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Der israelitische Lehrer · 1863-04-02 · 14 (2.4.1863) · p. Seite 54

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
14 (2.4.1863)
Date
1863-04-02
Page
Seite 54 (sequence 2)
Language
German
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54 der Wohtthätigkeit, erforderte zunächst einen Mann von humaner Gesinnung. Al« solchen hatte er sich durch seine Schöpfung hinlänglich legttintirt. — Ein Werk, da« zur Förderung der JugendbLlvung beitragen sollte, erheischte einen Manu, der den Werth der Bildung kennen gelernt, und sie hochschähte. Der hochbegabte Haindorf, hatte um den Besitz der Bildung unerschrocken gerungen; - nicht dem glücklichen Zufälle oder liebhäberischem Gefallen, sondern eben jenem Kampfe hatte er auch seine Lebensstellung und seine glücklichen, äußeren Verhältnisse zu danken. Er war, obgleich aus drückenden Verhältnissen in glänzende emporgekommen, dennoch kein Parvenü. Während dergleichen, nach gewöhnlichem Schlage, sich nicht finden können, auch noch den letzten Rest ' von Achtung für das Höhere im Menschen abthun^ allenfalls mit dem Mammon allein glauben salonfähig zu sein und mit der Hoffarth buhlen, auf den .nur Elementarlehrrr" verächtlich herabblicken, schuf Haindors — eine Bildungsstätte für Elementarlehrer. „Gemeine Naturen zahlen mit dem, was sie haben, (auch damit nicht einmal dem' Lehrer), edle mit dem, was sie sind.- — Haindorf aber zahlte mit beiden reichlich für die Verbreitung der Bildung. Also auch von dieser Seite konnte man das vollste Vertrauen zum Dirigenten haben. — Endlich durste man ihm als dem Dirigenten d«S israelitischen Seminar« die' Anerkennung nicht versagen. In dieser. Beziehung kommt zu. dir Anforderung ' der Humanitär die besondere , daß der.Vorstand sich ein ■ Herz für seine Glaubensbrnder bewahrt habe , und an der! Wohlfahrt unv Eultivirnna derselben mit freudiger Hin- : gebung arbeite. Auch hrcrin hatte der Professor sich be- ' wahrt. — Fügen wir noch hinzu, wie yeele Berührungspunkte das Amt eines Lehrers mit dem Berufe eine« Arztes hat; daß Haindorf sich auf. dem Gebiete der Literatur allseitig bewegte, in freundschaftlichem Verkehre mit bedeutenden Schulmänner« stand, bedeutend« psychologische Erfahrung und Beobachtungsgabe besaß: ja ist'eS ganz'natürlich, daß man chm stillschwttgend mit ganzem Vertrauen die Leitung überlassen durfte, und kein Wunsch gerechter und entsprechender sein konnte, als der» daß der Gründer der Anstalt das \ Kind seiner Pflege andern Händen nicht anvertrauen möchte, abgesehen von der durch seinen -Schwiegervater gemachten hochherzigen Dotirung, die schön von Rechtswegen alle Zweifel in dieser Frage zu lösen im Stande gewesen wäre. „Welch' einen Engel haltet Ihr gebildet, den Euch nun Andere verhunzen werden!" . Das häusliche Leben der Seminaristen, sowie deren Fleiß und Betragen Unterwarf der Dirigent seiner direkten Aufsicht, die in der--Thal zuweilen eine strenge genannt werden konnte. Die Erscheinung HaindorfS "war eine imponirende, eine gebieterische, und die Seminaristen verstanden etwas von dem Wolkenzüge, auf seinem Gesichte Bisweilen kam es vor, daß er sich bis zur Härte fortreißen ließ und der schicklichen Grenze vergaß. Er ivar ja kein in Geduld, Takt und Umsicht geüb«rr Schulmann, und mochte» bis-! weilen Einflüsse „Anderer," die sich Geltung verschaffen > mochten, oder Lehrer, die „Nicht fertig perden konnten"! Nickt