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Der israelitische Lehrer · 1862-12-01 · 23 (1.12.1862) · p. Seite 179

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
2 (1862)
Issue
23 (1.12.1862)
Date
1862-12-01
Page
Seite 179 (sequence 7)
Language
German
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179 putation des hiesigen Lehrer-Collegiums einzuführen. ES ist Ein Drang aus vereinten Herzen, der uuS treibt, dem geliebten und geachteten Collegen heute, am Vorabend feines 25jährigcn Jubiläums, unsre bestgemeintesten Glückwünsche darzubring'N. 25 Jahre, in Lust und Leid, in Sieg und Streit, in Arbeit und Mühe, in Sorge und frohem Muth, gesund und krank, sind verlebt und unwiederbringlich hinuntergesunken in den Schooß der Zeiten, um nie wiederzukchren!-Wirklich unwiederbringlich, um nie wieder- ' zukchrcn?!-O Nein! In diesem Augenblicke schon sind sie wiedcrzekommen und ziehen an Ihrem Geiste in milder Verklärung vorüber, und alle einstigen Schatten sind freundlich beleuchtet im Lickte der Gegenwart! Nein, sie sind nicht verloren, diese 25 Jahre, sie waren ja eine Zeit der Saat: Noch einmal erscheinen sic mit Ihnen beim großen ewigen Jubiläum vor dem Throne des Ewigen! Mögen diese Jahre dann— und das ist uns r Glückwunsch — Sie am großen Erntetage cer Ewigkeit umstehen, als volle, reiche, schwere Garben, dem treuen Arbeiter ein reicher Lohn für treulich aus ge st reuten Sa amen! — Und Sic, verehrte Gattin des Jubilars, Sic' haben auch Ihren Anthcil an der Arbeit, am Segen und Lohn dieser 25 Jahre, das wissen Alle, die in ähnlichen LcbcnSvcrhättnisscn stehen: Wie viel im Einzelnen? das ist nur zwei Herzen bekannt und d m „Hüter Israels, der nicht schläft noch schlummert." Wir sprechen aus vollem Herzen der Mutter des Hauses, der treuen Mutter wohlerzogener und wohlgcrathcner Kinder, Anerkennung und Hochachtung au4: das Glück dankbarer Söyne und Töchter w-rdc dem gefeierten Jubelpaare süßer Lohn bis zum fernsten Lebensabend! Schließt ch wurde demselben in später Abendstnndc von mehreren seiner früheren Sckülcr unter Mitwirkung hiesiger Bürger ein musikalisches Ständchen gebracht. E. D: Sveycr. Im „iöracl. Lehrer" Nr. 22 beklagt ein Correfpendcnt U, „doß viele frühere Schüler des Herrn Schloß bei einer Collcetc zu einem Jubiläumsgeschcnk nicht berücksichtigt wurden." Wer bat den gefühlvollen Schülern verwehrt, sich selbst dazu zu bestimmen, da nicht bloS, wie der chrlichr Einsender angibt, spccielle Freunde und Gönn r des Herrn Schloß sich dabei bctheiligtcn, sondern zwei Drittel der Gemeinde, und zwar der Kern derselben?! Haben ja Schülerinnen von der weitesten Ferne ihre dankbaren Gefühle durch ein prachtvolles Geschenk zu erkennen gegeben.' Lag es nicht den Familien, die dem verdienstvollen Lehrer ihre Anerkennung zollen wollten, ob, ihren entfernten Kindern und früheren Schülern des Herrn Schloß die Anzeige von dem bevorstehenden Feste zu machen? Wir lieben Crocodilö-Thränen nickt.- -Wir können die Versicherung geben, daß für Alle die, welche eine wahrhafte Liebe zu ihrem Lehrer und dem Lehrer ihrer Kinder bewahrheiten wollten, das Jnbiläumsfest unseres Lehrers ein schönes und gelungenes war, auf das sämmtliche Theilnehm'cr gewiß mit einigem Vergnügen zurückblicken, und das auch jener halbe Mißton nicht stören konnte. u m s ch a I». Tic Aufmerksamkeit der jüdischen Welt in der Gegenwart lenkt sich insbesondere auf die Vorgänge in Polen, wo eine vollständige politische Emancipation ausgesprochen worden, wodurch also der bisher weit zurückgebliebene Theil unserer GlaubenSgenosicn manchen westlichen Staaten vorauSgecilt ist. Juden können fortan Profesiorcn an den Universitäten, Lehrer an allen Schulen, selbst in den Primarschulen, Richter an Gerichtshöfen werden. Hoffen wir, daß auch die wciale Emancipation einen entsprechenden Fortgang nehmen wird, und daß die große Masse polnischer Juden sich zu e:ncm der edelsten Zweige an dem Stamme Israels und zur Erkenntniß der Zeit immer mehr entfalten wird. — In Nowgorod haben die Israeliten anläßlich des Jubiläums dem Kaiser freudige Ovationen gebracht. — Der iörael. Kaufmann Wiener hat feiner Vaterstadt Memel durch Testament 13<>,000 Thlr. zu milden Zwecken und außerdem die ersordcrlichen Summen zur Errichtung eines KaufmannSstsites und einer ErziedungSanfialt für arme Mädchen, ohne Unterschied der Confession vermacht. Das baarc Geld wird zum Theil zur Wiedcrerbauung des bei dem großen Brande im Jahre 1854 zerstörten JohanucS-Kirchthums verwendet, und so dem armen Bürger von der Kirchenbaustcuer erlassen werden. Daß man so iSrael. Hochherzigkeit der chnst ichcn Kirche dienen ficht, ist gerade nichts Seltenes, aber daß einem Israeliten ein prächtiges Denkmal auf einem christlichen Kirchhof errichtet wird, wie dem verstorbenen Hrn. Wiener in Memel, dürste ein noch nicht dagewescncs' Beispiel der Toleranz sein. *) (N. F. Z ) — Die Bremer Bürgerschaft nahm, in ihrer Sitzung vom 5. den Gesetzentwurf für das Bürgerrecht nach den Deputationsanträgen an mit 99 gegen 19 Stimmen, und ein Amendement: das religiöse Bckenntniß soll die Erwerbung des Bürgerrechts nicht verhindern; sodann die Bcstimmrrngcn der Verordnungen vcm 4. April 1861 hinsichtlich de» Gewerbebetriebs, und des am 5. Januar 1854 erlassenen Gesetzes, die „bü 'gcrlichcn Verhältnisse der Juden betreffend." (In Bremen werden Juden erst in neuerer Zeit ausge- Wa-um wundert sieb das Blart mcbr über die jüdische als über dst christl. Toleranz? Welche ist bedeutender? Red.

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