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Der israelitische Lehrer · 1863-03-12 · 11 (12.3.1863) · p. Seite 44

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
11 (12.3.1863)
Date
1863-03-12
Page
Seite 44 (sequence 4)
Language
German
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44 i Achtungsbezeugung der IKinder auch den Wertb einer Demor« stration Seitens der Eltern, — Während in Berlin zum Ersten- Mal eiu Jude Rechtsanwalt geworden ist, hört manaus Colbrrg, daß dort ein richterlicher Beamter die Eintragung des Samens Elisabeth für die Tochter eines Juden auf^ Grund einer veralteten Eabinetsordre verweigert tabe, weil der Name ein specifisch christlicher sey. Hätte der fromme Richter die Dihel ordentlich gelesen, so wüßte er, daß Elisabeth ein äckt jüdischer Name ist; aber die Frage ist, wie wird das Ministerium die Sache ansehen, und wird es die schon durch verschiedene Declarationen sehr beschränkte Cabinetsordre endlich gang außer Wirksamkeit setzen? (Mit Recht bemerkt hierzu eia Matt: die Mutter Johannes des Täufers hieß Elisabeth s und war doch gewiß eine Jüdin. — Nack dem Eod« civil, welcher links des Rheines (also auch in den preußischen ProvinzenRheinland und Westfalen Gesetz ist, ist im Gegentheil die Eintragung eines Namens, welcher nicht in der Bibel oder im Kalender steht, in das Eivilstandsregister verboten. Irrwege. Lin Lebensbild von I. K. Eine tiefsckwarze Nacht batte sich über die Erde gelagert. "Wohl waren die und da einzelne Sterne am Himmel sichtbar geworden, aber eilend vorübcrziehcnde ließen ihr Licht uiü t zu einem stetigen werden^ Es war eine jetzer unfreundlichen Heibstnäckte, die' der Ledeysgeschichte. eines in seinem Innersten von Leidenschaften durcdwühlten Menschenleoens gleichen. — Kein Leben ist ohne Lichtblicke; selten eine Nacht, ohne daß, wenn auch nur einzelne Himmrlsauvdn freundlich herniederschauen. Aber das sturmberve. te Leben siebt nicht die durchleuchtenden Feuerzeichen /einer; src endlicheren Welt, wie in sturmbewegten stiästen wir nur die' Wölken-, die unseren Horizont verdunkeln und nickt die St.rne schauen, , die zuweilen aufbliben. Wind und schw-re große Regentropfen, die herabfielen, störten eine einsame nächtliche Wanderin nickt,' die scharfen Schrittes einen Bergabbang herabwandelte, und die von irgend einem Gedanken gctrieb. n, selbst durch die Lgst auf ihren Rücken und in ihren Länden nicht gestört wurde, die doch mit Rackt, Wind und Wetter, mit der leichten Ktrtdung und dem anscheinend schwächlichen Körper zusammengebalten, geeignet war, ihren Gang in Etwas zu läbmen. Wir sggerz, trotz lihrem 'etwas größeren Packe auf dem Rücken, der sehr sorgfam befcstigt war, und ihrem klerneren^Büntelchen in der Hand-schritt die Wanderin scharf einher auf dem unebenen steil absteigenden Berapfade, nur etwas leicht vornübergeb. ugt. War die Last aus dem Rücken keine schwere? Oder mochte ihr die Last auf dem Herzen wohl das Gleichgewicht balt.n? Oder war die äsißere Last eine süße; doppelt süß gegenüber dem Drucke, der auf dem Herzen lag? Eden war sie an der äußeren Master einer langdazingestreckten Stadt angekommen, vor deren beleuchteten Fenstern ihr schon einzelne Lichtstrahlen rntgegevwinktjen und wollte sie, von der geraden Straße ab um eine Ecke bürgen'. als eine Wolke sich tbeilte, und eine kleine Mondsichel einen Moment die Umgebung beleuchtete; wie von jähem Schreck ergriffen blieb die Wanderin stehen. Sie hatte einen, Friedhof, ein paty n’2 vor fick gesehen, der so ruhig er dalie^t, und gleichwohl die müden Herzen, die unter den Steinen liegen, die wie Finger zum Himmel ewpordeuteu, hier ihr. ir Frieden gefunden, doch das Herz des Menschen, dem hier Lieben schlafen; erbeben macht. Sie blieb, wie festgebannt stehen. —1 So bin ich denn angekomm.n — ich bin da, bin bei Vater und Mutter; nur diese Mauer trennt mich von ibnen! murmelte sie Darf ich aber hinüber? Werden sie ihre abgefallene unglückliche Tochter nicht aus dem Grabe heraus verstechen? Werden sie sich nicht im Grabe herumdrehen? Aber wie, träume ich? Oder habe ich geträumt? War es nicht gestern erst, wo ich mit meinem Kinde in Baltimore stand, ferne — dort in Amerika; und jetzt zu Hause. War'- nickt gestern, wo der Mann mit dem grauen Barte, — er kannte mich, ich aber wußte nicht, daß es der alte Mordechai war, der nachdem er lange Jahrs mit seiner Dea in Bayern nicht getraut werden konnte, nach Anlerika ging, nach Amerika — es sei verflucht!