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Der israelitische Lehrer · 1862-05-15 · 9 (15.5.1862) · p. Seite 68

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
2 (1862)
Issue
9 (15.5.1862)
Date
1862-05-15
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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A , - 68 - den zusammenftrömenven Eckenstehern, den berufenen und unberufenen Zwischenhändlern mit ihren DergleichSvorschlägen zu widerfteydn. — In der Regel endigt daher auch ein Vergleich, statt" eines Eides mors judaico die Sache. Und da sollte der unterliegend« Theil nicht zu diesem letzten Mittel greifen, durch -däS er den gewinnenden Gegner chicanirt, ihn abschreckk, oder ihn mindestens durch einen moralischen Zwang zum Vergleich nöthigt? Man müßte die menschliche Statur nicht kennen, oder Leu Juden für mehr a!S einen Menschen halten, wenn man von ihm fordern wollte, daß er ein solches,^so oft als probat gefundene» Mittel, welches der NfuS der Gerichte ihm darbictct, von der Hand weise! Gebt die Gegner einander in solcher Weise Preitz, sullt'es in ihrer Wahl und sic werden sich einander aus die- „Sauhaut" oderin's Wasser stellen oder i la Pfeffer körn.fasten und lieber mit zehn oder zwanzig Zuthaten, alsblos mit Tesillin, TalliS, Tosten' Hemd , Rabbiner, Synagoge, gejchricbener Thora-Rolle — also doch im Ganzen -nur sechs verschiedene Apparate — schwören lassen. Wahrlich! - nachdem sich alle Consistorien und Rabbiner — älter und neuerer Richtung —; nachdem sich die von der k. bayr. Regierung angrstelltcn vier Bczirksrabbiner der Pfalz, nachdem sich israelitische Versammlungen — -zuletzt bie* mehr genannte zu LudwigShascn — gegen dccsen Eid ausgesprochen und ihn als /nicht jüdisch anerkannt haben; nachdeni eine zahlreiche Judengemeinde, Dürtheim, einen beschwerlichen und kostspwligcn Prozeß dagegen geführt hat; nachdem die ganze israel. Pfalz sich selbst freiwillig besteuert, um di^ Frage vor unser Höchstes Gerichtzur endlichen Entscheidung zu bringen— nach all' diesem wessen wir nicht, wie man behaupten kann, die in der Masse laufenden GlaubcnSbegrifje erfordern oder rechtfertigen einen solchen Eid. Im Gcgenthcile; läge in der jüdischen Religion, im Judentum überhaupt riichl ein so reicher Fond - von all' dem was recht, wahr- und gut ist; wäre nicht der Jude durch die ganze Richtung 'seiner Religion,. die von allem Dogma aüsehend, und von aller Glaubens sc ligkcit ferne, nur aus Moralität und sittliches Thun dringt, auf Recht und Wahrheit und Friede, als die „drei Grundpfeiler der Wett" hingcwiefen, eö läge wahrlich! nahe genug, daß gerade durch solche Eide „more judaico-* das Rechtsbewußlf.in -untergraben und in.dem gemeinen Manne eie Ansicht.erweckt würde, d»e in unserem Gesetze liegende übergroß^ Mehrzahl rer gewöhnlichen Ecde seien nicht so genau jif nehmen, und' uür -jener sei eigentlich ein religiöser biltdenrer Eid?! - , Aber Gott sei Dank!'ES ist dies nicht zu fürchten. In unsrem io oft verkannten, fo lange unterdrückten, so vielfach geschwächten Judenthum liegt ja ein reicher Schatz der herrlichsten Gottesgaben, möchten wir in-gesammt sie immer mehr erkennen, schätzen und wahren lernen! Und nun leben! Sie wohl, mein lieber Freund und Sie, meine wertsten Q ollegen und Leser! Mein Zweck war, unfern GlaubenSgenoj 'en in Nah und Fern zu zeigen, daß auch in der Pfalz jütischer Sinn und jüdisches Sein, aus längerem Schlummer wieder erwacht, sich regt und bewegt. Ich werde Sie — ei schrecken Sie nicht, ich will künftig nur kurz und durch Daten rcfcriren — in allen unseren Angelegenheiten au courant zu halten suchen. — Habe ich Sie durch meine mitu rter recht langen Auseinandersetzungen nicht zu sehr ermüdet und gelangweilr, so plaudern wir in diesen Blättern bald wieder ein anderes Kapitel zusammen durch. Bis dahin — Neustadt a. d. Gott befohlen! Haardt, 24. Februar 1862. Ignaz Lehmann. a 11 m f df o m. — lieber die La« e unserer nafsahischen Berufsgcnosien erfahren wir durch ei te uns gütigst mitgethcilte Correfoondenz der Wiesbadner Zeitung vom )2J7. April folgendes: Pom TaunnS, 23. April. Iw mehreren in- und ausländischen Blätter». ist schon mehrLremale der Interessen der israciitischen Lehre: Nassau's gedacht und ihre bedrängte Lage erörtert worden Um Ihnen einen kurzen Begriff hiervon zu geben, gasten wir den in Nr. 23 des Nass. SchulblalteS pro 18k 1' „die Lage der israelitischen Lehrer in Nassau* übeschriebcnen Artikel, welcher lautet: „Wenn irgend eine Dienerktesse in unserem, Herzogthum bedrängt ist, und eine Berücksichtigung ihrer Bcrhältnisse verdient, so sind es unstreitig die iSraclit. RcligionSlchrcr. Wenn auck von Seite unseier humanen StaatSrcgicrung Schutz und Sicherheit denselben vor den Ränken nnd.Jntriguen so mancher CultuSvoi stände verliefen wurde, so bleibt doch uoch immer zu wünscien übrig, und hoffen wir, daß eine Wohlthat die andere wzeugcn mözd. Die Besoldungen sind bekanntlich meistens d:r Art, daß man hiervon keinen Nothpfennig zurücklezcn kenn, eine Weiterbeförderung von Oben findet nicht statt, und ein Institut zur Versorgung bei eiiptretendem Alter ist nicht vorhanden. Von den Gemeinden, wenn auch einige ben ittelt, sind wenige oder gar keine geneigt, weil das Scep er der Willkür ihnen genommen und sie somit dem Lehrer die schuldige Achtung zollen müssen. Dennoch aber muß Unrecht im Stillen sind unr aüf jüdische nicht selten vor, daß r sich fügen und gar oft erlittenes b:k)agen. Die unvcrheirathctcn Lehrer Gastgeber angewiesen, und kommt es man denselben, falls sie als Kantoren

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