Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 2 (8.1.1863)
- Date
- 1863-01-08
- Page
- Seite 8 (sequence 4)
- Language
- German
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8 fcm Hause Gottes gebühret. Gerade unsere Gemeinde, die schon seit langen Jahren' dem Fortschritte huldiget, kann sowohl hinsichllich Ihrer religiösen Grundsätze als der Ruhe und Ordnung, die in unserer Synagoge herrscht, als Muster gelten. Die Bemerkung des H Lorrespondenten, als würden Gemeindeglieder, selbst während des ThoravorlesenS muchwillig aus- und eiNgehen, ist eben auch unwahr. Wenn es fich ferner der Korrespondent bcigehen ließ, die Art und Weise unseres Gottesdienstes mit Chor-und Orgelbegleitung, als der Gemeinte oder einem Theile derselben zu neumodisch und deshalb mißliebig, darzüftrllen, so ttägt dieser Angriff viel zu sehr den Stempel persönlicher Gehässigkeit und der Luft zur Aussaat von Zwietracht, als daß er einer Entgegnung werth wäre; denn es bcsteht-diescS Institut (Orgel- und Ehorgesang) schon seit ca. 16 Jahren, und es ging unsere Gemeinde hierin Vielen größeren Stätten als nachahmungswürdiges Beispiel.voran. Wenn zuweilen eine Stimme mißliebig darüber wird, so gilt dies keineswegs dem Institute selbst, sondern . deti mangelhaften Leistungen teSstlben, sowie der autokrattschen Direktion, die sich nicht scheut, um persönlicher Eitelkeit zu huldigen, die Synagoge zum Concerlsaal zu erniedrigen nnd darin nach Belieben Musitftücke mit abwechselnden SoliS, Duetten re. vorzUtragcn. Würde diesem Miß-- stande, der in keiner, selbst der neuensten Richtung huldigenden , Gemeinde, wo ebenfalls Orgel- und Chorgesang eingerichtet ist, vorkömmt, durch diese öffentliche Besprechung abgcholfen und der Chorgesang aus eine^ seinem Zwecke entsprechende mündige Weise-geregelt werden,dann hätte der SCorrcspondent wider Willen ein gutes. Werk gefördert. Unsere Gemeinde mit kleinen Ausnahmen, hängt noch mit Liebe an der würdiger Frier ihrer Sabbath- und Frsttaggottesdicnste. L>. Allgemeines. Amschau.. Berlin. Der Kultusminister hat an den Magistrat von Posen unterm 10. Dez. ein Schreiben gerichtet, worin er reinseiden mittheilt, daß Lee. den Dr. Juttosinski betreffende Petition vom 22. Mai d. ,J. ihm von dem Präsidium t.cs Abgeordnetenhauses überwiesen worden', daß er sich jedoch außer Stande sehe, eine weitere Berücksichtigung der gestellten Anträge eintreten zu "lassen, und daß es bei der Fortdauer d.r bisherigen Verwendung des Dr. Jutrosinsky als außerordentlicher Hilfslehrer an der dortigen Realschule, welche er genehmige, sein Bewenden haben müsse. Indem er zur Begründung dieser Entscheidung auf die Verhandlungen des Abgeordnetenhausesvom 18. August d. I. und den Erlaß des früher.« Ministers in derselben Angelegenheit Bezug nimmt, erklärt er, daß der Gegenstand (bei seiner weit-- greifenden principiellen Bedeutung) seine schließliche Erledigung erst im Zusammenhänge mit dem in Aussicht genommenen UnterrichtSgesetze finden werde. - Gera. Bei der Beräthung der Gewerbeordnung erregte die Ansicht der' Regierung, daß die Nichtchristen (Juden) die gewerbliche Niederlaffungsfreiheit nicht haben sollt.