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Der israelitische Lehrer · 1863-03-26 · 13 (26.3.1863) · p. Seite 52

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
13 (26.3.1863)
Date
1863-03-26
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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52 Irrwege. Si» Jbbmfciifc «u -. A. - (Fortsetzung.)" Hast du, me,ne Liede, schon ein Getraidefeld im Mai beobachtet, wenn die Frühlimgsmonde wenig Feuchtigkeit dem Boden zuführten? Wir sehen da die Halme nur langsam wachsen und sich entwickeln, wir fühlen das Leben zn'der Pflanze, aber alles scheint stille zu stehen.flehe da, eia warmer, erquickender Regen, und anderen Tagekennen wir unsere Früchte nicht mehr; sie find so hoch, io üppig .. Du könntest dich in ihnen verbergen. Eo ist'- mit den Gefühlen, mit den Leidenschaften, insbesondere in der Jugendzeit; sie scheinen im Herzen zu schlummern, »nd doch sind sie voller Leders voller verborgener Kräfte; flehe da, ein einziges kleines unbedeutendes Erreigniß, ein Wort, ein Blick, und die Halme schießen schnell empor,- unaufhaltsam, den ganzen Menschen bezwingend. ' ■ Reka war immer noch Kind; tagtäglich ging sie in Nachbars, in Adjunkts, wie man Christians Vaterhaus nannte, weil der Vater als Stellvertreter d«S Bürgermeisters diesen Titel hatte, — auf dem Lande pflanzen sich solch» Bezeichnung, en fort . . . Reka spielte, sang, arbeitete mit Christian. Wer konnte.Arges ahnen? wer sollte dem herrlichen, von Allen geliebten Kinde etwas verbieten, das ihm ein — unschuldiges — Vergnügen gewährte? Es war im Herbste, zur Festeszeik. Im Orte war Jahrmarkt und Reka wurde von ihrer Mutter in den Weinberg geschickt, um Trauben zu holen. Auf .dem Rückwege begegneten ihr eichige junge Juden aus dem Nachbarorte, worunter Simon, ein roh« liederlicher allerwärts verachteter Bursche. Er stellte sich dem Mädchen in die Wege, „Gib mir «inen Trauben," sagte' er. Reka gab chm einen Trauben. „Run auch einen Kuß!" DaS Mädchen erichrack, erröthete, und zitterte. Sie wollte ausweickeu. „Einen Kuß will ich haben," rief der wüste halbbrtrunkene Geselle; die Anderen lachten. Schon griff er nach dem Arme des Mädchens, ohne daß sich Einer der Anderen regte. Da kam seitwärts zufällig Christian' des Wegs daher, er sah Reka, sie ihn. „Christian!" -rief daerschreckte Mädchen, erfreut gerade den zu seben, den sie vielleicht am liebsten sich zur Hülse eilen sah. Christian kam herbei, stieß Simon weg, und bahnte sich mitten durch deit Weg; die Anderen ließen es geschehen. - ' Reka kam hocherfreut mit Christian nach Hause. Am Abend kamen Beide im WirtbShauS zusammen Christian tankte nur mit Reka. Niemand dachte UebleS. Da kam Simon wieder. „Laß mich einmal mit Reka tanzen." — Jetzt nicht, sagte Christian. „Aber warum nicht? habe'ich nicht gleich« Rechtewie Du?" „Tanze mit wem Tu willst; ich werde Reka setzt nicht mit Dir tanzen lasten." ' ,, Simon schlug nach Cristiair.. Es gab. ein Handgemenge, waS zur Folge hatte, daß Christian blutend von seinen Freunden nach Haufe geführt wurde. -Diese hatten sich nur wenig seiner angenommen; warum kümmerte ihn.auch das Judenmädchen? — Reka folgte weinend. Sie mochte jenen Abend nicht mehr tanzen. In ihren Träumen in'jener Rächt mochte ihr wohl! der um ihretwillen leidende Freuud in glänzendem Bilde erscheinen. ' — Wohl schüttelte der alte Vater genes Abends das Haupt, als ihm Rekaalles erzählte. Ihm wollte daallzu