Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 2 (1862)
- Issue
- 21 (1.11.1862)
- Date
- 1862-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jährlich 42 Nummern cm 1. und 15. jeden Monats. Preis i Tblr. oder ~i kr. halbjährig. Der .Innigen 5 kr. oi er I Tqr. ,.e ' eritzcile. B>st-.Uunzcn nelmen alle Luchbendlungeu Postämter an. AsrrleWsrlie Aelmr. Ein Lrgan für die Schule, die Familie und das GemeindeKbcn de« Audeittdums. 5>rrausgcgebcn ). Klinqcnstcin,! Ignaz Lcstmann und 2l. .Treu. -z. >0. 21. Mainz, den 1. Aövembex Heber den Unterricht in der hebräischen Sprache. £8 läßt sich nicht verkennen, daß die Kcnuiuiß der bcbräischen Sprache für den JSraelitcu wichtig ist. Sie ist die Sprache seines Gebetes und die Ursprache seiner beiligen Dü.cher. Die Aufgabe der Schule besteht darin: den Schüler in der hebräischen Sprache so mächtig zu machen, daß er ans dem Urtexte der Bibel ein selbstständigesUrthcil zu gewinnen befähigt wird und dieGcbcte so gut versteht, daßsie aus sein Gefühl wirken. — Dieses Ziel hat noch keine der Schulen, die ich kenne*), erreicht; wir müssen eS aber zu erreichen suchen, weil sonst der Unterricht ini Hebräischen fast ganz nutzlos bleibt. ES ist Zeit, daß wir uns die Frage vorlcgen: „Was ist in diesem Gegenstände geleistet worden und wodürch kan^. eine Bcrbcsserung ermöglicht werden?"**) Was ist bis jetzt geleistet worden? Man läßt das Kind, wenn cS nach einer verdorbenen Aussprache das Hebräische lesen kann, Pentateuch und Gebete mechanisch übersetzen; auch kömmt wohl etwas Grammatik hinzu (etwa der Leitfaden von Hcrxheimcr oder ein ähnliches Büchlein).; das Zeitwort wird conjugirt und die Wurzel eines Wortes gejucht. Auf solche Weise bring: cs der fähigste Schüler höchstens soweit, daß er das ccm und die wichtigsten *) 2ch spreche nur von b«r Volksschule. (Eins.) **) Wir glauben den geschauken Einsender ans unsere Schrift: „der Unterricht im Hebräischen, methodische Anleitung" :c. aufmerksam machen zu dürfen, die eingehender Weise obige Fragen bespricht, und «in methodisches Verfahren, gegründet auf streng und eoisteguent durchgeführtenstrationell-pädagogiichen Grundsätzen dem Lehrer empfiehlt. Wir glauben, daß unser« Methode des Hebräischen eine Zukunft hat, da sie sich auf Ler einzig richtigen Basis bewegt, und dürfen deshalb diese für einschlägigen Zweig noch nicht genügend gewürdigte Schrift, die dem Lehrer ei» Wegweiser zum Unterichte ist, strebenden Männern warm emvfchlen. (Die Red.) -Gebete mechanisch überscvcn kann; die große Mehrzahl erreicht auch dieses Ziel uiel't. Tic Grammatik ist so unzulänglich, daß sic das Ganze wenig oder gar i.iclu l^iuslußt: 2iach Beendigung der Schuljahre wird nun dieser Gegenstand, der das, Kind in der Schule gclaugwcifl^ der dessen Gedächtnis fürchterlich gequält hat, über Lord geworfen, so daß auch der letzte Funke jüdischen Wissens bald erlischt. * > Tie Mädchen bringen cs auch so weit nicht; sic, lernen nur einige Gcbctstellcn übersetzen; mit Sprachlehre, niit hem Urterte der h. Schrift verschont mau sic. Tie Mütter pnterrich'.et die der Schule entlassene Tochter über den Barl hcs Kopfputzes, über die Construkticn der Crinoline's. w.; ,511m Besuch des Gottesdienstes bleibt daher keine Zeit übrig joder die unvcrhciraihetcn Damen bleiben der guten (?), alten Sitte **) gemäß überhaupt vom Gottesdienste fern und — .die Paar Gebcstellen sind dem Gedächtnisse schnell entschwunidcn. Traurig, aber wahr! > Wenn die hebräische Sprache das Gefühl nicht in viel , höherem Grade erregte, wenn ste das religiöse Element nicht!vicl kräftiger ausdrücklc, als die Muttersprache***) wem das Bcrständniß derselben nicht das Bcrständuiß der h. Schrift in hohem Grade beförderte, dann wäre es wahrlich Zcitvcrschwendung ihr einen Platz im Lehrpläne cinzuräumen. Bis jetzt ist aber die Jugend durch Erlernnug der hcbr. Sprache nicht zum Vcrständniß der Thora und der Gebete gebracht worden, weil unsere BchandlungSwcise — wir müssen das zugcbcn — noch sehr mangelhaft, weil wir noch nicht so weit sorlgcschritten sind, daß durch *) Tollt» daran die Schule, der Umerrjcht allein schuldig sein? (Red.) **) Das, soviel wir wiffen, Einzige, worin man an der guten (Y!) alten Sitte nicht ändert. Doch; — In großen Städten stbon, gehen die Damen in den Eher, doch bleibts mit-'der heiligen Religion, wohl nachher wie zuvor. (Die Red.) > ***) Das läßt sich wohl nicht sicher behaRoteu, obwohl wir im Ganzen ebenso wie der Herr Einsender von der Bedeutung des Hebräischen im Unterricht «nd Gotteshaus überzeugt find, l Die Red.)!