«, wobei sie ^flch auf die erorbitante Bestimmyng her Geldern'schen Verfassung von 1857 brrief, daß JudeK nicht einmal bürgerliche geschweige denn staatsbürgerliche Rechte genießen sollten, gerechtes Aussehen. Abg. Jäger wies auf das Ungeheuerliche solcher Be- - stcmmungen hin, in einer Zeit, wo der Ikaistr von Oesterreich > Juden im Herrenbause berief, wo in ganz Deutschland Juden; in staatsbürgerlichen Rechten gleichgestellt sind; er hob hervor, > daß es den! Bestimmungen der Bunlesgcsetze (?) widerspreche, I die Juden der bürgerlichen Rechte bar zu erklären sc. —Das Haus Rothschild in Frankfurt, London, Pari- und Wien, hat, wie die. „Neuzeit" meldet, für die armen Belgrader Juden 25,000 Frostes bestimmt, und diese Summe dem Konnte überwiesen, dassick mit Sammlungen zu diesem Zwecke beschäftigt. Stockholm. Die Regierungs-Proposition wegen Lermäh- , lung zwischen Christen und Juden kam am 11. Dez. bei de? Ritter- 1 scbast und dem Adel, sowie im Priester- und Bürgersthnde zur Verhandlung, wurde vom Ritter, Bürger- und Bauernstände angenommen, ist also Gesetz, obwohl es vom Priesterstande ablehnend zurückgesandt. > Erlangen. Dr. Herz, einer der hervorragendsten medil ciniscken Lehrer und einer der vorzüglichsten Aerzte, den die bayrische Negierung, weil er Jsraelite ist, nickt mm Professor , befördern, sondern nur den Titel „Ehrenprofcfior' verleihen wollte, (was Dr. Herz zurückwieß) will Erlangen und Bayern verlassen. I Württemberg. Die Schulstelle in Lauphcim ist mit425 st. i ausgeschrieben. '! — In!Jebenhausen fand am 19. Dez. die Einweihung I der neu rcstaurirten Synagoge statt; die Stuttgarter-Liturgie j ist dort cincieführt, und der Gesang wird von einem Haimonium begleitet, das der christliche Schulmeister spielt. Zur 8aKbatseier. Wenn chir uns in manchen jüdischen Häusern der Jetztzeit umschauen, Iso sehen wir darin ,das wunderlichste Gen lisch von Vernachlässigung und Festbalt.n der religiösen Gebräuclie. Während die wichtigsten und strengsten Gebote unterschätzt und mißachtet werden, hält man mit eiserner Fähigkeit am Geringfügigen; wahrend die acht jütischen Gebräuche fallen, halten sich die aus dem Heidentbum überkommenen Mißbräuche. 'Der Vater macht Kiddusch — während der Sohn noch im Geschäfte ist,! oder er gibt selbst am Tische dem anwesenden christlichen Knechte die Aufträge 'ür die Feldarbeit am Sabbath. Die Frau! verkauft das pan und der Mann gibt keinen Seder. In einer großen nb'.np geht am Pursm alles zur n^jD, während sonst an Sabbattagen die Synagoge leer steht; die Frau führt diel strengste koschere Küche, und — achtet weder die bedeutsamen Gesetze der Reinigung, noch übt sie in religiöser tief inniger Beziehung einen Einfluß auf ihre Kinder. Ich kenne einen sch: gebildeten Vorstand , der -den Lehrer verfolgte, weil er — im christl. WirthShause einen Häringsalat gezeffen hatte; im guten Glauben — denn der Vorstand aß ihm gegenüber.Schinkenbrödchen. Die Frau desselben Mannes zün-det am Sabbaty kein Feuer an, ruft aber hrem Manne: ft. komme einmal herüber, und lege ein Sckeitchen auf's Feuer,nfanst wird es verlöschen'. — Ber solchen Vorkommnissen fällt mir immer eine treffende Anekdote, die mir mein Lehrer zuweilen erzählte, bei: Kam einst ein Mann zum Rabbi, um fich roiE»n zu holen: er habe gegessen, ohne zu benschen! „Ei," sagte her Rabbi , warum haben Sie das gethan?" „Ich hatte mich nicht gewaschen." Der Rabbi, erstaunt, fragt weiter: „Aber warum haben Sie sich nicht gewaschen? „ES war unpassend an jenem Orte." „Wie so, unpassend?" fragt hieraus der Rabbi. „Es war bei einem Christen." ' „Bei einem Christen? fragt ganz bestürzt der Rabbi. „Man hatte bei einem Juden nichts bekommen können." Warum? „Es war am 11S3 Oi'I Dru^fehlerberichtignng. In Rr. 1, S. 1, Ä. 2, Z. 13 v. oben ist das Wort „Erreichung" zu streichen. Verantwortlicher Redakteur:- Z. Klinäenstei» in Odernheim in Rhemheffen; Selbstverlag der Redaktion. Für den Buchhandel: in ' Commission bei E. L. Fritzsche in Leipzig. — ®ruef »on I. Sottsleien in Mainz.