewilligung die Eröffnung eines Arbeitslocals und Aushängung eines Schildes gestattete. Gestern jedoch rottete sich ein Pötelhaufe zusammen, der den jüdiscken Schneider und den ihm Unterstand gebenden Hauseigenthümer mit Mißhandlungen und Stürmungen des Hauses bedrohte. Trotzdem der Bürgermeister von Biala den Leuten auseinanderzugeben befahl, mußte der arme Schneider doch sein Local schließen und das Schild herabnehmen. Auch haben die Versammelten noch nackträglich tbatsäckliche Ercesse verübt und an jedem' gerade vorbeigehenden Israeliten ihr Müthchen zu kühlen gesucht, bei welcker Geleg nbeit auck der jüdische ausgediente Soldat Jacob Lewi mißhandelt und nicht unbedeutend verletzt wurde. (Pr.) Smyrna, 13. März. Gestern in den Morgenstunden war das Frankenquartier und die angrenzenden Stadttheile in Hellem Aufruhr. Die Hefe der christlichen Bevölkerung hatte wiederum,- wie gewöhnlich vor den herannahenden Ostern, eine Judenverfolgung in Scene gesetzt, welche durch das abgedroschene Märchen vom Christenblut ihre ursächliche Entstehung herleitete. Aus allen Gassen und Gäßchen strömte der von Fanatikern in geistlicher und weltlicher Trackt aufgestachelte Pöbel herbei uiid insultirte die Juden allerwärts, wo sie sich blicken ließen. Erst nachdem der Aufruhr eine ernstere Wendung zu nehmen schien, und die blutdürstige Horde mit Knütteln und Meff'ern über die unglücklichen Israeliten herfiel, erschien aus Andringen der Consuln die Polizei und eine. Compagnie türkischer Soldaten auf dem Platze. Es wurden gegen 50 Personen eingezogen, worunter einige Rädelsführer sich befinden, denen auf Antringen des englischen Consuls, welcher sich der Sache besonders annimmt, lebenslängliche Galeerenstrafe zugedackt sein soll. Verantwortlicher Redakteur: I. Kling enstein in Odern heim in Rheinhesien; Selbstverlag der Redaktion. Für den Buchhandel: in Kommission bet 4. L. Fritzsche in Leipzig. — Druck von I. Volksleben in Mainz.