Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 6 (5.2.1863)
- Date
- 1863-02-05
- Page
- Seite 24 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4896751-5428748-5431176--0442-4897120- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
I I 1 24 »fficielle Berichtigung: „Unter der Aufschrift: „»Ein neues Mortarakind in Verona"" erzählen einige Blätter eine Anektode von einem Judenkinde, welches von katholischen Geistlichen und sogar unter Assistenz der. Polizeibehörde gewaltsam zur Taufe gebracht worden sei. Auf Grund genauer Nachforschungen wird erklärt^ daß diese Erzählung unwahr ist, und es sch eint,.daß dieselbe tutch den einfachen Umstand veranlaßt worden sei, daß eine hierortige israelitische Dame, welche in Erfahrung gebracht hätte, daß ibrc von Geistesverwirrung hcimgesuchte Magd ihr (der Dame) siebenjähriges Kind heimlich der Taufe unterzogen zu haben behauptete, aus Furcht vor, man weiß nicht welchen Folgen,, sich bewogen fühlte, dieses Kind zu einigen ihrer Verwandten fern von Verona zu bringen. (Jedenfalls ist es traurig genug, daß eine Mutter durch das Wort einer an Geistesverwirrung Leidenden sich veranlaßt sieht, ihr Kind von sich zu, entfernen. Red.) ■ kam glücklicherweise gerade in's Dorf, er besuchte den Kranken, und beim Weggehen, als Lipp kummervoll fragte, zuckte er die Achseln. . Lipp wurde leichenblaß: aber zum Kranken zurückgekebrt, that er sorglos und suchte ihn aufzumuntern. „Ich habe heute stoch nicht gebetet," klagte der Kranke, „Tu weißt, wie ich meine Gebetriemen anlege; hilf mir, ich kann mich nicht regen'." Lipp half.dem Kranken die Gebetriemen tim die Stirne und den linken Arm legen und sagte endlich lächelnd: „So, seht kannst du bester kutschiren." Mit schwacher Stimme wehrte der Kranke ab: „Mach' jetzt, keinen Spaß, thu' das nickt, Tu versündigst dich. Ich nehme Tir's aber nicht übel. Da, gieb mir die Hand, und ich bitte Dick, verzeih' mir auch Alles, was ich Dir je zu Leide gethan oder geredet, und wenn mich mein Bruder und die Andern nicht^mehr am Leben treffen, sag' ihnen allen, daß ick.Mllen verziehen habe ... wenn sie mir wis- , Deutlich ode^Änwilst»»rsch etwas Böses gethan ... sie sollen mir : auch verzeihen —" Leder her?. (Schluß folgt ) (Aus den Erinnerungen des Pfarrers vom Berge.) (Fortsetzung.) Der Lederherz war eine lange, knochenstarke Gestalt; man sab eS ihm aber-an, daß er sich schleckt nährte. Denn sechs Tage in der Worbe lebte er fast nur von Kaffee und Kartoffeln, nur selten gönnte er.sich eine Eier- oder Mehlspeise, die er bei seinem Gastfreunde, dem Schuster Lipp, in eigenem Geschirr selbst bereitste. Mit dem Schuster, Lipp lebte er in.inniger Freundschaft, die sich über fast nur in beständigen Neckereien und Religionsftreitigkeitcn kund gab. Der Schuster Lipp war ein Schristgrübler und suchte seinen Freund 'zu unserem Glauben zu bekehren; aber der Lederherz hielt ihm . tapfer Stand, und seine gewöhnliche Entgegnung wäre „Eines wenigstens könnt ihr uns nicht vorwerscn. Wir suchen nie einen Andersgläubigen zu bekehren." — Es war in meinem letzten Winter in Waldhausen, wir hatten fast drei Monate - ohne Unterbrechung steife Kälte, der Lederherz