Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 1 (1861)
- Issue
- 15 (1.12.1861)
- Date
- 1861-12-01
- Page
- Seite 120 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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120 al«> einzelne unzusammenhängend« Sätze enthalten, um — das Satzlesen (!) zu üben? Die kleinsten Sprüche sind wohl oft die gediegensten, aber 26 Seiten sind nicht alle dieser Art, und dann —26 Seiten! — Nach diesen kommen „leichtere" Hefestücke! (Worin im Berhältniß zu andern Lestücken die Leichtigkeit derselben liegt, ras zu brurtheilen, fühlen wir un« „ zu schwach) Dann „schwerere" Lesestücke, dann- „belehrende" Lesestücke. „Sage mir, wo. deine Logik ist, und ich will dir sagen, ob du ein Lehrer bist." Sollen etwa die leichteren und schwereren Lesestückc, die einfachen und zusammengesetzten Sätze uicht „belehrend" sein? Ist belehrend, gegenüber jenen Prädicaten etwa ein Gegensatz oder eine Progression? Doch genug, das Buch entspricht nicht unseren Anforderungen an ein jütisches zeitgemäßes Schullesebuch, ist weder jüdisch noch pädagogisch; crsteres selbst dadurch nicht, daß eS einige biblische Krummakher'sche Fabeln und etwa 3—4 Erzählungen aus der späteren jüdischen "Geschichte, und, oWun- . der! die ganze jüdische Geschichte von rer Weltschöpfung bis heute auf 12 Seiten enthält, von welchen gerade 3 Seiten auf die ganze nachbiblische Zeit kommen! Ebensowenig wirk das Buch, wie wir bereits sagten, vor-dem Richterstuhle der Pädagogik bestehen kömie». .Wir bedauern es verurtheilcn zu müssen, schon darum, weil eine Bearbeitung des Preuß urw I. A. Vetter scheu Kinderfreundes, seiner auch in diesem Gewand« noch durchscheinenden sehr ^pietistischen Färbung willen, für die Gegenden, wo dies Buch, wie gesagt, regulativ ist, eine zwingende Nothwendigkeit sein mag. K. Correspond cn; und Rachrichten. — Des BorfängertiensteS ledig, machte ich während der Ferienzeit einen kleinen Ausflug nach Bergzabern. Ten Schulstaub eines Zschres hinter mir, einen heitern Himmel vor mir, und einer herzlichen Aufnahme bei alten Bekannten und treuen Freunden gewiß, brachten mich Eisenbahn und Smnibuö rasch an das Ziel meines Ausflugs aber nicht meinem Versätze gemäß wieder so bald zurück, zu den thcuern Angehörigen. Gar Manches fand ich verändert, nur nicht die rastlose Thätigkeit des dortigen Verstandes der israel. Gemeinde zur Hebung res Schulwesens,! zur Aufbesserung rer Verhältnisse des dortige» Lehrers Eichholr, zur Belebung und Erhaltung des religiösen Sinnes in der Gemeinde. Die Gemeinde Bergzabern verdankt den rastlosen Bemühungen jenes Mannes den Bau einer neuen Synagoge, die sich in ihrer Ausführung und Ausstattung jeder andern Synagoge der Pfalz würdig an die Seite stellen darf; sie verdankt der Religiosität desselben,, daß in dieser Synagoge der Gottesdienst in solch erhebender Weise gefeiert wird, wie es vielleicht in wenigen Synagogen der Fall ist. Ernste^Ruhe und innige Agracht erheben den Geist zum Allmächtigen empor. College Eichhold hat es den lehrerfreundlichen /Gesinnungen dieses Vorstandes zuzuschreiben, daß er sich! einer sorgenfreien Stellung erfreuen darf.. Gewiß chut es Jedem wohl, wenn er Männer trifft, die nichts versäumen, was im * Interesse der Schulen, was im Interesse des Lehrerstandes gethan werden kann. Solche Männer setzen sich ein Denkmal in den Herzen der Kinder, aber auch der Lehrer, und verdienen, daß man ihrer rühmend erwähnt. Seligman Blum heißt dieser würdige Vorstand der israelitischen Gemeinde, dieser wackere Lehrerfrsund. Möge er noch lange und ununterbrochen in Segen wirken. □Set rdpn rrnaa 1122 '2122 crpDiytf 12 S2 •otde; Speyer 10. Rovbr 1861. Schloß, Lehrer. München. Am 19. October hat die Kammer der Abgeordneten verschiedene auf die Schule bezügliche Anträge angenommen, die, da besonders in der Pfalz die jüdischen Schulen vollkommen gleichgestellt sind, auch diese theilweise treffen. Hierher gehören die Anordnungen: 1) daß der Minimalgehalt eines Schullehrers in der Pfalz in Gemeinden unter 2000 Seelen auf 400 fl. festgesetzt bleibt; 2) daß den Gemeinden Mitwirkung bei der Besetzung von Schulstellen zustehen soll; 3) daß den Schullehrern und Schulgehülfen bei den Lokalschulcommissioneu eine entscheidende stimme eingeräumt werde; u. A. m. > Aus Kaden. „Es find nicht alle frei, die ihrer Ketteen spotten." Selbst das Frankfurter Journal fand seit mehreren Tagen es mehreremal für „dringend" geboten, gegekk die „Bedenken" sich zu äußern, welche gegen das „religiöse Bekenntniß" res SbergerichtSaevokaten Kusel gerichtet wurden.! Man fand in ihm eine Celebrität an Geist, politischem Freij muth und wissenschaftlicher Tüchtigkeit. Die Residenz Karle-! ruhe hält ihn dieser Eigenschaften willen ihrer Vertretung in ■ der Kammer würdig, da kommt der Pferdefuß nach: „es ist ein Jude". Noch ist viel des alten Sauerteigs selbst in den gebildetsten Kreisen unseres Vaterlandes. Kusel ist jedoch mit <0 Stimmen unter 78 Abstimmenden gewählt worden. München. Im Landtagsabschied hat das Gesetz über die Verhältnisse der Israeliten im Königreiche Bayern die königliche Sanktion erhalten, und ist somit gesetzeskräftig geworden. Berlin. Gelegentlich einer ccnservativen Wahlversammlung sprach rer bekannte Kreuzzeitnngsritter Iustizrath Wagner: Es sei eine schnöde. Verläumkung, wenn man seiner Partei verwerfe, daß sie nur junkerliche und feudale Privilegien vertrete: „Von Privilegien des Adels könne in unserer Zeit überhaupt nicht mehr die Rede sein, Privilegien existirten nur noch für die Geldsäcke de» OrientaliSmu.s." 1 Aus Meklenburg - Schwerin, 13. Nov. Die Handwerkercurie der Rostocker Bürgerrepräsentation hat die Zulassung der Juden in Rostock beantragt. Bis dahin ist nämlich rer Ausschuß der Juden von der Niederlassung in beiden meklenburger Seestädten, Rosstock und Wismar, noch in unveränderter Uebung. (H. N.) Perantwonlichcr Rccacieur: I. .<l li »gen Nriu in Obern bei m!(Rhkinheffen). — Druck und Bering von Rfu. Fri« e r. Will in Darmüadk.