Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 11 (12.3.1863)
- Date
- 1863-03-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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I Jährlich 52 Nummern. Preis des Jahrgangs 1 Lhkr. — 1 fl. 45 L. Bet frankirter Zusendung unter strenzband 2 fl. 12 kr. Bestellungen nehmen all« Postämter und Buchhandlungen an. Der srEisOe Aelrrer. Organ für die Schule, die Familie und das . Herausgegeben von I. Kliugenfieiu, Ignaz Lehmann und A. Treu. Anzeigen zu 1 Egr. die PetitjeUe. Aufnahme in die Lehreroacanzenliste2t^Sgr. Ein jendungen eiuweder direkt an den verantwortlichen Redakteur oder a« die Verlagshandliing. Gemeindeleben des Zudenthums. IX«. LL. Mainz, dm 12. März >1863 (Dritter Jahrgang.) Die israel. Religiousfchule im Großherzoglhum Heffe«. Von Lrhrer Dttrusosrr )U Püdingrn. (Fortsetzung aus Nr. 7.) II. Die israel Rcligionsfchnle vom ktligiösrn Etlmdpuvkte an» betrachtet. Unsere Weisen sagen: m -fr rmy, „schaffe dir einen Lehrer." — D’OE1 sriioa ■pi «nio, „ehrsürchte deinen Lrhrer, «ic du Gott rhrfürchtcst." — Schon in frühester Zeit, von David, heißt es: „er nannte Ahitophel: Lehrer, Fürst re., obgleich er nur zwei Worte von ihm gelernt hatte." Ueberhaupt, unsere Altvordern erblickten in dem Religionsunterricht den Cardinalpunkt des Judenthums und der Judenheit. Väter und Mütter wetteiferten im Ueberbiingcn der Kinder ins Lehrhaus, wenn diese noch zu jung oder nicht wegfähig waren; die Kinder liebte man als Gottesgeschenk und um sich besten würdig zu zeigm, war das erste und Hauptbestreben der Eltem, sie der Thora zuzuführen. Lehren und Lernm der Thcra war der heiligste Beruf. Wichtiger war das Studium der Thora als Beten. Beweis von Simon Sohn Jochai, der sich wegm angerückter Brtzeit in seinem Thora-Studium nicht unterbrechen ließ. Bei Aufführung der Rangstufen der Heiligthümer, steht das Lei hamidrasch höher' als das BethauS; denn dir Thora wird der „Lebensbaum" genannt. Der Unerfahrne in Religion wird Am haarez genannt, dm Rabbi Akiba wie einen Fisch zu behandeln erlaubte. Man könnte Tausmde von Lehrsprüchrn aus unseren Religionswerken citiren, welche unwiderlegbar darthun, daß die Existenz des ZudmthumS und fein Fortbestehen von der Existmz und Befchützung der ReligionSfchule abhängig gemacht wird. Za sogar höher als den Bau des Tempels wird nach Megilah Seite 16 b der religiöse Unterricht gewürdigt, nach der Meinung von 21; nach l. o. höher als Eltemehre. — bewegen, existirte. Aber traurig ist das Geschäft der Aufstellung der Differenzpunkte zwischen Sonst und Jetzt, in Ansehung der Religionsschule. — Früher, -strn. ny?, bedrohten die Staatsgcsetzr den Religions-Unterricht mit dem Tode, mit wahrer Todesverachtung ließ man sich aber vom Let 'bamiflrascb Glicht zuvückhaltcn. Jetzt thut eS noth, der Staat! erläßt ein Gefc^, um den Religions-Unterricht obligatorisch zu erklären. Sonst, nach Aböl, Kap. 6, 9 ließ man sich nicht da zu wohnen, wo kein Lehrhaus der Thora Jetzt stehen'die größten Gemeinden verwaist ohne Rcligionsschule, namentlick da, wo der Vorstand kinderlos ist, oder keine! schulpflichtige Kinder hat. Sonst sah man die Religionsschule als die wichtigste und erste Bildungüanstalt der Kinder an. Jetzt hört man sprechen: „Deutsch müsten meine Kinper lernen, das Oren (weiter nichts?) lernen sie doch, fcir brauchen keinen Religionslehrer." Ehemals bettelte der Vater, um das Lei bamidi ascb - Geld zu beschaffen; er that eS gern, weil für eine heilige Sache. Jetzt bettelt der Vater für das Rcalschul-Geid seines KinoeS, an die Religiousschule denkt er nicht, im Entferntesten. Ehe-' mals war der Religionslehrer eine von Eltern und Kindern hochgeehrte Persönlichkeit. Jetzt ist der israel. Religionslehrer nur noch ein Luxusartikel, oder ei» nolhwendiges Uebel der Gemeinde. Ihm schiebt man die übermäßige Belastung d«ch Gemeinde in die Schuhe, nicht als wenn er der ReligionSfchule, sondern diese seinetwegen da wäre. Nicht eingedenk der Mißachtung seiner Person, welche man so leicht und! unerheblich findet gegenüber dem deutschen Lehrer, vor vcm man schon von Ferne die Kappe abzieht und Reverenzen macht. Sonst war das erste Bedürfniß der Gemeinde j die Erwerbung eines Lehrers. Jetzt schafft man den Lehrer ab, um mit der dadurch'gemachten Ersparniß eine Synagoge zu bauen. *) Ad vocem Eynä- *) Wie der Vorstand in Echzell an das Ikreisaoit Nidda, als Motivirnug der Kündigung ihres braven und sehr tüchtige» Lehrers, b«- richtet haben soll. | Anm. d. Eins. ' > i