abzuweiscn sein. .Ost aber auch suchte er wieder besänftigend gut zu machen, wann er in der Aufregung za weit gegragen. Selbst bitter gefühlter Einfluß Diese« oder „Jenes" ging an den Seminaristen vorüber uns sie gingen selbst später stillschweigend darüber hinweg, da man sich gestehen mußte, daß der wahre Ernst und der ruf Gute« gerichtete Wille aus dem Unwillen sprach- Die Behandlung der Seminaristen von Seiten ihrer Vorgesetzten, namentlich der Lehrer, ist ein so wichtiger Gegenstand, daß wir, sowohl im Allgemeinen, als 'auch mit Rücksicht aas die in Rede stehende Anstalt, die Aufmerksamkett deS Lehrers darauf lenken müssen Gewiß ist sie der Grund so mancher Erscheinung bei den Lehrern, besonder« den jüngeren.! (Fortsetzung folgt.) - & ( ( g e m e ine«. Correspondenz. Aus Rheinhessen. Die 14. allgemeine deutsche Lehrerversammlung wird in der Pfingstwoche zu Mannheim adgehalten, und die Hauptfitzungen werben an den 3 Tagen nach dem Pfingstseste, (bas mit unserem mjnrjcp dieses Jahr zusammensällt) an» 26., 27. und 28. Mai stattfinden. ' Von den zur Tagesordnung bereits angcmeldeten Vorträge« entncdmen wir einige der wichtigsten-, als: 1) Die Volksschule als Denkschule, von Psarrer Dr. Rieke zu Müssen in Württemberg; 2) die. Pflege des Gedächtnisses, von demselben; 3) Anwendung des formellen Princips auf einige Lehrzegenstände, — Berthelt, Bürgerschuldirektor in Dresden, 12. Kommunal oder EonfessionSschule? — Kuhn, Oberlehrer in Mannheim; — 14. Wie bildet die Schule sür's Leben? — Biedermann, Bürzerschulvorsteher in Hamburg. 13. Die Würde des Kindes uns ihre Beachtung von Seiten des Lehrers, — A. Schmidt, Lehrer! in Naumburg u. s. w. Wir dürfen erwarten, daß diese so viel Erha.-eneS und Anregendes bringende Versammlung auch von vielen israel. Lehrern, insbesondere aus Süddeutschland, au- Baden, Württemberg, der bayr. Pfalz u. s. w. besucht werden wird. Wen« wir uns auch von vornherein dagegen verwahren, hier eine Sonderstellung einnehmen, eine Clique bilden zu wollen; wenn wir bei diesem allgemeinen deutschen Lehrerseste auch nicht als etwas Anderes gelten und uns füblen wollen, denn äS deutsche Lehrer; wenn wir auch mit ganzem Herzen und mit ganzer Kraft aufgehen in dem Gedanken der Einigung zu dem erdabenen Ziele emer echt deutschen Jugenderziehung und Bildung — was, dessen sind wir alle überzeugt, israelitische-Erziehung und Bildung nicht ausschließt — so führen doch die Verhältnisse selbst eine enqere Anschließung der israel. Lehrer aneinander schon deshalb herbei, weil diese in ihrer weitaus größten Mehrzahl an dem gemeinsamen Mittazstisch weder theilnebmen können noch wollen. Es wird daher erwünscht und gcrathen sein, wenn diese israel. Lehrer einen gemeinsamen Mittagstisch auch für sich bestellten, und könnten bei dieser Gelegenheit Fragen, die nur die israel. Lehrerwelt berühren, wohl verhandelt werden, ohne dem Grundgedanken der allgemeinen deutschen Lehrerversammlung zu nabe zu treten, was wir durchaus verhüten wollen. Wir wollen weder die Berechttgung geben, uns auszuschließen, noch uns selbst ausschließen. Als solche Fragen betrachten wir beispielweise: die Beschaffung geeigneter und billiger Lehrmittel, die Kräftigung und Verbreitung dieses Blattes, als des Organs der israes^-4Ührerwelt, die Gründung gemeinnütziger Anstalten, insbesond3^-zur Unterstützung von Lehrern und deren Relikten, u. A. m.

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