vertraute! Verhaltniß seiner Tochter mit einem Christenburschen nicht gefallen. Er theilte seine Befürchtungen der Mutter mit. Diese scherzte darüber. Innerlich war sie erfreut. Eie fühlte sich geehrt, daß der Christ, des.reichen Adjunkten Sohn, ihre Tochter auszeichnete. Diese kriecherisch« Eitelkeit ist eine der traurigsten Eigenschaften unseres Volkes. Die Vornehmen und die Ungebildeten find sich hierin leider gleich. Jene scheuen sich in der Gesellschaft, Juden zu fern. Daher ihr Unschmiegen selbst an solche Christen, deren Gleichen unter Juden sie verachten. Wahrhafte Bildung verräth diefreilich nicht. — Den Ungebildeten ohnedies; düntt die sociale Scheidewand zwischen Jud und Christ noch ebenso hoch als früher; deßwegen find sie außer sich vor Freude, wenn diese Scheidewand von Christen, oft in eigensüchtiger Weise, anscheinend aber nur aus besonderer Gunst Überstiegen wird. Jüdische Gesellschaft ist dann nicht mehr gut genug. Jemehr die sociale Verschmelzung und die Bildung fortschreitrt, umsomehr muß dieses unnatürliche Schmiegen ein Ende nehmen, das derOpferjo viele kostete; Menschenopfer... unerhört! — Reka wuchs, und in ihr die Liebe, die Leidenschaft für Nachbars Christian; Niemand wußte davon. Niemand kümmerte sich darum. (Fortsetzung folgt.) Intrigen. Samsonsschule zu Wolsenbüttel. Die Erweiterung der Anstalt erfordert eine Vermehrung des Lehrpersonals; es sollen daher baldmöglichst angestellt werden: 1) ein gründlich gebildeter erfahrener Pädagog, der de- Französischen und Englischen mächtig ist, und der neben ganz freier Station (Wohnung, Kost, Wäsche, Heizung, Licht, ärztl. Behandlung) einen m. 200 Thlr. beginnenden und jährlich um 25 Thlr. bis aus 600 Thlr. steigenden Gehalt empfangen wird; 2) ein geübter Elementarlehrer, defsen Gehalt —bei denselben häuslichen Vortheilen —auf 100 Thlr. 'festgesetzt ist, aber jährl. um 10 Thlr. bis zur Höhe von 140 Thlr. steigen soll. Beide Lehrer haben sich bei der Beaufsichtigung der Zöglinge zu betheiligen, und einer von ihnen muß befähigt sein, den Turnunterricht zu leiten. — Anmeldungen und Zeugnisse sind dem Unterzeichneten portoftei einzusenden. Dirrctor vr. Ldrevderx. Die Hlllidcls-Lehr-Allstalt von Ignaz Lehmann __ in Neustadt a. d. Haardt (Nheinpsalz) beginnt ihr Eommcr-Eemester am 14. April. Wenn tüchtige Lehrkräfte, erfolgreiche Leistungen, überaus reizende und gesunde Lage, zweckmäßige Einrichtungen, väterliche Behandlung und wahrhaft mütterliche Sorge für Gesundheit, Reinlichkeit, gute Sitte, eine ErziehungS-Anstalt empfehlungswetth machen, so dürfen wir Eltern auf diese Schule besonders aufmerksam machen. — Die Zöglinge gehören allen Confessio n e n a n. Brtefkaste». Herr» B. B. in S. Die Beiträge für Vakanzen find so u»bedentend, daß wir da» Porto nickt wagen können; da» muffen die Gemeinden thun. Ihre» sehr g»t geschriebenen Artikel konnten wir deshalb jetzt nicht -ufnefmen, weil derselbe Segenstand in mebrwen angefangenen »rbetten behandelt, «nd wie Sie sehen, »och fortgeführt wird und wir «och Arbeiten vom »or. Jahre liegen haben. Da» Brtefcke» werde» ww doch al» Luriosa, sobald Raum, erscheinen lasse». Dank für Ihr« Bemühungen und eolstgialischen Gruß. K. Verantwortlicher Redakteur: I. Klingenstet» in Odern heim t» Rheinheffen; Selbstverlag der Redaktion. Für de» B»chha»d«l: i» Lommiffio» hei». L. Fritzsch» t» Leipzig. — Druck »o» I. G,tt»lebe, in Mainz.

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