-ja dieser Mordechai, hat er mich nicht gestern erst auf's Schiss gebracht, und heute scho» bin ich hier, und bin dock so lange gefahren — bis nach A.; und jetzt bin ich. hier! Ick habe geschlafen, ich habe geträumt, aber ach, sehr böse geträumt. O . .. Vater: .... Mutter! . . Endlich bin ick bei Euch! Ich darf nicht hinüber, ich fürchte mich über die Mauer hinüberzugehcn; sie alle, die Todcn, würden fluchen; sie' alle würden mich verfolgen. Aber hier will ich stehen; Komm, Kind, hier Njollen wir bleiben! Hier werden sie mick doch sticht vertreiben? Und in eiliger Hast band sie die Last auf.ihrem Rücken los und nahm ein Kind heraus, dem sie die Brust reichte; sie setzte sich aus einen niederen Stein ganz am Ende des Friedhofs, und entschlief nach einer geraumen Weile,- nachdem sie ihr Kind geträntt, und einige Brodkrumen aus der Tasche an ihrer Seite genommen hatte, die sie zernagte. . Stürme sausten, Wolken flogen vorüber, kalte Regenttopfen fielen vom Himmel hernieder; die arme Schläserin, die! seit Monden nur das eine Ziel kaunte, das sic jetzt erreicht, hatte; die mit ihrem Kinde fast bewußtlos die Ueberfahrt übers Meer gemacht hatte, nur dies eine Ziel im halbschlafenden Geiste, schlief nicht weit davon, wo ihr Vater, ihre Mutter, den ewigen Schlaf schliefen. Am Morgen wurde die Bewußtlcie vor die Polizei gebracht, wo sie nur das eine Wott „Judenlehrer* hervorbrachte. Dieser wurde gerufen; die Kranke war längst Mieter in ihre frühere Bewußtlosigkeit zurückgesunken. Lange blickte er in ihm eine trübe Erinnerung hervorzaubernde Gesicht; da rie Reka! und, aufblickend, lächelte die Arme einen Moment, auch nur einen Moment! Der Lehrer eilte nach Hause. Von seiner Frau ließ ei ein ruhiges Zimmerchen für die Kranke bereiten, und führt« die Bewußtlose hinein. Dann setzte er sich zu seiner Frau, un!> erzählte derselben eine traurige Geschichte. Wir wollen sie! mit seinen Worten nacherzählen. (Fortsetzung folgt.) dies er: aber Briefkasten. Herr Kl. in S. Wollen Sienickt die Arbeit nochmals aufnebmen odir abschreiben? Ich bedauere sehr den Verlust Hatten Eie's der Post Übergaben? Da gebt doch selten etwas verloren. Eie können dies unfrankirt senden. Herr I. I. R. in S. A. U. Pardon I Sie müsien noch warten! Bald brieflich mehreres. Der Auszug aus der Ree. i. Magj. isr. werte ich nicht bringen. Es ist eia Prineip von mir, unser Organ zu selbstischen und persönlichen Zwecken zu Belobuagin unserer selbst nicht zu benützen, wie es zuweilen in anderen jüd. Blättern geschieht. Das ist Eharlatancrie. Umsomebr — meinen fr. Dank. Für unsere Abonnenten in Ungarn .erlauben wir uns di« Bemerkung, daß, wie auch uusere Titelvignette bezeugt wir unter fl. 2 ö. W. den Jahrgang nicht liefern können. Auch das ist im Verhältniß zum Eours des österr. Papiers gewöbnlich nicht ganz deckend; wir wollen jedoch in Anbetr. d. Stempel re. für 2 fl. ö. SB. dea Jahrgang liefern und bitten die Herren S. @. in 6., Ä. und W. in W. u. A. das zu berücksichtigen. Papierscheine werden , am leichtesten unter Recommaudation ohne Werthangabe befördert. — Die Mittheilungen der Letzterm find erwünscht. Wir bitten schließlich um Entschuldigung, wenn wir die Fortsetzungen nickt nach einander bringen. Die Verschiedenheit des uns vorliegenden Stoffes läßt eine andere Behandlung nicht zu. K. Verantwortlicher Redakteur: I. Klingtnstei» in Oderuheim tu Rheinbeffen; Selbstverlag der Redaktion. Für den Buchhandel: in Eommisfion bet E. 8. Kritzschs in Leipzig. — Druck von I. Kottsleben in Mainz. i

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