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Der israelitische Lehrer · 1862-02-15 · 4 (15.2.1862) · p. Seite 26

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
2 (1862)
Issue
4 (15.2.1862)
Date
1862-02-15
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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r 26 de« Sünoensall> für einen Mythus, und habe sie den Bindern dennoch so rrzählt,wi« sic da steht. — Wir muffen nur das Wort „Mvthus" richtig verstehen. Jede Geschichte ist eine doppelte: einmal «inesolche,die wirklich geschieht in Zeit und Kaum; dann hat jede Geschichte einen inneren geistigen Gehalt, der der Menschheit angrhört und sich nun in jcdkpr Menschenherzen wiederholen soll. So ift's nun ganz besonder« in der religiösen Geschichte. 'Nun ist ein Mythus eine religiöse Geschichte, wo diese immerwährende Geschickte, die im Menschenhcrzen immer lebendig bleibt, dargestellt wird in einer geschichtlichen Hülle, obgleich sie äußerlich nicht so dem Buchstaben nach in Zeit und Raum geschehen ist — wie sa kein Mensch glauben wird, daß Gott im Garten.spazieren gegangen sei —: aber die Geschichte des Sündenfalls ist eine immerwährende Geschichte; jede« Kind erlebt, sie noch in ihrer Wahrheit und Wirklichkeit. Und die kindlichen Züge derselben kann der Lehrer durck Hinweisung aus das Leben de« Kurve« immer wieder begründen, erklären und dadurch die Geschichte lebendig machen. Und darum ist sie, obgleich.sie nach ..reiner Meinung nickt so einmal wirklich'nach dem Buchstaben geschehen ist, doch eine wirkhche Geschichte^ die im Menschen immer wieder erlebt wird- Wenn die Schule eS erlaubt, namcnti lich in Massigen Schulen, so ist es zweckmäßig, diesen reli-! giösen Anschauungsunterricht in 2 Abtheilungen zu geben. Der Lehrer erzählt diese Geschichten selbst im kindlichen Tone der Schrift, doch nicht buchstäblich. Der Lehrer soll vor allem aus dem Herzen erzählen und nicht aus dem Grdäcktniß, er soll erzählen, was in ihm selber Leben gewonnen hat. Da« Wiedererzählen ist eine Gabe. Nicht jrde^. Schüler hat diese Gabe und kann es. Diese Gabe erfordert auch Uebung. Der religiöse Unterricht ist nrcht zu dieser Uebung da. Der Lehrer muß sich bei den meisten Schülern damit begnügen, daß ex durch Abfragen die erzählte Geschichte zum geistigen Ergeuthum der Schüler macht und nur Einzelnen/die die Gabe haben, das Wiedererzählen überläßt. Wollte her. Lehrer dir biblischen Geschichten zum Auswcndiglerneu aufgebcn, so würde er damit sicher das religiöse Leben ertödtcu. Zn der ersten Abtheiluug gibt der Lehrer die einzelnen biblischen Geschickten mit Auswahl, soweit sie im Schaser lebendig werden können, in der zweiten gsbt er die biblische Geschichte im Zusammenhänge und es kommen auch die Geschichten, die nicht im strengen Sinne rrligrösr Geschichten sind, die aber_ zur Vermittelung deS Zusammenhanges und oes,Nerstäudnisses der religiösen Geschichte dienen, mit vor." Schließen wir mit vrnselben Worten, mif welchen der edle Redner — Oberhofprediger Schweizer ans Gotha — schloß: „Und nun noch ein. Wort, lneine Herren. E» gibt vielerlei Richtungen im religiösen Leben der Kirche uzrd in der theologische» Wissenschaft. Wenn wir praktisch «erde», dann sehe» wir, wie diese Richtungen eigentlich alle zu einem Ziele gehen. Im Mittelalter hieß es: Es gibt viele! Wege nach Rom. Ich sage: es gibt viele Wege zu Gott, j Der Rationalist, der nicht» sucht, als seinen Gott, unb seine Kinder nur zum lebendigen Gott führen will,! und der Orthodoxe, her dasselbe will, in der Schulklasse, wiö auf der Kanzel kommen sie fast immer zu denselben Zielpunkten. Nur daraus kommt es an, daß der Lehrer das Leben Gotte«, feine Liebe im Herzen trage, und dabei die rechte, die verständige Methode habe, um diese Liede und nur sie in dem Kinde lebendig zu machen. Dies« Ansichten find das Ergebniß meiner Forschungen und vielmehr meine« Leben«, meiner Arbeit in Kirche und Schule. Und nun danke ich Ihnen schließlich für die lange Geduld und bitte Sie um Verzeihung, daß ich diese so lange in Anspruch genommen habe." Die jüdische. Schule in Württemberg. Kaptzel bei Buchau, den 24. Dez. 1864. Erst heute komme ich dazu, Ihrem Wunsche.;» genügen und meinem Versprechen.nachzukommcn, Ihnen > über die iSrael. Schulen Württembergs und deren Lehrer re. ■ nähere Mittheilungen zu machen, die (als öffentliche regelmäßige Lehranstalten) sich auch erst in neuerer und neuester Zeit Bahn brachen; denn bis in den zwanziger Jahren bestanden bei uns auch nur Winkelschulen, von welchen die Regierung keine Notiz nahm, wie von so Manchem, was die Israeliten betraf. — Die erste Schulordnung in Württemberg, welche unter dem edlen Herzog Christoph i. I. 1559 erschien, und welche lauter: „Die VolSschulen sollen fürnchmlich mit Gebet und Ka^echiSmo und daneben Schreiben« und Lesen« ihnen selb« und gemeinen Nutzen« wegen, dergleichen mit Psalmensingen bester baß unterrichtet und christlich erzogen werden," konnte um so weniger der Israeliten erwähnen, als Württemberg, da« jetzt noch wenige Israeliten besitzt (etwa 11,000), damals vielleicht kaum so' viele Hunderte besessen haben mag, und als wir nirgends ein eigenes Bürgerrecht hatten; sondern bloS als Fremde, des Schutze« Bedürftige geduldet wurden, ja Leibzoll oder das sogenannte Jude» - Geleitgeld zahlen mußten, das erst unter König Friedrich i. I. 1808 aufgehoben wurde.

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