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Der israelitische Lehrer · 1863-04-02 · 14 (2.4.1863) · p. Seite 56

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
14 (2.4.1863)
Date
1863-04-02
Page
Seite 56 (sequence 4)
Language
German
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56 gänrungSrichter beim köngl. Handelsgerichte in Fürth ernannt wurde. - Baten. Die aus Anlaß der bürgerliche« Gleichstellung von dm Israeliten des Landes veranstaltete Keldsammluug soll einen Betrag von über 30,<>00 st. erreicht. haben. Man hat nunmehr die Frage aufgeworfen, ob daraus eine selbstständige Stiftung gegründet oder die Summe einem schon bestehenden Verein (zur Unterstützung' bedürftiger Lehrer) zugewiesen werden solle. — Am ‘J'J. März bat in Mainz eine Versammlung der hesiiscken Rabbiner und .der -Vorstände der Städten, in welchen Rabbiner sind — zu denen noch mehrere Andere zugezogen waren — stattgesundcn. Ausführliche Besprechungen werden wir nächstens bringen. Irrwege. Ein Ledensdild von J. K. (Fortsetzung.) Seil jenem Markte war ein sinsterer,Geist eingezogen in das Haus der Familie Wohl. Der Pater, seit lange kränkelnd, war bald nach der gestorben. ,— Wo eine Familie in sich versinken soll, wo das Unglück bcreinrübrechen beginnt mit Macht, da löst sich immer zuerst ein Grundstein los, da trickst ein verbindendes Glied aus der seither enggescblossenen.Kette, so, daß die übrigen Glieder ferner keinen Schluß mehr zu finden im Stande sind. Dann hat die Mackst desElescknckes doppelte Gewalt über die übrigen Glieder, es löst sie. ab Glied um Glied, eins dahin, das ankere dorthin.. Aui dem Krankenbette chatte der Vater ernste eindringliche Worte gesprochen zu Reka und der Mutter. Was, habe ich nie erfahren können. Aber so tief auch-der augenblickliche Eindruck bei jenem Kind des Moments', bei Rekch. sein mochte, die Erinnerung konnte keine bleibende Stätte -in ihr finden, und mit dem erblassenden Bildendes Vaters selbst erblaßte auch das von idm gesprochene Wort-"ES'ward schwächer und schwächer, dis sie es endlich nach den ersten Monden des Trauerjahres ganz vergessen batte. gehen. Ost, wenn ich beim deutschen Theile unsre- GeieteS zu ihr hinschaute, wenn ich die Worte sprach: „Unsere Jugend erhalte in der Furcht de- Herrn .... unsere Traurigen tröste," sah ick ihr Gesicht in Thränen gebadet. Was wohl in diesem bekümmerten Herzen Vorgehen mochte? Reue, daß sie ein Berhältniß, geduldet, unterstützt batte, dessen AuSgang sie mit trüben Ahnungen ersiillte? dem sie nicht mit Kraft entgegenzuivirkeu gesucht hatte?! Auch im Hause deS Adjunkten ging die durch Zuträger ausgestreute böse Saat bald auf. Der Vater wollte Christians Verhältniß mit einer Jüdin nicht duldin. Erschallt, er schmähte Christian einen Judenburschen, einen liederlichen Menschen. Allein, was ist das alles gegen die Macht einer bereits eingewurzelten geheimen Leidenschaft? Und beide leugneten, während sie im Gebeimcn Zusammenkünfte verabredeten und aussührten. ES war an einem Freitagabende. Die Lichter im fabathlichen Zimmer der Frau Wohl brannten so Helle, wie in jenen Zeiten, wo' noch Alle in ftoher Stimmung sich um den gastlichen und gemüthlich heiteren Freitagabendtisch versammelten. Aber der Geist des Frohsinns war nicht mehr in dem kleiner gewordenen Kreise. Heute herrschte unter ihnen elfte ganz besondere Verlegenheit. Es war im Hochsommer, wo cs erst sehr spät Nackt wird; schon lange waren die beiden Brüder vom Gottesdienste