Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 2 (1862)
- Issue
- 8 (1.5.1862)
- Date
- 1862-05-01
- Page
- Seite 63 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 63 — mpaa auch des bester Gesinnten Israeliten bemächtigen? 2'pdr« rir«''' pi .iri An diesem Orte herrscht wirklich keine Gottesfurcht, wjrd er betrübten Herzens auSrnfen. — Vielleicht möchten manche geschätzte Leser, bei denen längst diese Unsitten einem geregelten Gottesdienste weichen mußten, glauben, obiges Bild sei mit zu grellen Farben gezeichnet; allein daß eS naturgetreu, wird folgendes Faktum beweisen. In einem nicht weit von hier entfernten Orte wurde verfiossenen Simchath Thora der Gottesdienst durch einen heftigen Streit, wobei die Partheien fast Handgemein wurden gestört und eine der schönsten und sinnreichsten gottesdienstlichen Handlungen dieses Tages — Chosan Thora und Chosan Beresckith — gab die Veranlassung dazu. Ein junger Mann von dorten war Bräutigam und diesem wollte die ihm befreundete Parthei — denn die dortigen Israeliten sind gewöhnlich in zwei feindlich« Lager getheilt — nach dem herrschenden UsuS Chosan Thora steigern,! (eS -wird hier, wie erwähnt noch öffentliche Auktion in der Synagoge vorgenommen)^ Allein die andere Parthei steigerte so lange mit, bis ihr um eine große Summe feierlich — der Zuschlag erthellt wurde. Ueber diese enorme Ausgabe schon aufgebracht, kam das lodernde Feuer dadurch zum Ausbruch, daß der Bräutigam durch Ersteigerung der Hastarah und besonderer Bestellung eines ivr inx von den ihm befreundeten entschädigt wurde, dermaßen, daß der Ort-Vorsteher zur Aufrechterhaltung des Friedens herbeigerufen werden muhte und vom Kreisgerichte Aschaffcnburg eine Untersuchung cingeleitet wurde. Ich will mich einer weiteren Detaili- -rung dieser höchst tristen und ko mischen. Astaire enthalten; eS gewährt schon das Wenige einen Einblick in unsere traurigen synagogalen und Gemeindeverhältniste. Dabei ist aber an eine vorläufige Bestergestaltnng nicht zu denken, da von. den Gemeinden bei der Verkehrtheit ihrer Ansichten eher eine' Verschlimmerung zu erwarten.und unsere Rabbinen alles beim alten Schlendrian belasten. Einige Belege hierfür zu geben behalte ich mir später vor. Um mit etwas Erfreulichem zu schließen, soll noch eines Frauenvereins der vor Kurzem dahier gegründet und sich die Förderung von GesetzeSkenntnisteN, Almosenspenden und Gemiluth Chasadim zur Aufgabe gestellt, Erwähnung geschehen. Möge er ein langes, segensreiches Wirken entfalten. * H.n Umschau. Da» österreichische Start-ministerium hat dem Recurse eine- Wiener israelitischen Großhändlergegen Aufrechnung der Bürgerlastcnreluitionstaxe stür den jAntheil eine- Hauses in der Leopoldstavt Folge gegeben mit der Begründung „daß aus der allerh. Verordnung vom 18. Februar 1860 die Gleichstrllug der Israeliten mit den Christen in Ansehung des Besitzes bürgerlicher Realitäten in derStadt gefolgert werden müsse." - * Die „B. und H. Z7? hört, daß der jetzige preußische Justizminister Graf z. Lippe hinsichtlich der Anstellung jüdischer Assesoren die Grundsätze seines Vorgängerüberall thrile; derselbe hat in diesen Tagen die Ernennung de» dem jüdischen Bekenntnisse anzehörenden Gerichtsastesors Goldstandt zum Rechtsanwalt in Aschersleben vollzogen. (Derartige Ernennungen find unsere- WistenS auch von Herrn Simons unterm Ministerinm Manteuffel vollzogen worben.) In der israelitischen Gemeinde Wien rührt sich seit einem Jahre die im Dunkeln agirende bekannte kleine und dort (auch das nur in Folge einiger Polen) etwa */»• oder noch weniger zählende Partei , um eine Reorganisation der Gemeindeanstaltcu in ihrem Sinne refp. eine Beherrschung der Gemeinde anzubahnen. Die ultramontantn „Tiroler Stimmen" hatten unter allerhand anderem auch das Mährchen von der „Feier de» jüdischen Osterfestes mit Christenblut aufgetischt. Wir lesen nun in der „N. F. Z." daß die in Innsbruck ansässigen Israeliten eiste Klage gegen das Blatt anhängig gemacht haben, weil eö neulich wiederholt gesagt hatte, der Staat habe seinen christlichen Bürgern keine Garantte geboten, daß die geschichtlich erwiesene Praxis, diejüdischen Ostern mit Blut au feiern, nicht in Anwendung komme. Sollte man eS a >er glauben, daß im Jahre 1862 im Herzen von Deutschland, in einer seiner ältesten und hervorragendsten Städte, in' welcher eine neuerdingS angesiedelte Gemeinde in dies« m Jahre eine 'monumentale Synagoge feierlich einweihte, in Töln, solcher Aberglauben noch verbreitet wäre, und Unruhe und Kränkung Unschuldiger herbeiführen könnte? Mi n höre, was die „Kölner Zeitung* berichtet:. „Auch hier in der rheinischen Metropole stst e» dieser Tage zu Judcnsterfolgungen gekommen, wie sie dem obscursten Städtchen Ungarns oder Italiens (?) alle Ehre gemacht hätte. Seit längerer Zeit sind in den niederen Volksschichten dunkle Gerückte^ von geraubten und gemordeten Mädchen und Kindern verbreitet, welche natürlich von Niemand anderem, als von worde» fein könnten, der wegen feines l gehalten wurde, mit seil der Straße stand, riefe Juden aufgefangen und fortgelockt AIS nun gestern Abend ein Bürger llbarts (!) für einen "Israeliten em Töchterchen an der Hand auf plötzlich einige Kinder: „Da ist