kam seit zwei Wochen nicht in's Torf, man vermißte ihn allgemein, und es hieß,- er müsse schwer krank oder gar schon gestorben sein. Lipp .sagte, wenn er auch diese Woche nicht käme, >o wandre er nach seinem Heimatdsdorse. Am ersten Sonntag nack Reujabr kam aber der Lederherz und schleppte sich mühsam mit seinem Pack bis zum'Hause 'eines Gastfreundes. Keuchend sagte er: „Ich hätte Jaheim bleiben sollen. Aber Gottlob, daß ich bei Dir bin,-Lipp:" - ' . Der Lederherz sah noch abgehärmter aus als sonst, und auf der linken Seite, war die Batte seines Rockes gewaltsam zerrissen. Lipp wußte, haß das ein Trauerzeichen sei, und Leder- Herz berichtete, daß seine Mutter gestorben sei und er deßwegcn so lange nicht gekommen war, „Und. jetzt bin ich selber schwer krank," klagte er. „Das war. mein letzter Gang. 'Run denn in GotteS Namen, .wenn ich draußen sterben soll und nicht daheim, sterbe ich.am. liebste» bei Dir. Ich fürchte, ich höre 1 morgen deinen Hahn nicht mehr krähen. Schick sogleich einen . Boten nach meinem Torfe:. Mein Bruder und wer sonst noch will und kann, soll zu mir'kommen und bei mir sein, wenn ich sterbe." Der Schuster" Lipp suchte ihm seine Aenzstlickkeit auszureken und scherzte darüber,' that aber doch schnell Alles, um es dem Gaftfreunde so behaglich a!s möglich zu machen. Das einzige Bett, das in der-Wärme stand, das Himmelbett in der Stube für die Großmutter wurde ihm eingeräumt, und bald schnatterte Lederherz, vom Fieber geschüttelt. Der Arzt Lehrervacanzeuliste. Einmalige Aufnahme 18 kr. — 5 Sgr. Erledigt ist: Tie Israel. Religionslehrer- und Vorbeterstellc zu Lorsch, Kreis Heppenheim a. d. Bergsttaße. Gehalt -W > ff. freie Wohnung und Heizung. Anzeigen. Ein Lehrer von tüchtiger Berufsbildung, der mehr aus offene.und freundliche Behandlung als auf großes Salär sieht, wünscht eine Stelle, wo er nicht Vorbctcr zu^sein braucht. Näheres bei dem Redakteur d. Bl. Herrn I. K l i n g e n st e i n, Lehrer in Ddernbeim in Rhcinheffen. Bei dem Unterzeichneten ist der fünfte Band der fer ä tz'schen Geschichte, neu, zu 1 Rthlr. 15 Sgr. zu haben. Briefe franco. Bocholt (Westfalen) A. Moos, Lehrer. Aufruf. Herr Leopold Goldschmidt in Mainz gründete zu Gunsten verdienstvoller Lehrer der (hessischen) Nheinprovinz eine Stiftung, deren Zwcck laut §. 7 der Statuten dahin geht: „den Ertrag der jährlich eingehenden Zinsen an Lehrergleichviel welcher Confcssion, zu vertheilen, welche in anerkannt wirksamer Weise auf Geist und Gemüth der Schüler wirken undsich durch Eifer und Berufstreue auSzcichnen." Demzufolge werden hiermit diejenigen, welche Ansprüche an gedachte Stiftung zu machen wünschen, aufgefordert, ihr deSfallsigeö Gesuch mit den nöthigcu Belegen begleitet „bis spätestens den 1. Mar; d. I." bei dem Unterzeichneten einzusenden. Mainz, den 18. Januar 1863. Der Verwallungsralh der L§op. Holdschmidt'schen Briefkasten: Herr H. Kl. I. d. IS. in E. Bedaur«, ich habe Jbren gen. Artikel nicht empfangen. Kl. Verantwortlicher Redakteur: Z. Klingenstein in Odcrnhetm in Rheinbessen; Selbstverlag der Redaktion. Für den Buchhandel: in . - Commisfion bei L- L. Fritz sch e in Leipzig. — Druck von I. GottS leben in Mainz. X I