nach Hause gekommen; man wollte sich zu Tiscke setzen; schon hatte der Aeltere der Brüder im Kiddusch den Sabath, diesem Freudebringer und Lichtspender Israels, Willkomm zugerufen, und noch war Reka nicht da. — Wo sie nur so lange bleiben mag? fragte der jüngere Bruder. Der ältere schwieg verstimmt, ebenso die Mutter und Schwester. Endlich stand der ältere Bruder auf und ging hinaus. Sckon nach wenigen Minuten kam er, Reka bei den Haaren berbeiziehcnd, mit derselben wieder. Er batte sie im Garten getroffen, — bei Christian. Sie hatte, bei ihm Arm in Arm in der Laube sitz nd — den Sabathboginn vergessen. Der Zorn des Bruders kannte keine Grenzen. Er batte ausgeholt. um Reka einen.Schlag auf den Kopf zu versetzen. Tie Mutter, leichenblaß, siel ihm mit einem Schrei in die Arme. — „Du tobtest fic!" schrie sie weinend.. (Fortsetzung folgt.) Ret'a war ein blühendes Mädchen geworden- Sie war fteundlich, mrorkommend, munter, '-und blieb - sich anscheinend gleich gegen alle. Man konnte ibr wohl. einige Wandelbarkeit "in ihren Steigungen vorwerfen. ' Aber dem tieferen Beobachter erschien als Grundzug ibrss Charakters bald Leichtsinn, Üotetterie — Eitelkeit. . Wäbrend sie beute sich den vertraulichen Liebkosungen ihres Vetters hingab, so, daß man glaub » mochte, sie zcickne' denselben vor allen Anderen aus, vergaß sie Morgen seine Anwesenheit,, um mit irgend einem jungen Manne der Nachbarschaft ibr Spiet zU treiben., Christian ging nach wie vor ein und aus,-war ihr bevorzugter Tänzer; doch Niemand abnte, welche tiefe Leidenschaft beide verband. Niemand, laß allzeit bereite Zwischenträger,— worunter auch eine Verwandte, eine freche unsittliche.Dirne, die Tu kanntest, — bemüht waren, das Band, das zum Unglückführen sollte, fester und fester;u knüpfen -Reka wurde von ihren Verwandten und guten Freunden wohl oft gewarnt, aber sie wußte die Tiefe ibrer Leidenschaft so gut zu bergen, wußte sich so.ar den Anschein zu geben, als macke sie.sick über. Christian lustig, der allerdings seine tiefe Leidenschaft bst vcrrietv, daß Alle getäuscht wurden. Ihre Mutter mußte wohl.zuweilcn -ahnen, was rorging, denn — ich hatte'sie seit dem Tode ihres Mannes nie mehr munter gesehen. Mit dem Worte: eine arme Wittwe! wußte sie allen erdeiternden Gelegenheiten aus dem Wege zu Ä n se i g e. Samsonsschule;u Wolfenbüttel. - Die Erweiterung der Anstalt erfordert eine Vermehrung tcs Lehrpcrscnals; es sollen daher baldmöglichst angestellt i werten: 1) ein gründlich gebildeter erfahrener Pädagog, der des Französischen und Englischen mächtig ist, und der! neben ganz freier Station (Wobnung, Kost, Wäsche, Heizung, Licht, ärztl. Behandlung) einen m. 200 Thlr. beginnenden und jährlich um 25 Thlr. bis auf 300 Thlr. steigenden Geball empfangen wird; 2) ein geübter Elementarlebrer, dessen Gehalt —-- bei denselben häuslichen VortbeileN — auf 100 Thlr. festgesetzt ist, aber jährl. um 10 Thlr. bis zur Höhe von 140 Thlr. steigen soll. j Beide Lehrer haben sich bei der Beaufsichtigung der Zöglinge j zu bcthciligkn, und eincr von ihnen muß besähigt sein, den! Turnunterricht zu leiten. — Anmeldungen und Zeugnisse; sind! dcm Unterzeichneten portofrei einzusenden. l! Dneclor vr. Ehrenberg. . Verantwortlicher Redakteur: I. Klingen stein in Lderuheim in Commission bei (!. L. Frttzsche in Leipzig. Rheindefien; Selbstverlag der Redaktion. Für den Buchhandel: in — Druck von I. Dottblebrn in Mainz. i

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