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Der israelitische Lehrer · 1863-01-08 · 2 (8.1.1863) · p. Seite 6

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
2 (8.1.1863)
Date
1863-01-08
Page
Seite 6 (sequence 2)
Language
German
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6 Aber ich glaube nicht, daß es möglich sei, das Ganze dcS Pentateuchs im Urtext zu bewältigen. Schloß in Speyer r Ich muß doch daraus aufmerksam machen, daß wir die ganze Bibel den Kindern nicht in die Hände geben sollten,, da dieselbe, entgegen der Ansicht des Vorredners, doch schlüpfrige Stellen enthält, die durchaus in der Schule nicht gelesen werden dürfen. Salomon von Rülzheim r Das darf uns aber doch nicht hindern, den Kindern die Bibel in dte_Hand zu geben und mit ihnen durchzunrhmen; kommen solche schlüpfrige Stellen, so sind sie eben einfach zu überspringen. Rabb. Merz: Der Anfang.der-Bibel ist leicht und anziehend und ich bin der Ansicht, daß im 8. Jahre tienesis begonnen werden kann; die 2. Klasse liest den Exodus und etwas aus Numeri — Levitieus ist ganz zu übergehen und die 3. Klaffe ist dann hauptsächlich mit dem wichtigen Deuteronomium zu beschäftigen. Rab.-Cand. Seligmann: Ich theile die überzartc j Feinheit durchaus uichk, und '-ans von einem Gebrauch der; ganzen Bibel* keinerlei Befürchtung für 'bk Sittlichkeit hegen. Wir haben die B:bel jetzt. weit weniger in Schule; und Haus als früher; sind wir darum sittlicher, züchtiger! geworoen als unsere Vorväter? Der Vorsitzende: Ich. stimme in einem Punkte mit dem Vorredner ganz' überein: feien wir nicht „over-; vice," wie die Engländer sagen, nicht so überzart und all- > zu empfindlich. Wir können' ja unsere Schüler doch nicht! davor hüten, daß im Hause'und auf der Straße und früh 1 genug im Leben ihnen Worte und Handlungen vor Ohr und Auge kommen, die mehr verletzen, als das schlichte Bibclwort. „Dem Reinen ist Alles rein ," meine Freunde, und geht der Lehrer nuv ruhig und'vom zweideutigen Lächeln nianchcs Schülers unbeirrt mit hohen: sittlichem Emst über solche Ausdrücke und Stellen einfach weg, so können diese keinerlei Nachtheil« haben. "Daß cs solche Stellen aber wirklich gibt und von einer ganzen Durchnahme des Pentateuch nicht die Rede sein kann, das ist doch wohl klar genug. Was würden Sie von' einem Lehrer urtheilen, der z.B. die Geschichte von^uda^I'LmLr^Loths Töchter in der Schule durch nähme? Und selbst die Geschlechtsregister, Zählungey, Bau der Stiftshütte sind wegzulaffen. Aber mit aller Energie und aus tiefstem Herzen müssen wir uns Alle einer Ansicht entgegensetzen, die uns Gottes Wort aus der Schule nehmen will. Ich kenne das'Johlson'sche Buch; es ist ganz gut geschrieben, aber, nach dem heutigen Standpunkte der theologischen Wiffenschaft schon halb und halb veraltet, überholt. Und wir sollten Gottes Wort gegen Johlson's Wort vertauschen? Nicht so, meine Freunde,' dieses Kleinod Israel'»,' für das unsere Alten gestritten und gelitten, eS bleibe auch unser und unser Kinder Eigenthum. — Hierin ganz mit Herrn Seligmann einverstanden, fühle ich mich aber auch gedrungen, gegen ihn, unfeire Zeit gegen die alte in Schutz zu nehmen. Ich behaupte, unsere Zeit.ist, namentlich in den jüdischen Kreisen, bester, moralischer, ja züchttger geworden, als die'altc. Das Zurückdrängen aus der gek Einschließen in die Ghetti, das ildctcu Gesellschaft, die Verbote von Heirathen und Niederlassungen, wie solche noch bis vor Kurzem z B. im jenseitigen Bayern bestanden haben, das Beschränken im Erwerb, das den Juden auf den sgcn. Nothhandel hindrängte — daß Alles hatte auch, nach meiner eigenen Erfahrung, einen sehr nachtheiligen Einfluß auf den ganzen sittlichen Halt des Judenthums. Sehen Sie heute sich um, meine Freunde, werfen Sie.z. B. einen Blick auf die Mehrzahl unserer Pfälzischen Juden, wie sic im Ganzen einem geordneten und regelmäßigen ^Erwerb sich hingeben, welche großen Opfer sie in der R^gcl für die Erziehung und Bildung ihrer Kinder bringen; dann blicken Sie auch in die Familicn-Verhältnisse, in das gegenseitige Verhalten der Jünglinge und Jungfrauen — und Sic werden mit mir unserer Zeit den Vorrang zugcstchen vor der alten Zeit, auch in der Sittlichkeit, in der Züchtigkeit bei nnseren Glaubensgenossen. (Fortsetzung folgt.) Correspondeuz. Aus Rheinhessen, im Januar« Wir haben schon in Nr. 2l d. v. I. unserer Zeitschrift den einzigen Weg angedeutet, der einzuschlagen ist, um der Zerrüttung des israel. Religionöwcsens im Großh. Hessen entgegcnzuwirken; das der Kammer vorliegende ReligionSgcsetz macht das Vorgehen nach dieser Richtung noch dringlicher, weil möglicherweise der Staat die Ordnung der religiösen Angelegenheiten sämmtlchcr Confessionen — und das ist im Grunde das Richtige — außer Hand gibt, diese sich selbst überläßt. So erwünscht dies uns dem Principe nach sein muß, so ist doch unzweifelhaft, daß eine grenzenlose Verwirrung, eine Auflöjung der bestehenden religiösen Veranstaltungen und Institutionen'die unmittelbare Folge sein würde: Wir widerholen daher unseren Vorschlag, der übrigens bereits von vielen Seiten Billigung gefunden hat. — Die Gründung eines „israel. Vereins" im Großherzogthum Hessen ist eine erhabene Aufgabe für unsere Glaubensgenossen in diesem Lande, eine unbedingte Nothwcndigkeit. Was soll dieser Verein? Er soll gemeinnützige religiöse Anstalten, einen Mittelpunkt für das religiöse Leben schaffen; er soll das Judenthum nach Außen und Oben vertreten; er soll die Hebung der Rettgionsschule, die Verbesserung der Lehrerverhältniffe, die Lehrerbildung in die Hand nehmen. Er soll für ein verbessertes jüd. Armenwesen, eventuell für eine den Anforderungen der Zeit und des Judenthums entsprechende ^gemeinsame Armennnd Waisenanstalt wirken u. A. m. ]

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